MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Rumänien – Bulgarien

28.09.2009

Bei Satu Mare überqueren wir die Grenze von Ungarn nach Rumänien.

Hier präsentiert sich Europa in einem ungewohnten Licht.

Nicht nur, dass die Grenze wieder besetzt ist, man teilt sich die nicht mehr ganz so perfekten Straßen auch mit unzähligen Pferdekutschen, die Städte zieren halb verfallene Plattenbauten, und verlassene Baustellen sind allgegenwärtig .

Entlang unserer Route durch Transylvanien tauchen malerische kleine Dörfer auf, aber auch viele Plätze, an denen Zigeuner in maroden Häusern leben. Gasleitungen verlaufen hier überland und unzählige Stromleitungen kennzeichnen das Landschaftsbild ebenso wie streunende Hunde.

Langsam wird es abenteuerlich.

Wir fahren durch die dicht bewaldeten Ausläufer der Karpaten bis nach Gherla, wo wir Rosmarie und Heinz, einen ehemaligen Schweizer Arbeitskollegen von Wolfgang besuchen.

Die beiden leben und arbeiten hier und verwöhnen uns 2 Tage lang nach allen Regeln der Gastfreundschaft. Außerdem verraten sie uns einige wissenswerte Details über Land und Leute.

Weiter geht`s über Cluj-Napoca und Medias nach Sighisoara im Siebenbürgenland, wo wir uns in der historischen Altstadt erwartungsvoll auf die Suche nach Spuren des Grafen Vlad Tepes machen, besser bekannt als Dracula, der hier einst residiert haben soll.

Über Campulung und Targoviste verlassen wir diese preislich und landschaftlich z.T. mit dem Voralpenraum vergleichbare Gegend. An der Hauptverkehrsstraße nach Braila herrscht Hochkonjunktur. Überall kann man frisches Obst, Gemüse und selbst gemachten, leckeren Käse erstehen.

Nachdem wir uns durch das Gewirr von Braila gekämpft haben, endet die Straße schließlich abruppt und wir müssen auf einer Lkw-Fähre über die gute alte Donau schippern, um nach Smardan zu gelangen.

Die „22“ führt vorbei an lauter Seitenarmen des großen Flusses, an Seen und Schilflandschaft und durch verschlafene Dörfer bis nach Nufaru.

Wieder setzen wir über (diesmal mehr im afrikanischen Stil) ins Nationalparkgebiet des Donau Delta.

Eine wackelige Piste befördert uns an ein Traumplätzle direkt am Ufer, mitten im Nirgendwo zwischen Birken und Farnen. Bleiben einige Tage, um wieder Energie zu tanken, das Areal zu erkunden und die liegen gebliebene Hausarbeit zu erledigen. Das Wetter ist so grandios, dass Gaia jeden Tag plantschen kann! Einen Verlust gibt`s jedoch zu verzeichnen. Auf einer Spritztour erleidet das Motorrad einen Zündschaden und begleitet uns nunmehr als Attrappe.

Die Idylle wird leider getrübt durch jede Menge Plastikmüll.

Wir haben den Eindruck die Menschen werden zwar mit allerhand fossilen Energieträgern überschüttet, es sind aber weder genügend Entsorgungsmöglichkeiten vorhanden, noch herrscht ein nachhaltig denkender Geist.

Gab`s da nicht schon mal eine Initiative, die Verpackungen an der Kasse liegen zu lassen? Am besten gleich am Markt einkaufen gehen. Schmeckt sowieso besser…

Wir bestimmen durch unser Konsumverhalten welche Produkte wie hergestellt und vermarktet werden.

Lebensqualität ist besser als -quantität.

Von Murighiol aus machen wir eine Bootstour durch vier große Seen im Delta, wo wir Pelikane, Kormorane, Schwäne, Reiher zu Gesicht bekommen. Der Sonnenuntergang vom Boot aus betrachtet ist so atemberaubend friedlich und schön, dass Gaia trotz des lauten Motorengeräuschs seelig einschlummert.

Vorbei an den, dem Schwarzen Meer vorgelagerten Seen linker Hand, und riesigen Feldern rechter Hand, fahren wir nach Cetatea Histria am Lacul Sinoie und schauen uns eine über hundert Jahre alte Ausgrabungsstätte an. Hier siedelten sich einst die Griechen und später die Römer an.

Die Küstenstraße bis zur bulgarischen Grenze ist dicht besiedelt und eine Vielzahl von Industrieschlöten verpesten die Luft. Unzählige Hotelbunker versprechen saisonalen Hochbetrieb.

In einem kleinen Fischerdorf verbringen wir die letzten Tage in Rumänien auf einer Klippe am Meer gemeinsam mit Matihas dem Weltenbummler, einem alten Freund aus Bayern und seinem Hund Paula.

Der uns auf seiner Probefahrt mal kurz besuchte!

Unser Aufenthalt in Bulgarien fällt wegen nicht endend wollenden Regens eher kurz aus und beschränkt sich hauptsächlich auf einen Ort, den Goldenen Strand.

17.10.2009

Wir fahren  in einem Rutsch von der Grenze aus die Küstenstraße entlang, und erreichen nach Einbruch der Nacht unser Ziel.

Wir übernachten auf einem Parkplatz direkt am Strand; natürlich gegen eine finanzielle Entschädigung für die Aufseher. Alles was Wolfgang noch an diese Stelle erinnert, an der er das letzte Mal aus Indien kommend war, ist das ausgeschlachtete Wrack eines alten,  romantischen Piratenschiffs.

Bei Tageslicht wird einem das ganze Ausmaß der kommerziellen Verwertung dieses wohl einst wunderbaren Fleckchens Erde gewahr. Überall Beton, Hoteltürme und Clubgebäude für die hungernden Massen, auf der Suche nach maßgefertigter Erholung und Unterhaltung.

Der Sandstrand selbst ist eine Augenweide! (Aber für welchen Preis?)

Beim Spaziergang durch Nesebar, einem auf einer Landzunge vorgelagerten, netten, alten Städtchens, lassen um diese Jahreszeit nur die unzähligen verschlossenen Souvenirlädelchen auf ein Getümmel in den engen Gassen zur Hauptsaison schließen.

Von Burgas aus düsen wir sozusagen querfeldein über Elhovo bis nach Svilengrad an die Grenze.

Bulgarien präsentiert sich in dieser Ecke von seiner ländlichen Seite. Entlang der Strecke passieren wir einige wenige Dörfer, die zum Teil halb verfallen und verlassen scheinen. Vereinzelt sieht man Quellen und über längere Abschnitte führt die gut ausgebaute und beschilderte Straße durch herbstlich gefärbte Eichenwälder.

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