MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Bukit Lawang – „Der Mensch des Waldes“

Zuerst scheint die Stadt kein Ende nehmen zu wollen. Ich frage mich schon, ob der Gunung Leuser Nationalpark, indem angeblich allerlei vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten beheimatet sein sollen, nur ein Mythos ist, da verebbt der Verkehrsstrom plötzlich und die Umgebung gewinnt zunehmend an Charme.

Frauen säen auf kleinen Feldern Reis aus, Dörfer wechseln sich mit Plantagen ab, Wasserbüffel liegen faul am Straßenrand, doch noch ist der Himmel über unseren Köpfen grau.

Reisfelder

Bambushütten in Bukit Lawang

Waschplatz am Fluss

Bei Einbruch der Nacht erreichen wir Bukit Lawang, wo uns bereits ein „Begrüßungskomitee“ erwartet. Zwei Männer auf Mopeds sind uns dabei behilflich eine geeignete Bleibe zu finden und einer von ihnen leistet uns beim Abendessen Gesellschaft. Bei diesem Mann handelt es sich nicht, wie jetzt vielleicht vermutet, um einen Schlepper, nein, er ist hier der Supervisor. Er muss unsere Daten erfassen (war ja nicht anders zu erwarten) und bestellt uns einen „passenden Dschungelführer“. Laut staatlichem Erlass sei es seit geraumer Zeit nicht mehr erlaubt das Schutzgebiet ohne fachkundige Begleitung zu betreten.

Auch egal, manchmal kann ein einheimischer Begleiter nicht schaden, den man mit Fragen löchern kann. „Wie heißt diese Blume? Wie alt wird dieser Baum? Wo sind denn jetzt die Tiger? Wieviel verdienst du so? Etc.“ Und so ganz nebenbei ist „Anto“, unser Begleiter ein wahrer Glückstreffer, der uns beweist, dass es auch hier Menschen gibt, die über ihren Tellerrand hinausschauen können und Zusammenhänge erkennen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer!

Anto der Dschungelführer

15, oder 16 Jahre muss es her sein, dass ich zum ersten Mal einen Bericht über das traurige Schicksal der Orang Utans gesehen und mir beim Blick in zwei traurige, braune Affenaugen gewünscht hatte, den „Menschen des Waldes“, wie sie von den Einheimischen hier genannt werden, leibhaftig zu begegnen. Und jetzt ist es endlich soweit!

„Tack, Tack, Tack“, einer der zwei Wildhüter klopft mit einem großen, grauen Kiesel gegen das Holz der Plattform, auf der sie stehen. In den kommenden 10 Minuten wiederholt er das Ganze noch ein paar Mal, aber die schnatternden Besucher um uns herum schaffen es einfach nicht einmal in ihrem Leben mucksmäuschenstill zu sein. Kein Wunder…

Als sich nach einiger Zeit des bangen Hoffens endlich ein rot bemanteltes Etwas dem Kreis der Wartenden nähert, zieht mich eine strahlende Frau in die erste Reihe und meint nur: „Show her, show her!“ („Zeig es ihr!“- Womit Gaia gemeint ist) Und tatsächlich, da hängt es, sie, er?!

Der Mensch des Waldes

Der Orang Utan macht sich nicht die Mühe seine Gestalt zu verbergen, er kennt das Prozedere offensichtlich, hat sich an die scharrenden Zweibeiner in Dschungeluniform und die feuchten Augen anscheinend gewöhnt. Es dauert nicht lange bis der etwas plump wirkende Menschenaffe sich der Plattform nähert, auf der die Wildhüter sitzen. An einer Liane hangelt er sich hinab, um sich einen Becher Milch und ein Büschel Bananen reichen zu lassen.

Die Sumatra-Orang Utans (Pongo abelii), die man hier im Nationalpark bei der Fütterung fast hautnah erleben kann, sind hauptsächlich aufgrund von Rodungen umgesiedelte Exemplare, oder deren Nachkommen. Auf 9000 von der UNESCO geschützten Quadratmetern sollen noch rund 6600 dieser vom Aussterben bedrohten Art ein Rückzugsgebiet gefunden haben. Nicht viele wenn man die Einwohnerzahl Sumatras betrachtet: 50 Millionen.

Es gibt nur noch eine weitere Insel dieses Planeten, auf der eine verwandte Spezies momentan noch eine Heimat findet, Borneo.

Gunung Leuser National Park

Die stillen und ausdrucksstarken Affen können bis zu 90 Kg schwer und 1,50m groß werden. Sie sind den ganzen Tag entweder mit der Futtersuche, oder dem Bau von Nestern in den Baumkronen beschäftigt. Als Nahrung dienen ihnen Früchte, Triebe, Blätter, Nüsse, Baumrinde, oder auch Insekten. Sie sind Einzelgänger und legen im Laufe eines Lebens, das solange währen kann, wie ein menschliches, große Distanzen zurück. Das Revier eines Männchens kann bis zu 5000 Hektar umfassen! Nur alle 4 – 8 Jahre kann ein Weibchen Nachwuchs gebären, den sie dann erst mit 4 Jahren beginnt zu entwöhnen.

Orang Utan Mutter

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