MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Mongolei Teil 2

von Sükhbaatar nach Erenhot

Am 10.9. reisen wir, diesmal Nachmittags in Kyakhta wieder in die Mongolei ein. Die Uhrzeit erweist sich als sehr vorteilhaft, weil die Grenzbeamten schon in Feierabendstimmung sind und sich mit der Abfertigung beeilen. Auf die Tage in Russland, für die wir uns nicht registrieren lassen hatten wird erst die ehrgeizige Dame im letzten Häuslein aufmerksam, aber nach einigem Hin und Her lässt sie uns schließlich durch. Auf mongolischer Seite gibt es keinerlei Probleme mit den in Almaty ausgestellten Visa, die zu doppeltem Eintritt berechtigen. Besonders hier scheint man sehr auf pünktlichen Dienstschluss bedacht zu sein; die Stricksachen werden noch schnell verstaut und eine Zöllnerin, die aussieht, als würde sie 10 Minuten später in die Disko einlaufen, treibt uns an und füllt unsere Formulare im Eiltempo aus. Das kommt uns gelegen und als die Nacht hereinbricht stehen wir schon auf irgendeiner Wiese und schalten die Scheinwerfer aus.

Am nächsten Morgen begeben wir uns auf den Weg Richtung Hauptstadt und es ist uns absolut bewusst, dass wir das einzigartige Lebensgefühl, das einen in diesem wunderbaren Land begleitet bis zum letzten Moment auskosten müssen.

Den ersten Stop legen wir in Dulaankhan ein, wo wir uns auf die Suche nach dem ansässigen Bogenbauer machen. Die Orientierung in dem kleinen Dorf ist nicht einfach, so ganz ohne Hausnummern und Straßenschilder, aber die Menschen, die wir antreffen verstehen nach einigen Verrenkungen unsererseits wohin wir wollen und weisen in Richtung eines Holzhauses am Hang eines nahe gelegenen Bergs. Da wäre das Bogenmuseum. Denken wir zumindest.

Morpheus quält sich die schmale Piste hinauf und befördert uns an einen „magischen“ Ort. Auf einem sandigen Platz, umrahmt von Bäumen, an denen blaue Bänder flattern, sind einige Schulkinder gerade mit einem Aktionsspiel beschäftigt. Die dazugehörigen Lehrerinnen sprechen einige Brocken Englisch und führen uns bereitwillig zum Vorsteher des Naturkundemuseums. Ein charismatischer, halb erblindeter Mongole mit schneeweißem Haar öffnet uns die Pforten zu „seinem Reich“. Gemächlich führt er uns durch ein Zimmer voller schwarz-weiß Fotografien, auf denen die einheimische Flora und Fauna abgebildet ist. Er zeigt uns  ausgestopfte Hirsche, Enten, Riesenwelse,…., an denen der Zahn der Zeit schon gehörig geknabbert hat und wunderbare Schnitzereien. Voller Elan erzählt er auf mongolisch einige Anekdoten, zu dieses und jenem und bläst auf einem Horn den Paarungsruf eines Hirsches. Gut, der tiefere Sinn seiner Geschichten bleibt uns verborgen, aber zumindest erschließt sich, dass er der Erschaffer all dieser „Schätze“ ist und dieses Museum sein Lebenswerk zeigt. Wir sind beeindruckt und bedauern uns nicht eingehender mit diesem „Weisen“ unterhalten zu können.

Zurück im Dorf finden wir dann auch noch den Bogenbauer. Wieso wir das Riesenreklameschild auf dem Hauptplatz bei der Ankunft jedoch übersehen konnten bleibt uns ein Rätsel…
Der Meister gewährt uns einen Einblick in seine spärlich eingerichtete, aber großräumige Werkstatt. Erst seit kurzem führe er das traditionelle Handwerk anstelle seines Vaters fort. Wolfgang darf den original aus Horn und Pferdesehne gefertigten Reiterbogen sogar mal spannen.

Gleich in der Nähe breiten wir uns am Ufer des Flusses Yeröö Gol auf einem uns bereits bekannten, schnukeligen Plätzlein für die nächsten beiden Tage aus. Wie wunderbar „einfach“ es doch ist, wenn man eine Strecke zwei Mal fährt. Man kennt die Gegend und muss nicht lang nach einem Platz für das Nachtlager suchen, man hat sich an die Mentalität der Menschen gewöhnt und ist unbefangener – man hat sich gewissermaßen auf den „fremden“ Rhythmus eingestellt und weiss, was einen erwartet.

Auch Thomas und Sabine, die in Russland etwas weiter gefahren waren, gesellen sich hier erst einmal wieder dazu. Gemeinsam fahren wir am 13.9. weiter nach Darkhan, wo wir auf ihren Tip hin eine Filzfabrik besuchen. Hauptsächlich Schuhe in allerlei Farben und für Groß und Klein werden hier von Hand gefertigt. Die dafür verwendete Rohwolle wird im Haus gewaschen, gekämmt, eingefärbt und nach Form gewalkt. Die Eigentümerin, die in Ulan Baatar Design studiert hat, organisiert trotz Schwangerschaft im Endstadium den Betrieb selbst.
Noch am selben Abend holen uns auch Matthias und Paula ein.

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2 Antworten zu “Mongolei Teil 2

  1. Andre November 29, 2010 um 11:01 pm

    Halöle… Schöne neue Seite. Dankeschön für die zweite Gutenachtgeschichte hintereinander. 🙂 Hab schon ständig nachgeschaut ob’s was neues gibt. Wo seit ihr denn gerade? Ich fliege übermorgen (Mi) nach Bangkok. Vieleicht, wenn ihr auf Kho Chang seit finde 1-2 Tage um vorbei zu schauen. Braucht Ihr irgendwas fon hier? …… Außerdem, hab ich dir schon gesagt das du verdammt gut schreiben kannst? Du brauchst die komplette Seite nur auszudrucken und kannst ein Buch veröffentlichen. Ich würde es kaufen…… 🙂 Wünsche euch alles Gute, und viel Spaß und Glück
    Andre
    Gruß von meinem Dad

  2. Magdalena Hösl Dezember 6, 2010 um 3:56 pm

    Hallo 🙂
    Schöne neue „Geschichten“ muss ich sagen. Ich freu mich jedes mal wieder wenn was neues im Blog steht.
    Das hört sich verdammt erlebnisreich an 😉
    Wünsch euch noch viel viel Spaß und freu mich auf den nächsten Eintrag 😉