MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Khunjerab Pass

Sturz und Aufstieg

Doch zum Ende hin wird es noch einmal heikel – es gibt Tage, die wollen einfach kein Ende nehmen…

Bevor der letzte Truck das rettende Ufer erreicht, zieht ein Sturm auf, der die Wartenden wegen des aufgewirbelten Sandes ins nächste Zelt verschlägt und die deutsche Familie im Unimog vorerst noch an Bord fesselt und in einer windgeschützten Bucht ums Eck zum Ausharren zwingt. Auch uns und der Besatzung des italienischen Fiat Iveco ist noch keine Verschnaufpause gegönnt. Wie Wolfgang und Luca zufällig auf der letzten Überfahrt mitbekommen, steigt der Wasserspiegel seit einigen Tagen und sollten wir uns bis zum darauf folgenden Morgen Zeit lassen eine ca. 100 Meter lange Durchfahrtspassage zu durchqueren, könnte es bereits zu spät sein und wir müssten noch ein weiteres Mal verladen…

Wasserpassage

Doch mit Hilfe zweier angeheuerter „Leitburschen“ kann der Abschnitt noch rechtzeitig überwunden werden, auch wenn uns das graue, kalte Nass bis über den Auspuffrand steht!

Mit einem Quäntchen Glück, viel Geschick and „a little help from our friends“ schaffen wir`s aus dieser unüberbrückten Situation heraus und an diesem erfolgreichen Abend (der Wind legt sich schließlich und auch die Passagiere des letzten Fahrzeugs dürfen eine ruhige Nacht verleben) kann noch keiner damit rechnen, was einige Stunden später passieren soll.

Um die gemeisterte Herausforderung entsprechend zu feiern, brechen wir am nächsten Morgen gemeinsam auf, um den steilen Anstieg zu einem nahe gelegenen Bergsee in Angriff zu nehmen und dort bei fantastischer Aussicht und einem Hunza-Schaf am Spieß zu feiern. Doch der Aufstieg ist mit Morpheus Wendekreis und ohne Servolenkung auf dem schmalen, unbefestigten Zufahrtsweg nicht so ohne weiteres zu machen; bereits in der ersten Kurve beginnt die Kupplung, die schon bei der Verladung sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, zum Stinken …und so wird der gemeinsame „Laster-Weg“ für die nächsten drei Tage gekappt, und wir fahren rückwärts wieder bergab. Vielleicht wäre es unter viel Schweiß möglich gewesen den anderen mit Müh und Not hinterher zu hecheln, aber an diesem Tag steht der engkurvige Anstieg in keinem Verhältnis zu was auch immer uns da oben erwartet. Vorerst übersättigt an Aufregung und Anstrengung!

Unimog auf Abwegen

Nur wenige Kilometer die Hauptstraße voran findet sich auf einem Hügel ein Plätzchen, wie für uns geschaffen. Es duftet nach frischen Kräutern, die Aussicht auf das umliegende Kathedral – Gebirge, einen Gletscher und die saubere Luft machen einen ganz schwindelig und weit und breit ist kein Interessierter auszumachen. Genau der richtige Platz um ein bisschen auszuruhen und sich den Geschmack von Freiheit auf der Zunge zergehen zu lassen…

Traumplatz

Hunza - Valley

Gaia Himalaja

Einen ganzen Tag lang, bevor es wieder auf die Straße in Richtung pakistanisch/chinesischer Grenze geht. Viel Zeit bleibt nicht bis zum festgesetzten Termin mit einem weiteren „Guide“. Eigentlich nur noch vier Tage bis wir Pakistan im Konvoi verlassen wollen und bis dahin gilt es die herrliche, menschenarme, abgeschiedene Landschaft zu entdecken und zu genießen.

Einsam und Verlassen
Idylle
Gaia ruft!

Hier oben hat man nicht nur das Gefühl, man wäre vom Rest der Welt abgetrennt…seit dem 11. September 2009 bleiben die Wandertouristen tatsächlich aus, die saisonal wohl nicht nur frischen Wind, sondern den Bewohnern des Tals auch einen gewissen Wohlstand einbrachten. Auch wenn wir jenes Gefühl schätzen, die Menschen hier sind über die Entwicklungen seither nicht sonderlich erbaut. Der Haupteinnahmequelle, das Geschäft mit allen voran amerikanischen Expeditionisten ist gegen Null geschrumpft, die Gästehäuser verfallen zusehends, die Versorgung mit frischen Lebensmitteln von außerhalb ist praktisch nicht mehr vorhanden. Einerseits. Andererseits hat man in der Zwischenzeit damit begonnen wieder auf eigenen Beinen zu stehen. In den kleinen Dörfern entlang der Straße erblühen rund um niedrige Natursteinhäuschen Gärten. Gärten, in denen an zierlichen Obstbäumen wunderbare Blumen erblühen! Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre, die Leute winken und lachen, reißen die Arme zum Gruß in die Höhe. Hier ein Eselchen, dort ein paar Schafe, ein paar winzige Lädelchen mit allerlei Nützlichem und Süßkram.

Stop Enjoy Coca Col

Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt treffen wir im Grenzörtchen Sost ein und sind
etwas überrascht davon, dass hier schon seit Wochen kein anderes ausländisches Fahrzeug gesichtet wurde. Weit und breit nur Schuhverkäufer, arbeitslose Lkw-Mechaniker, schlecht ausgestattete Gemüsebuden und grinsende pakistanische Männergesichter.
Beim Bummel über „die Hauptstraße“ trifft Wolfgang auf den Betreiber eines Gästehauses, der uns einige Kilometer rückwärts gestattet hatte Wasser aufzufüllen. Er berichtet ihm nun davon, dass ein orangefarbener Truck in der Nähe seines Heims einen Unfall gehabt hätte, bei dem jedoch glücklicherweise niemand verletzt wurde und der eigentlich nicht weiter schlimm gewesen sei…Hmm, der Beschreibung nach zu urteilen, handelt es sich bei dem Fahrzeug um den „Ganesh“ unserer italienischen Freunde Luca und Sameena…was nun?

Da auch von den anderen sechs Mobilen weiterhin jede Spur fehlt, gehen wir davon aus, dass sie vor Ort sind und man uns sicher kontaktieren würde, sollte man unsere Hilfe benötigen. Also erst mal die Stellung halten, falls irgendwer von den anderen Konvoijoten auftaucht und nicht weiß, was los ist. Und tatsächlich rauscht kurz vor der Abenddämmerung der Jeep von Michiel und Tachna an…doch was sie uns in Wort und Bild zu berichten haben, bringt unser Hoffen auf einen glimpflichen Ausgang der Geschehnisse ins Wanken, denn der mit Steinen selbst gebaute Weg zum Bergsee brach unter den herunter fahrenden Tonnen „Ganesh`s“ zusammen, und der Iveco kippte auf die Seite. Gleich in der Früh machen wir uns schnurstracks auf die Socken, um bei den Bergungsarbeiten und der Unterstützung der Anwesenden behilflich sein zu können.

LINK

Was keiner auf einer solchen Reise zu befürchten wagt war also passiert; doch was eine Hand voll entschlossener Menschen mit geeinten Kräften daraufhin in kürzester Zeit erreichte, konnte sich ebenfalls keiner der Beteiligten nach den ersten Eindrücken vorstellen.

Ganesh nach dem Sturz

Ganesh nach dem Sturz

Mit nur einem Tag Verspätung und einem zwar provisorisch in Stand gesetztem, aber doch funktionsfähigem „Ganesh“ stehen wir vollzählig vor dem pakistanischen Grenzabfertigungs-posten und sind bereit für den Aufstieg auf 4700 Meter, über den Khunjerab Pass; fast bereit für einen Katzensprung von (deutschem) Sommer nach Winter.

Grenze Pakistan nach China vor Khunjerab Pass

Konvoi

Aufstieg Khunjerab

Aufstieg Khunjerab

Khunjerab Nationalpark

Oben angekommen

Schneegespräche

Der Himalaja

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