MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Der Iran – In einer anderen Zeit

Wir schreiben das Jahr 1389 nach Mohammed, + 2,5 Stunden mitteleuropäischer Zeit, Anfang des muslimischen Jahres, die Morpheuscrew reist in die Islamische Republik Iran ein.

Bereits beim Abwickeln der Grenzformalitäten stelle ich fest, dass mein streng korrekter Aufzug äußerst unpraktisch, schweißtreibend und offensichtlich auch erheiternd ist. Das schwarze Kopftuch, mit passendem Stirnband, das knielange schwarze Kleid und die geschlossenen Schuhe lassen keinen Grund zur Beschwerde.

Die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Einreise, die sich eineinhalb Tage hinziehen, bezüglich der neu geltenden Straßenverkehrsabgabe für ausländische Dieselfahrzeuge werden durch die Freundlichkeit und das uns entgegengebrachte Interesse der Menschen hier schnell wieder wett gemacht.

Nicht minder überrascht stelle ich später jedoch fest, dass es die iranischen Frauen mit der Kleiderordnung nicht ganz so streng nehmen. Trotzdem bleibt das ständige Gezupfe hier und da und ein zweiter Blick und dritter zum geschlossenen Vorhang, bevor man den Schleier lüftet.

Mit dem Öffnen des Schlagbaums ändern sich Welten.

Von unzähligen Plakaten schmunzelt uns Chomeini entgegen, an sämtliche Häuserwände sind persische Schriftzüge gepinselt, das Verkehrsaufkommen ist immens und chaotisch und wir sind von Heute auf Morgen Millionäre geworden.

Mit vier Wägen sind wir unser eigener Sichtschutz.

In Täbris, der erstgrößeren Stadt, treffen wir den Tourismusbeauftragten „Nasser“, der letzte Ungereimtheiten zwecks der neuen „Dieselsteuer“ ausräumen kann. Er organisiert vom Petrolministerium 400 Liter für jeden Wagen und als Entschädigung für den Ärger lädt uns der Bürgermeister zum Essen in ein ehemaliges „Hamam“ ein.

Auf den Straßen sind zwar noch jede Menge Kurz- und Langhauber unterwegs, aber kein 710er!

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Im Konvoi und Unterwegs mit drei kleinen Kindern und zwei Hunden, die man sich in islamischen Ländern normalerweise nicht als Haustier hält, weil sie als unrein gelten, verursachen wir ziemlich viel Aufsehen und machen einige interessante Bekanntschaften.

Von Täbris aus geht die Reise weiter über den kurdischen Teil des Landes nach Isfahan.

Die Landschaft ist bergig, dicht besiedelt und man sieht des Öfteren iranische Familien, die im Grünen zelten und picknicken.

Gaia ist nach wie vor ein begeisterter Beobachter und von ihrem Zuhause aus liegt ihr die Welt zu Füßen!

In Isfahan stehen die ersten kleineren Reparaturarbeiten an den Lastwagen und Ersatzteileinkäufe auf dem Programm.

Im Stadtzentrum besuchen wir Said, einen Teppichhändler, den Wolfgang auf der letzten Reise kennen gelernt hatte. Er führt uns über den Basar und bewirtet uns in seinem Laden mit Tee und Gebäck.

Nebst handbedruckten Tüchern und Miniaturarbeiten ist diese Stadt für seine wunderbare Moschee, „Jame Abbasi“ bekannt, angeblich die älteste des Landes.

Direkt unter der türkisfarben leuchtenden Kuppel des Hauptgebäudes kann man sein siebenfaches Echo hören. Das klingt dann ungefähr so wie Donnergrollen.

Auf dem Weg gen Osten wird die Landschaft zunehmend karger, es gibt mehr Polizei- und Militärpräsenz und am sichersten übernachtet man an der „Raststättenmoschee“ mit Planschbecken…

In Yazd, einer der ältesten Städte der Welt (7000 Jahre) finden wir ein angenehm kühles Plätzchen im Stadtpark. Auch Mathias schaut nach einem abenteuerlichen Abstecher nach Shiraz mal wieder bei uns vorbei. Natürlich bleibt unsere Ankunft nicht unbemerkt und schon bald sind wir umringt von neugierigen Kindern.

Beim Schlendern durch die engen Lehmsteingassen findet man allerhand Interessantes.

An schweren alten Holztoren baumeln jeweils zwei Türklopfer, ein Männer- und ein Frauentürklopfer, die verschiedene Geräusche verursachen, damit die Frau des Hauses immer weiß, wen sie herein bitten darf und wen nicht.

Überall ragen Windtürme aus dem Häusermeer heraus, die sogenannten „badgirs“, die auch den kleinsten Windhauch einfangen, nach unten transportieren und Frischluft in die Gassen blasen. Die Umweltverträgliche Version von Klimaanlage funktioniert schon seit hunderten von Jahren!

Dann tauchen wir ab in die unendlichen Weiten der Wüste.

Die Dasht-e Kavir liegt nördlich und die Dasht-e Lut südlich der Straße.

Ein Mix aus Sand und Salz, aus dem immer wieder kleinere Gebirge aufragen. Erfrischende Oasen, mit wunderbar angelegten Gärten laden zum Pausieren ein.

Und wagt man einen kurzen Abstecher Richtung Dünen, findet sich die in manch einem iranischen Gedicht angepriesene, unvorstellbar, große Ruhe!

(und das ein oder andere interessante Wüstengeschöpf)

Auf der schönen Geraden traut sich auch Frau mal wieder hinters Steuer!

Bevor wir Sarakhs, die Grenzstadt zu Turkmenistan erreichen, besuchen wir die Robat Sharaf Karawanserei. Einst diente sie den Karawanenführern als Herberge auf ihren beschwerlichen Wegen, heute erinnern nur noch der hinter hohen Ziegelmauern versteckte Innenhof und einige Kalligraphien und Stuckarbeiten an „1001 Nacht“.

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