MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Datong

Unser nächstes Ziel ist die Industriestadt Datong, von wo aus wir die in unmittelbarer Entfernung gelegenen „Yungang-Grotten“ besichtigen. Auf einer Länge von einem Kilometer arbeitet man dort seit nunmehr 1500 Jahren an der Schaffung und Instandhaltung von mittlerweile ca. 100 000 Buddhastatuen. Über 30 Höhlen verteilt, haben sich eine Vielzahl von Künstlern über die Zeit hinweggesetzt und gemeinsam ein Werk geschaffen, das durch seine Fülle an unterschiedlichen Buddha-Figuren (2 Zentimeter bis 7 Meter hoch) seinesgleichen sucht.

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Seit einigen Jahren herrsche laut Tony in China wieder Religionsfreiheit, weshalb die religiösen und spirituellen Orte einen wahren „Boom“ erfahren. Die Masse, durch die wir uns immer und immer wieder schieben müssen scheint hungrig und beraubt den Platz seines Zaubers (die Geburtenkontrolle besteht nach wie vor). Jedermann hält sich an seiner hochpolierten Digitalkamera fest und versucht das beste Bild zu erhaschen. Für keine Pose ist man sich hierbei zu schade. Weder ein „Fotografieren Verboten-Schild“, noch ein rufender Wachjunge können sich dem selbsternannten Hobbyfotografen auf seiner Suche in den Weg stellen. Und auch wir bleiben vom Sensationshunger der Wochenendausflügler (seltsamerweise besuchen wir häufig Sonntags Sehenswürdigkeiten) nicht verschont. Ich meine sogar, wir wären eines der beliebtesten Objekte! Vor allem Gaia!
Spätestens da fange ich an mir die Frage zu stellen, nach WAS all diese Menschen denn eigentlich suchen könnten. Ist es wirklich Religiösität (sehr viele tragen buddhistische Armbänder und Ketten)? Ist es die große Chinesische Geschichte, an die die Bewohner des „Schwellenlandes“ wieder anknüpfen wollen! Oder ist es einfach nur das beeindruckende Foto, das man der Verwandschaft beim nächsten Familienbesuch unter die Nase halten kann, um einen Moment lang in Anerkennung zu baden und eine gute Story erzählen zu können. Auf der einen Seite bleibt sie uns fremd, diese fernöstliche „Mentalität“, auf der anderen Seite – wer weiß, ob wir am Ende so verschieden überhaupt sind…

Durch den todesmutigen Einsatz von Thomas können wir uns zumindest ein Elektroauto für die Rückfahrt ergattern (Anders sind wir dem Engagement der Menge irgendwie nicht gewachsen). Er wirft sich einem nahenden Fahrzeug einfach mit schmerzverzerrtem Gesicht und angezogenem Knie vor die Räder und schon springen wir anderen unter den verdutzten Blicken der Zuschauer hinein. Mit Vollgas, dröhnenden Bässen und wehenden Haaren fahren wir zurück zum Ausgangspunkt und können uns ein breites Grinsen nicht ganz verkneifen – Ausnahmezustand!

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