MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Markam

Höhenkrank!

Nach 3 Tagen des unaufhörlichen Anstiegs der Straße sind wir auf 3850 Höhenmetern, in der Stadt Markam, im Osten Tibets angelangt. Bis hierher verlief alles relativ reibungslos. Die Landschaft war atemberaubend schön; dort, wo die Bauern entlang der Straße siedeln und Ackerbau, bzw. Viehzucht betreiben, erstrahlte das Laub der Bäume in den Farben des Herbstes, eine abrutschgefährdete, staubende Piste führte uns zum ersten Schnee seit eineinhalb Jahren und gab auf dem Scheitelpunkt von 4300 Metern überdies den Blick auf ein fantastisches Gipfelpanorama hinter flatternden Gebetsflaggen frei.

Noch immer hatten wir kein Glück mit der Suche nach Winterdiesel, weshalb zuerst der Unimog und später auch Morpheus leichte „Atemprobleme“ in der dünnen Luft bekamen. Doch zum Glück gaben die Maschinen nicht gänzlich den Geist auf, weshalb es zwar langsam und schwarz rauchend, aber kontinuierlich überschwänglich voran ging.

Bereits vor zwei Tagen, also seit dem Verlassen von Shangri-La, hatten wir mit der Einnahme von homöopathischen Präparaten zur Vorbeugung gegen die Höhenkrankheit begonnen, die man ab hier in jeder Apotheke erstehen kann. Bis auf die Feststellung von Gaia bei der Überquerung des ersten Passes: „Mir ist anstrengend!“ ging es uns körperlich (abgesehen von einem leichten Schwindel) sehr gut und an der Grenze nach Tibet, einige Kilometer hinter Degen, blieben wir zur Akklimatisierung einen Nachmittag und eine Nacht freiwillig auf 2800 Metern stehen.

Aber dann, nachdem wir die ersten Hürden so gut gemeistert hatten, holt sie uns, bzw. glücklicherweise nur mich nun doch ein. Die Höhenkrankheit! Das angeblich zuerst auftretende Symptom, die Appetitlosigkeit geht an mir vorbei, bevor die Kopfschmerzen einsetzen. Ich kann mit Sicherheit behaupten, solche zermürbenden Kopfschmerzen noch nie zuvor gehabt zu haben. Und das Beste daran ist, hier oben sollen Aspirin nicht wirken, bzw. sollte man auf Blut verdünnende Mittel verzichten…

Zum Glück erreichen wir bald nach Eintreten der ersten Anzeichen das heutige Ziel, die Stadt Markam und ich kann mich zumindest hinlegen. An Schlaf ist bei der anschließend aufkeimenden Übelkeit jedoch nicht zu denken, weshalb ich still vor mich hin leide und versuche die neugierigen Stimmen und Rufe um den Laster herum zu ignorieren.
Nachdem die Motoren zum Schweigen kommen, verabschieden sich Wolfgang, Gaia und Mathias, um auf dem Markt etwas Essbares zu finden. Das erscheint mir zuerst noch eine gute Idee zu sein, bis der Schüttelfrost einsetzt und ich mit 100%iger Sicherheit weiß, dass es mich erwischt hat. Ich rufe Wolfgang über Mathias chinesische Sim-Karte an und bettle um irgendwelche starken Medikamente und darum, sie mögen bald wieder zurück kommen. 10 Minuten später klopft es ans Fenster und Wolfgang gibt mir ein pharmazeutisches Gegenmittel…Ich schlucke die kleine weiße Pille, ohne noch einmal darüber nach zu denken und verbringe die nächste Stunde zusammengekauert auf dem Boden – die verdammte Tablette scheint nicht zu wirken und es geht mir erst etwas besser, als meine beiden Lieben wieder zurück sind und ich jemanden um mich habe, der beruhigend auf mich einredet.

Zum Glück scheinen kleine Kinder ein Gespür für wirkliches Unwohlsein zu haben, denn Gaia fordert heute einmal nicht ihre tägliche Dosis Unterhaltung, sondern zeigt Fürsorge und versucht mich zum Essen zu bewegen. Und schlimmer als die körperlichen Auswirkungen auf die ungewohnten Bedingungen, schleichen sich später die Zweifel an und die Sorge darüber, es könne ihr die nächsten Tage ebenfalls so ergehen, wie heute mir…

An diesem Abend sehen wir mit unserer Tochter ihren ersten halben Kinderfilm an und am nächsten Morgen ist der Spuk vom vergangenen Tag bei knackigen Minus 10 Grad Außentemperatur zumindest solange vergessen, bis Mathias mich auf den von Yakblut rot verfärbten, zugefrorenen Fluss gegenüber aufmerksam macht…

Markam-Gefrorenes Yakblut

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