MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Käfer zum Frühstück

Bereits mit dem Sonnenaufgang kündigt ein knatterndes Motorengeräusch die ersten Leckermäuler des
Tages an. Delikatessenjäger, wenn man so will. Schwer beladen mit sperrigen, langen Bambusstangen
und Sammelbehältern nähert sich unserem Stellplatz am Rande eines Nationalparks auf der Halbinsel
Phuket, eine mehrköpfige Familie, die ihren fahrbaren Untersatz, ein Moped mit Beiwagen samt
Sonnendach, beinahe zu sprengen droht. Voller Vorfreude auf eine bevorstehende Köstlichkeit macht
man sich fröhlich lachend und laut schwatzend mit dem Arbeitsgerät in der Hand auf den Weg in
Richtung der umstehenden Bäume. Kurz wird man durch Morpheus Anblick abgelenkt, das schließen wir
jedenfalls aus dem kurzen Innehalten der Gruppe und der ununterbrochenen Verwendung des Wortes
„falang“ (=Ausländer), doch schon nach einigen Sekunden, nachdem noch schnell einige herum
liegende Plastikflaschen geköpft und als eine Art Trichter auf das Ende der Stangen gestülpt
worden sind, ist die Jagdsaison eröffnet. In den Wipfeln von Bäumen und Palmen brummt es bereits
gewaltig. Ein ca. 4 cm langer, maikäferähnlicher Riese geht dort voller Eifer seinem Tagewerk
nach. Wahrscheinlich sind die armen Dinger gerade mit der Zeugung der nächsten Generation
beschäftigt. Es dauert nicht lange und ein Aufschrei des Entzückens teilt uns mit, dass ein Opfer
bereits im Sack gelandet ist. Wolfgang setzt sich mit Gaia auf dem Arm in Bewegung, um das
Beutestück aus der Nähe zu betrachten. Wie der benommene Käfer so vor ihm sitzt und ihn aus seinen
großen, traurigen Käferaugen ansieht, kann er sich nicht wirklich vorstellen dass sympathische
Insekt mit Haut und Haaren zu verschlingen…trotzdem teilen uns die Einheimischen bereitwillig
das Geheimnis der Zubereitung mit. Mit viel Fett in einer großen Pfanne backen, bis sie schön
knusprig sind. Ganze 10 Cent sei das Käferleben letztenendes wert! Den ganzen Tag über und den
darauf folgenden und den darauf folgenden kommen nun Menschenschwärme angerollt, die sich in den
Schatten der Bäume begeben (manchmal fängt auch einer zum Klettern an), ein bißchen hier und da
herumstochern und die etwas „ungeschickteren“ Exemplare nur einzusammeln brauchen. Nach Einbruch
der Nacht scheint die Jagd am aussichtsreichsten. Wir beobachten, wie man sich um die Lichtkegel
der Autoscheinwerfer kreisförmig postiert und die vom Licht angelockten Todeskandidaten nur so aus
der Luft pflücken kann. Na denn, bleibt uns nicht mehr zu sagen, als „Mahlzeit“!

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