MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Die Innere Mongolei

Den ersten Tag im drittgrößten Land der Erde verbringen wir mit Warten. Der Zoll verlangt die Originalpapiere über das tatsächliche Bestehen der Reiseorganisation. Tony hat nur Kopien zur Hand und somit muss ein weiterer Mann aus Chengdu mit den erforderlichen Unterlagen geschickt werden. Etwas ärgerlich, aber somit können wir uns in aller Ruhe etwas vertrauter mit der neuen Umgebung machen. Vormittags darauf trifft „Gu“ ein, doch es dauert noch einige Stunden bis die Angelegenheit geregelt wird und wir endlich aufbrechen können. „Gu“, der deutschsprachige Praktikant wird uns bis Peking begleiten. Da die beiden im Hotel übernachten und Thomas und Sabine sich bereit erklären beide die erste Etappe mitzunehmen, stellt das ein weniger großes Problem dar. Die Landschaft entlang der sehr gut ausgebauten Straße Richtung Hauptstadt gleicht derer in der Südmongolei, nur sieht man leider keine Jurten mehr. Zu unserem Erstaunen sind die Wegweiser in Mandarin (offizielle Hochsprache), Mongolisch! und Englisch verfasst. Die Regierung scheint also zumindest oberflächlich auf die Wahrung kultureller Unterschiede der verschiedenen Volksgruppen bedacht zu sein (und Mitleid mit den Touristen gehabt zu haben). Als wir zu einem späteren Zeitpunkt die „Minderheit“ der „Yi“ besuchen, finden wir Gleiches vor.

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Als wir bei Anbruch der Nacht ein geeignetes Hotel finden, werden wir davon in Kenntnis gesetzt, dass uns Tony gern in seiner Nähe wüsste und er nichts davon hält, wenn wir uns einen Platz etwas außerhalb suchen…weil es zu gefährlich sei…Na dann, Ade! Freiheit für die nächsten Wochen.

Die deutschen Gasflaschen aufzutanken erweist sich am nächsten Morgen als kleine Herausforderung. Alle vorhandenen Adapter (einschließlich derer, die Wolfgang im Verlauf der Reise schon anfertigen lassen hat) passen nicht zu 100 Prozent. Es bedarf also einem gewissen Improvisationsgeschick.

Auf der Fahrt zum ersten Highlight, der „Großen Mauer“ müssen wir uns auf der entgegenkommenden Fahrbahn (unter Lebensgefahr) an etlichen Lastern vorbei quälen, die alle Verkehrswege Richtung Peking blockieren. Diese sind randvoll beladen mit Kohle, dem vorrangigen Heizstoff in China. Die Auswirkungen einer solchen Energiepolitik machen sich entlang unserer Route auf ungefähr 3000 Kilometern bemerkbar. Der Smog ist streckenweise so dicht, dass man keine 100 Meter weit sieht. Als wir Tony darauf ansprechen, wo denn dieser „Nebel“ herkomme, sagt er nur: „maybe pollution.“ Unfassbar. Es macht schon einen gewaltigen Unterschied die Satellitenbilder zu betrachten, auf denen die Luftverschmutzung als rote Fläche dargestellt ist, oder tagelang über den Highway zu brettern, ohne den blauen Himmel, oder die Hand vor Augen zu sehen. Die Menschen erzählen, es sei nie anders gewesen. Da bleibt einem fast die Luft weg…

Wir erwecken reges Interesse bei den Einheimischen und bei keinem Stop sind wir vor ihren Kameras sicher. Regelmäßig sorgen wir für Menschentrauben. Vor allem nach den stolzen Mongolen, die zwar mal kurz vorbei schauen, dann aber gleich wieder weiter ziehen, braucht es meinerseits starke Nerven, um die Neugierde und Aufdringlichkeit zu akzeptieren, ohne unhöflich zu werden.

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