MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Phnom Penh

„FCC“

 

Wir sitzen im obersten Stockwerk des „Foreign Correspondence Clubs“ und bewundern die Aussicht, auf den um diese Tageszeit tiefschwarzen Tonle Sap Fluss zu unserer Rechten, auf dem gerade ein mit bunten Lichterketten beleuchteter Dampfer dahin gleitet.

Erhebt man sich ein wenig von seinem Barhocker, um sich über die Brüstung des Eckgebäudes im Kolonialstil zu beugen, kann man einen Blick auf  das Treiben der Straße werfen und dabei ein „Angkor“-Bier, einen frisch gepressten Orangensaft, eine Kugel hausgemachtes Schokoladeneis, einen Cappuccino, oder alles, was der Geldbeutel sonst noch so zulässt genießen. Für einen Moment kann man sich entspannen und einfach nur teilnahmsloser Zuschauer sein…

 

Im Nobelrestaurant gegenüber hat es sich eine Gruppe Urlauber auf den gemütlich wirkenden Korbsesseln bequem gemacht und adrett gekleidet studiert man soeben die Speisekarte…

Entlang der Promenade verharren Rikscha- und Motorradtaxilenker in mehr, oder weniger bequemen Positionen und lauern auf Fahrgäste…

Ein paar in Lumpen gehüllte Frauen hocken auf blank polierten Pflastersteinen und betteln mit schlafenden Babies in den Armen um Almosen…

Einige Jungen und Mädchen laufen einem Pärchen hinterher und bedrängen die Händchen haltenden ihnen nun doch endlich ein paar Armbänder, oder vielleicht ein kopiertes Buch aus ihren Körbchen abzukaufen…

Im Schein einer Laterne sitzt ein Mann Mitte Zwanzig, dem beide Beine fehlen in einem Rollstuhl, der selbst gefertigte Souvenirs anbietet…

Jetzt fährt eine protzige, weiße Limousine mit Unterbodenbeleuchtung genau durch unseren Aufmerksamkeitsfokus…

 

Stadt halt – Ausnahmezustand! Aber doch in jeder Stadt anders.

 

Vom Parkplatz eines renommierten Hotels aus (auf dem wir kostenfrei logieren dürfen!) hatten wir nach Einbruch der Dunkelheit ein TukTuk in die Altstadt gestoppt, wo wir eigentlich dem Nachtmarkt einen Besuch abstatten wollten, der zufällig aber genau heute geschlossen war.

Um trotzdem einen kleinen Eindruck vom Flair der Hauptstadt einzufangen, hatten wir uns daraufhin für einen Spaziergang durch die leicht verruchten Gassen drum herum entschieden. Die Neugierde (und ein bisschen `s G´lust) führten uns schließlich vor die hölzernen Stufen des „FCC“, von dem uns Mathias bereits berichtet hatte-Ein Etablissement mit Charakter und Geschichte, indem sich einst die Creme de la Creme der internationalen Berichterstattung getroffen haben soll. Der Aufstieg in die oberste Etage mit Freiluftterrasse führt entlang bewegender Fotografien aus der Ära Pol Pots, die eindrücklich das Leid der Vergangenheit dokumentieren.

Vorbei an voll besetzten, runden Tischen, über denen Deckenventilatoren schnurren und vorbei an klobigen, hölzernen Tresen gelangt man über einen schmalen Treppenaufgang in die angeschlossenen Stockwerke. In den geräumigen, hohen Räumen, die zur Straße hin offen sind, ist es hell und luftig; Säulen und Bögen herrschen als Gestaltungselement vor.

Nett, würden uns jetzt noch dicke Rauchschwaden um die Nasen ziehen und eine tiefe Frauenstimme einen „Buena Vista Social Club-Song“ zum Besten geben, man könnte meinen, man befände sich in Havanna. So aber ist uns der Zutritt auch mit unser`m kleinen „Enger`l“ erlaubt, obwohl sie der einzige Gast unter 16 bleibt und nicht nur vom Ober mit anerkennenden Blicken bedacht wird…

Alltag

 

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