MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Die Wüste Gobi

Die kommenden ca. 230 Kilometer lassen wir aufgrund der guten Straßenverhältnisse schnell hinter uns. Es wird zunehmend kälter und ich frage mich wann denn jetzt endlich die Wüste beginnt. Als es dann schließlich auch noch zu schneien beginnt, bin ich leicht überfordert, weil „Gobi“ und Schneefall nicht ganz meiner Vorstellung entspricht. Machen sich so etwa die Auswirkungen des Klimawandels bemerkbar? Doch bereits als wir gegen Abend einen Übernachtungsplatz auserkoren haben, können wir die dicken Jacken wieder weglegen. Die Stimmung wird nur dadurch gedämpft, dass Matthias in dieser Nacht von einem Angetrunkenen in einem Pkw seitlich gerammt wird. Zum Glück kommt niemand gesundheitlich zu Schaden; am nächsten Morgen müssen die Männer also erst ein paar Schönheitskorrekturen an „baby 3“ vornehmen, bevor`s weitergeht. An Werkzeug fehlt es eigentlich nie – mit dem Equipment der momentanen Gruppe könnten wir wohl eine Werkstatt auf 12 Rädern eröffnen.

Fotografierunterricht

Jeder hat beim Schrauben so seine Aufgabe

Bei Sainshand verlassen wir die Hauptroute und schlagen den Weg in westliche Richtung zum Kloster „Khamryn Khiid“ ein. Fortan legen wir die Navigation voll und ganz in die Hände von Thomas und Sabine, und die folgen den Anweisungen ihres GPS. Die Piste wird zunehmend schlechter und die Landschaft immer eindrucksvoller. Zwar erscheint mir die Wüste nach wie vor grüner als gedacht, es wachsen Lauch, Kräuter, Kakteen und kleine Sträucher voller Blüten, die halbverweesten Kadaver und Skelette am Wegesrand jedoch sind Zeugen des Überlebenskampfes inmitten dieses riesigen Sandmeeres.

eine Sukkulele, ein Wasserspeicher der Wüste

Wer einmal Piste gefahren ist, wird süchtig!

Bevor wir am 23.9. unser Ziel erreichen, winkt auch schon die erste Panne des Tages. Eine von Matthias vorderen Spiralfedern bricht im unteren Bereich. Nachdem Begutachten kann es aber gleich weiter gehen, weil sich durch Stelle des Bruchs eine Reparatur vorerst erübrigt.`

Pünktlich zum Mittagessen erreichen wir eine kleine beschauliche Klosteranlage, die laut Auskunft eines indischen Straßenbauers, eine der „wenigen“ Attraktionen des Landes sein soll. Zum gesamten Komplex gehören noch weitere Pilgerstätten. Gleich bei Ankunft erwarten uns zwei mächtige, über und über mit Milch und Reiskörnern besprenkelte, symbolische „Brüste“. Die dreimalige Umrundung ist den Frauen vorbehalten und soll entsprechende Wirkung zeigen. Etwas peinlich für Thomas, der unter den zweifelnden Blicken einiger Mongolen seine Runden dreht und wie alle anderen auch die jeweiligen „Opfergaben“ darbringt. Erst im Nachhinein erfahren wir nämlich den tieferen Sinn des leicht säuerlich riechenden Objekts.

In einer Linie angeordnet wurden zahlreiche schneeweiße Stupas in die rostrote Landschaft gestellt, die das Kloster und den Glockenturm miteinander verbinden.

Noch ehe wir den Weg dorthin bewältigt haben, und gerade als ich zu Wolfgang sage, „Der Matthias immer mit seiner Kiste….“, krachts und es gibt kein Vorwärtskommen mehr. Der zweite Federbruch des Tages.

Ja, jetzt fordern 3000 Kilometer Holperpiste ihren Tribut! Fast muss man sich wundern, dass das 40 jährige Material die Strapazen der letzten Wochen so gut überstanden hatte. Den ganzen Nachmittag brauchen Wolfgang, Thomas und Matthias für den Ausbau des linken hinteren Federpackets. Die oberste Feder war im vorderen Bereich gebrochen, wodurch sich die komplette Achse nach hinten verschoben hatte, bis der Reifen schließlich an der Staubox zum stoppen kam. Eine Fahr- geschwindigkeit von 20 km/h verhinderte Schlimmeres. Glüchlicherweise wird beim Klosterkomplex gerade ein neues Gebäude gebaut und man hat einen Schweißapparat vor Ort. Die Arbeiter, die ihre kleinen Jurten direkt an ihrem Arbeitsplatz aufgestellt haben, zeigen sich sehr hilfsbereit. Noch in derselben Nacht zerlegen sie mit Wolfgang zuerst das Packet und schweißen dann die kaputte Augennaht. Am nächsten Morgen kann die Blattfeder (zur sicherheit um 180 Grad gedreht) wieder eingesetzt werden.

Ab und an fährt ein Einheimischer vorbei und lässt es sich nicht nehmen mit anzupacken. Eigentlich fährt kein Auto vorbei, ohne Anzuhalten und nach dem Rechten zu fragen!

Nach dem gemeinsamen Mittagessen bei Sabine, die uns freundlicherweise derweil bei sich aufgenommen hat (Morpheus steht in unheimlicher Schräglage) können wir die Reise fortsetzten. Ein angeblicher „Energieplatz“, der von Stupas umrahmt ist und der von einem „Owoo“ gekrönt wird, kommt uns gar nicht so energiegeladen vor. Uns.

Ein sympatischer, kleiner Mönch mit Schnapsfahne stimmt gerade gemeinsam mit einer Reisegruppe eine mongolische Weise an und gegen ein paar Tugrik extra kann man sich persönlich segnen lassen.

Die Felsenhöhlen in nicht allzu weiter Entfernung lassen einem da schon eher einen Schauer über den Rücken laufen. Einst ließen sich betende Mönche hier einmauern, um die Erleuchtung zu finden. Auf der Spitze dieses Berges haben Gaia, Matthias und Wolfgang denn dann auch eine „magische“ Begegnung. Eine Schlange wagt sich aus ihrer Behausung und gönnt sich für einen kurzen Moment ein Bad im Sonnenschein. Wie gut dass ich gerade die Aussicht genieße und nichts davon mitbekomme.

Bei den Fahrzeugen erwartet uns ein nettes, interessiertes Paar aus U.B., dass den mittlerweile ebenfalls eingetroffenen Mönch von vorher, nach einer Haus- besichtigung darum bittet uns für die Reise zu segnen. Wenn das kein positives Zeichen ist…

Advertisements

Comments are closed.