MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Grenze Thailand – Kambodscha

Wir überqueren die südlichste Grenze zwischen den beiden Nachbarstaaten bei Hat Lek. Die Abwicklung auf thailändischer Seite verläuft wie gewohnt zügig.

Auf einigen Metern Niemandsland kann man einen Blick aufs Meer genießen, bis der kambodschanische Schlagbaum einem Einhalt gebietet. Ein paar grimmig dreinblickende Polizisten ordern uns zum Zollschalter, wo der Englisch sprechende Beamte nach dem „Carnet de Passages“ verlangt. Wolfgang ist etwas verwundert, weil Kambodscha kein Mitglied der dieses Zollabkommen akzeptierenden Staaten ist und will wissen, ob die Einfuhr unseres Fahrzeugs mit vorliegendem Papier denn überhaupt offiziell eingeführt wäre und er uns garantieren könne, dass man das Dokument bei unserer Ausreise auch sicher wieder ausstempeln würde…Er kann natürlich nichts erklären, wisse auch von nichts, sondern befolge nur seine Anweisungen und bei Fragen sollten wir uns doch bitte an seinen „Boss“ wenden. Nun gut, da das Carnet an dieser eher unbedeutenden Grenzstation zumindest bekannt zu sein scheint, halten wir es heute eben mal südostasiatisch und gehen den Weg des geringsten Widerstandes, der uns zum Visa-Schalter führt.

1200 Baht (umgerechnet ca. 30 Euro) verlangt die bissige Dame dort pro Visum, was nach unseren Informationen ein klein wenig zuviel Trinkgeld beinhaltet. „Sorry, aber wir verlassen Thailand gerade und können mit der dortigen Währung leider nicht mehr dienen. Wir zahlen in Dollar!“ „Nehmen wir nicht!“…und das kleine verspiegelte Fenster wird zugeknallt. 1 Minute später öffnet es sich wieder und die bissige Dame raunzt uns „25 Dollar pro Person!“ zu. Wir verkneifen uns heute einmal die Frage danach, ob wir Rabatt für unser „Baby“ bekommen…

Nach Erhalt des teuren „Aufklebers“ ziehen wir zum Einreiseschalter weiter, wo uns ein…tatata…wie sollte es anders sein, niegelnagelneues „Fingerabdruck-Lesegerät“ aus amerikanischer Herstellung empfängt. Wie viele Dollar mag es wohl kosten alle kambodschanischen Grenzen ans System anzukoppeln? Handelt es sich vielleicht gar um uneigennützige Geschenke, oder bezahlt man das Equipment aus der Trinkgeldkasse der Behörden?

Und wenn man sich beim zweiten Mal „Identifizieren müssen“ auch etwas einfacher tut, so kann sich Wolfgang eine Frage doch nicht verkneifen: „…und diese Daten leitet ihr jetzt ans CIA weiter…?“ Als Antwort ernten wir ein unterdrücktes Lachen (Wir waren eher auf ein empörtes „Nein“ gefasst) und: „It`s good!“ Na klar, wir werden in den nächsten Jahren sicher miterleben, wie sich aufgrund der Massenüberwachung ein Paradies auf Erden entwickelt! Dann wird die Sonne immer scheinen, alle Menschen werden glücklich und zufrieden im Einklang mit der Natur leben, es wird Milch und Honig regnen, wohin man schaut nur schöne, angepasste, fromme, bescheidene, arbeitsame Bürger,….

Bitte um Entschuldigung – kurzer Abschweif…

Also, wie gesagt, das Prozedere läuft zügig vonstatten und wir stehen wieder am Anfang bei den grimmig dreinblickenden Polizisten. Ganz langsam blättert einer von ihnen unsere Pässe durch, legt sie beiseite und meint dann: „100 Baht!“ Ich muss mir auf die Zunge beißen, dass ich nicht zum Lachen anfange und Wolfgang macht sich ohne Diskussion zum Lkw auf und kehrt mit der kleinen, schmuddeligen Plastiktüte zurück, in der das letzte thailändische Hartgeld aufbewahrt wird. Naja, und weil wir immer noch in Asien sind und unsere derzeitigen Verhandlungspartner langsam an unserer Hartnäckigkeit verzweifeln, winkt man ab, ich kralle mir die Pässe und weg sind wir.

Ps.: Später erfahren wir dass ein Polizist in Kambodscha umgerechnet ca. 50 Dollar im Monat verdienen soll, was nicht ausreicht um die Unkosten einer Familie zu decken und ebenfalls nicht dazu beiträgt der Korruption im Land entgegen zu wirken…(Laut Transparency International begleitet Kambodscha Platz 166 auf dem Internationalen Korruptionsindex von 180 aufgeführten Staaten!)

Das kann ja heiter werden…

 

Grenze am Meer

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Eine Antwort zu “Grenze Thailand – Kambodscha

  1. Nadine und Martin Gatz November 6, 2011 um 5:14 pm

    Hallo ihr Drei! Vielen herzlichen Dank für eure Karte!
    Uns geht`s gut, in der Heimat ist soweit alles beim Alten.
    Morgen beginnt wieder die Arbeit nach den Allerheiligenferien.

    Wir wünschen euch eine schöne Zeit, passt auf euch auf!