MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Ein einsamer Cowboy und zweierlei Geschichten

In Lampang, ca. 100 Kilometer vor Chiang Mai legen wir einen letzten, kürzeren Zwischenstopp ein. Es dauert eine Weile, bis wir aufgrund des aufgeweichten Bodens einen annehmbaren Platz finden. Die ersten Häuser der Stadt sind schon in Sichtweite, da tut sich links der Straße ein schlecht geteerter Weg auf, der ins Grüne zu führen scheint. Der 7. Sinn zum Aufspüren von netten Stellplätzen zwingt Wolfgang sofort zum Abbiegen. Am Ende der Strecke erwartet uns ein wahrer Vorstadttraum, umrahmt von Hecke und hohen Bäumen, inklusive Wiese, „Geisterspielhaus“ und genügend Auslaufmöglichkeiten. Genau das Richtige also, um ein letztes Mal vor China durchzuwischen und eine neue Dunstabzugshaube einzubauen…(eigentlich wollten wir einfach nur relaxen und Kraft schöpfen!)

Loch im Morpheus

Gaias Ballon

Die Zeit lässt sich nicht anhalten und kurz nachdem Putzlappen und Akkuschrauber weg gepackt und die Spiel- und Bastelsachen wieder verstaut sind, biegt der große Wasserblaue auch schon wieder auf die Hauptstraße ein. Wir schauen noch schnell im „Supermarkt“ vorbei, um einen ausreichend großen Käse- und Konservenvorrat für alle Fälle anzulegen, Wolfgang unterzieht sich einem Check-up beim Doktor, um sicher zu gehen, dass die anhaltende Schwellung einer seiner Lymphdrüsen keine ernsthafte Erkrankung bedeutet und dann geht’s auch schon stadtauswärts. Als wir noch vor einem Baustoffhandel anhalten, um nach einem speziellen Anti-Schimmel-Holzlack zu suchen, von was man hier noch nie etwas gehört hat, kommt Wolfgang ins Gespräch mit einem einsamen Cowboy. Dieser hatte sich einst in die USA aufgemacht, um nach 30 Jahren als Straßenkünstler doch wieder in seine alte Heimat Thailand zurück zu kehren. Das hört sich spannend an und deshalb nehmen wir seine Einladung zum Mittagessen in den Freiluftimbiss seines Freundes auf der anderen Straßenseite an.

Dort kocht die Frau von Lung uns nicht nur ein wunderbares Essen, sondern wir erfahren auch ein wenig aus seiner Vergangenheit und der seiner chinesischen Frau. Lung hat sogar ein paar deutsche Sätze auf Lager , die er vor Jahren von seinem deutschen Chef in einer Firma, die Düngemittel irgendwo im Nahen Osten herstellte, aufgeschnappt hatte. Er glänzt mit: „Verdammt noch mal!“ und „Macht doch nix!„ und wir lachen darüber mit ihm. Und weil er an diese Zeit offensichtlich nur positive Erinnerungen hat und er sich so darüber gefreut hatte, dass er einen Blick in unser „Lot Ban“ werfen durfte, bekommen wir zum Abschied noch so viel leckeres Essen und flaschenweise Wasser zum Mitnehmen eingepackt, dass wir die nächsten zwei Tage davon zehren können. Der einsame Cowboy aber war so schnell wieder verschwunden, wie er aufgetaucht war und nur der letzte Satz, den er uns weise lächelnd mit auf den Weg geben wollte, lag noch in der Luft: „Wenn du es wirklich willst, kannst du alles schaffen!“ (Sehr amerikanisch ausgedrückt, aber ja, so sehen wir das auch. 😉

Lungs Restaurant I

Lungs Restaurant II

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