MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Chengdu

Die Strecke nach Chengdu, wo wir das Mechanikerviertel ansteuern, damit sich Wolfgang endlich der gebrochenen Feder widmen kann, führt uns einmal mehr das eigentliche Potenzial Chinas vor Augen. Seine Masse an Arbeitskraft und deren Arbeitswillen. Überall wird geschuftet. Ganze neu gebaute Städte, einschließlich Schulen, Freizeitparks und Zubringer, schießen wie Pilze aus dem Boden. Wo irgend möglich sind Felder angelegt, auf denen von der Aussaat bis zum Dreschen alles in Handarbeit verrichtet wird. Die Straße führt streckenweise quer durch das Gebirge; wo sich ihr ein Berg in den Weg stellte, wurde ein Tunnel angelegt (und es sind viele Tunnel). Innerhalb von einem Jahr hat man auf einer Strecke von 100 Kilometern eine Autobahn auf Stelzen im Tage- und Nachtbetrieb aus dem Boden gestampft. Auch hier arbeitet man mit den einfachsten Gerätschaften. Vor Ort wird geschweißt, zementiert, gesägt und in schäbigen Baracken gelebt!

Vom 13. bis 15. hängen wir im nächsten Großstadtsumpf fest. Chengdu, in einer Senke gelegen und deshalb ständig unter seiner eigenen Dunstwolke begraben. Man hat ständig das Gefühl man müsse sich duschen, um den Dreckfilm auf der Haut los zu werden.
Unter der ununterbrochenen Belagerung von Mechanikern und Lastwagenfahrern vor einer Reifenwerkstatt im Mechanikerviertel, muss sich Wolfgang endlich wieder der Hege und Pflege von Morpheus widmen. Ersatzteile einkaufen,  Reifen wuchten, und vor allem neue Federpackete anfertigen lassen. Es dauert ewig bis diese ausgebaut, vermessen und wieder eingebaut sind. Ohne die Hilfe unserer Reisegefährten und Tony, der übersetzt, herum telefoniert, nachfragt und sogar über die Preise verhandelt, hätte es wahrscheinlich noch eine Ewigkeit länger gedauert. Zum Abschied trinken wir mit den zwei Jungs um die 20, die hier beschäftigt sind und wie die Kellermäuse über dem Arbeitsraum hausen, noch ein (oder zwei) Bier und freuen uns darüber wie fröhlich und ausgelassen sie unter diesen Umständen sind.

Als wir uns wieder auf den Weg Richtung Autobahn machen, reisst die Bremsleitung und Wolfgang muss sich gemeinsam mit Thomas noch einmal unter den Laster legen. Das verschafft uns anderen die Gelegenheit einen Abstecher in den Stadtkern zu machen und dort im Schnelldurchlauf einkaufen zu gehen. Die breite Angebotspalette im Supermarkt unterscheidet sich ganz gewaltig von der bisher bekannten. Nebst allerlei Leckereien, wobei an Plastikverpackungsmaterial nicht gespart wurde und Tofu in den verschiedensten Farbrichtungen, kann man hier auch günstig Frosch, Krebs, Schlange und Schildkröte quicklebendig von der Stange erstehen.

Advertisements

Comments are closed.