MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Türkei 2010

In den vergangenen zwei Monaten haben wir annähernd 4000 Kilometer in der Türkei zurück gelegt. Über Istanbul ging die Reise entlang der Schwarzmeerküste nach Akcakoca und dann in die Hauptstadt Ankara. Anschließend besichtigten wir das wunderbare Kappadokien, von wo aus wir weiter nach Adana an die Mittelmeerküste fuhren.

Schließlich verlief unsere Strecke entlang der syrischen Grenze über Diyarbakir durchs Wilde Kurdistan, am Van See vorbei bis zur letzten Stadt vor der Iranischen Grenze, Dogubayazit.

Hier treffen sich nun am Berge Ararat, der angeblich letzten Ruhestätte von Noahs Arche alle zukünftigen Reisegefährten, um fürs Erste ein Stück des Weges auf der alten Seidenstraße gen Osten gemeinsam zurückzulegen.

Aber vorerst, zurück zum Anfang:

Freunde besuchen

In Istanbul, dem einstigen Konstantinopel, wo der Bosporus Orient und Okzident scheidet, werden wir von Tobias, unserem  Trauzeugen und seiner Liebsten Puket herzlich in Empfang genommen. Die beiden verwöhnen uns nach allen Regeln türkischer Gastfreundschaft und stehen uns mit Rat und Tat in den Wirren des Großstadtdschungels zur Seite.

Essengehen in den gemütlichen Sitzlokalen gefällt sogar Gaia, weil sie nicht nur von Allen angehimmelt wird, sondern auch noch herrlich über die Teppiche flitzen kann.

Von unserer charmanten jungen Gastgeberin Puket, die uns sogar das Feilschen abnimmt ist Gaia sowieso ganz hin und weg und lässt sich im Handumdrehen fremd tragen.

Der einzige Campingplatz, den die Metropole momentan zu bieten hat, heisst „Londra“ und gäbe es nicht Wasser und Strom könnte man meinen in einer lauten Sackgasse gelandet zu sein.

Zwei Tage vor Wolfgangs 31. Geburtstag erreicht uns Matthias mit Paula, der beschlossen hat eine ähnliche Route zu fahren und uns immer Mal wieder besuchen will.

Am 5. Februar lassen wir also noch die Korken knallen, bevor wir am 7.  über die Bosporus brücke fahren und asiatischenBoden betreten. Die Schnellstraße Richtung Sile bringt uns ans Schwarze Meer, wo wir uns wegen unangenehmen Wetters nicht länger aufhalten und sich Matthias alsbald gen Süden, Richtung Syrien verabschiedet.

Die Gegend ist hier sehr stark bevölkert und an jedem ruhigeren Übernachtungsplatz schaut die „Jandarma“ kurz vorbei. Einheimische Fischer werfen ihre Netze vom Strand aus ins Wasser und laden uns nach gemachter Beute zum Essen ein.

Highlight ist eine Delphinschule, die wir eines Morgens direkt vom Fenster aus beobachten können, als sie im seichten Wasser vorbei schwimmt und sich hin und wieder eine Finne zeigt. Wahnsinn! In Akcakoca biegen wir Richtung Landesinneres ab. Die Landstraße führt durch bäuerliches Gebiet und kleine, malerische Dörfer, die in die Hügellandschaft eingebettet sind.Über die Autobahn erreichen wir schnurstracks unser nächstes Ziel, Ankara. Nebst Besuch, erwartet uns in der türkischen Hauptstadt ein super Mechanikerviertel, das das Bastlerherz höher schlagen lässt.

Kappadokien

Am 18. Februar ist es dann wieder soweit, Besuch aus Deutschland naht.

Dianas Vater Thilo mit Freundin Rosi steigen für die kommenden zwei Wochen zu.

Auf die Begrüßung folgt die übliche kurze Morpheuseinweisung und anschließend begeben wir uns auf dem kürzesten Weg Richtung Kappadokien.

In Kirsehir werfen wir uns auf der Hinfahrt gleich zu Beginn in das Getümmel eines Wochenmarktes, auf dem neben allerlei Obst und Gemüse auch sämtliche andere Waren angeboten werden.

Es folgt Gülsehir, die erste Stadt inmitten einer einmaligen, überwältigenden Landschaft, in der wir in den Genuss eines traditionellen Hamambesuchs (Dampfbad) kommen.

In dem kleinen Städtchen Avanos, bekannt für seine alteingesessene Töpfereikunst, darf Wolfgang in Bircans Werkstatt, Hand an die Töpferscheibe legen.

Auf einer späteren Besichtigung der ortsansässigen Kooperative der Weberinnen erhalten wir einen kurzen Einblick in die Teppichwebkunst, Seidenherstellung und Naturfärberei.

Und dann jagt ein Naturschauspiel das nächste.

Einst bedeckten Lavaströme die ganze Gegend mit einer Tuffsteinschicht unterschiedlicher Härtegrade und schloss auch anderes Gestein mit ein. Aufgrund der stetigen Auswaschung und Abtragung durch Wasser und Wind verändert sich das Aussehen der Landschaft seither fortwährend und lässt bizzare Formen entstehen.

Die Pilzköpfe von Zelve veranschaulichen dieses Phänomen sehr deutlich.

Wegen andauernder Überfälle und Invasionen ziehen sich im 4. Jhdt. die ersten Christen in die Felsen rund um Göreme zurück und gründen dort auch Klöster. Jene Behausungen werden z.T. auch heute noch genutzt.

Das Ihlara-tal erstreckt sich über mehrere Kilometer und ist gesäumt von in den Stein gehauenen Wohnungen und Kirchen.

Uchisar, ein Fels, der bereits aus der Ferne zu erkennen ist, beherbergte einst eine ganze Stadt, und es wird einem fast etwas mulmig beim Erklimmen des durchlöcherten Gipfels.

Wahrscheinlich schon die Hethiter schufen mit Derinkuyu eine 55m tiefe, 10000 Mensche fassende unterirdische Stadt, in die sich die Bewohner in bedrohlichen Zeiten auf über acht Etagen zurückziehen konnten. Für bis zu einen Monat reichten dann die Nahrungsreserven, es gab Ställe fürs Vieh, ebenso wie Schulzimmer, oder Kirchenraum. Schwere Mühlsteine dienten als Sicherheitsmaßnahme zum abschotten.

In der Zwischenzeit haben sich Thilo und Rosi an unseren Tempel und alle mit dem Reiseleben verbundenen Umstellungen gewöhnt, wir freuen uns über die Abwechslung, jede Menge Mitbringsel und Wanderfreude.

Über Nigde geht die Fahrt weiter bis nach Karatas ans Mittelmeer, wo uns Sonnenschein und Frank erwarten.

Zwei Tage bleiben nunmehr um den Urlaub bei Wellenrauschen ausklingen zu lassen.

Am 02.03. feiert Gaia ihren allerersten Geburtstag.

Zu guter Letzt lassen wir uns ein wenig durch die Straßen Adanas treiben, bevor es am 04.02. wieder Abschied nehmen heißt.

Gleich im Anschluss treffen wir Emre, Wolfgangs Freund, den er auf der Indienreise kennen gelernt hatte. Einmal mehr werden wir Begünstigte türkischer Gastfreundschaft und kein Anliegen wird uns verwehrt. Emre kümmert sich um einen angenehmen Stellplatz unter Orangenbäumen, begleitet uns überall hin, dolmetscht, lädt uns bei seiner Familie ein und verschafft Gaia ihre erste Kindergartenerfahrung. Bei so viel Großzügigkeit könnte man fast etwas verlegen werden…und Erinnerungen an die Schweiz werden geweckt!

Nichtsdestotrotz müssen wir weiter und machen uns am 9. März auf Richtung Iran.

Über Sanliurfa und  Diyanbakir führt eine Landstraße durch immer karger werdendes Gebiet bis nach Bitlis. Man sieht vermehrt Viehherden, Olivenhaine, Lehmbauten, einfachere Lebensverhältnisse und hat mit schlechteren Straßen zu kämpfen.

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz werden wir von einer kurdischen Bauernfamilie erst begutachtet und dann fürstlich bewirtet und auch weiterhin zeigen sich die Leute in diesem Eck neugierig, kontaktfreudig und hilfsbereit.

Auf der Fahrt durch die Berge gewinnt man dann den Eindruck man befände sich auf anarchistischem Boden. Die Anzahl der Militärposten steigt sprunghaft, skeptisch dreinblickende Bauern mit einfachem Handwerkszeug ziehen vorüber, von denen einige zu Pferd unterwegs sind, und pöbelnde Jungenhorden belagern die Laster.

Nach Aussage Einheimischer sei die Präsenz der PKK in den letzten 10 Jahren rückläufig, was die wenigen Kontrollen bestätigen.

Am 16.03. erreichen wir schließlich den Van Gölü, den Vansee.

Der größte See der Türkei ist 2 Mio. Jahre alt, liegt auf ca. 1600 Meter Höhe und ist sehr mineral- und alkalihaltig.

Wir begegnen Hakan, dem Rinderzüchter, dessen 700 Tiere umfassenden Betrieb wir besichtigen und der uns anbietet auf seinem Grund zu nächtigen, inklusive Frühstück und Seeblick in der ersten Reihe.

Dann, einige Kilometer weiter kommen wir noch einmal in den Genuss von frisch gefallenem Schnee. Bei der Passüberquerung des Tendürük auf 2644 Meter, bevor wir Dogubayazit erreichen. Unterhalb des Ishak Pasa Sarayi Palastes steuern wir den Campingplatz Murath an, der Dreh- und Angelpunkt aller Reisenden in den Osten.

Nach einer dreiwöchigen Fahrt von Deutschland aus, erreichen uns Tom und Heike mit ihren Kinder Emma und Paula und ihrem Hund Fred. Auch Matthias mit seinem Hund  Paula kehren von ihrer Spritztour zurück. Zusammen mit Frank, der uns schon ab Karatas begleitet, wäre unsere kleine Reisegruppe wohl fürs Erste komplett:

4 Fahrzeuge, 6 Erwachsene, 3 Kinder, 2 Hunde!

Diese Zusammenkunft und Sonnenschein zum kurdischen Neujahrsfest können eigentlich nur jede Menge spannende Geschichten verheißen und dass uns Fortuna wohlwollend gesinnt ist!

Auf gehts, neuen Abenteuern entgegen !!!

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