MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Kategorie-Archiv: 2010/10 China

Dali

Dali

Auf der Fahrt nach Dali, die uns wieder zurück ins Flachland führt, bestaunen wir (wie schon so oft) die chinesische Lösung für die Kühlung der Lastwagenbremsen. Bei Bedarf (sprich bergab) wird eine Wasserbesprenkelungsanlage eingeschaltet, die dann ununterbrochen läuft. Das verursacht einen enormen Wasserbedarf, weshalb es praktischerweise (für uns) viele Auffüllanlagen an den Straßen gibt. Das Landschaftsbild verändert sich mit der bevorzugten Kleidung der Damenwelt und entlang der sumpfigen Gegend um einen See wimmelt es von Fischrestaurants.

 

 

 

In der Stadt selbst verbringen wir einen Abend und eine Nacht, bevor es gilt die nächste Etappe „Kunming“ zu erreichen. Gaia rennt ausgelassen übers Kopfsteinpflaster und lässt sich wie immer von den Verkäuferinnen bezirzen.

Lijang

Dann machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Phänomen des „Asiatischen Gesichtsverlusts“. Als wir uns am 21.10. auf den Weg Richtung Lijang machen, werden Thomas und Sabine im Stadtverkehr erst hinten rechts und anschließend vorn links von einem Pkw gerammt. Wie der Kamikazepilot später wahrheitsgemäß beim Polizeiverhör aussagt, sei es zuerst unabsichtlich zur Kollision gekommen und anschließend habe er (in Begleitung dreier Mitfahrer) Thomas „stoppen“ wollen, als dieser den Aufprall nicht gleich bemerkte und weiterfuhr.
Wir müssen also den ganzen Tag auf der Polizeistation zur Klärung der Geschehnisse zubringen. Außerdem werden Pass- und Visakopien auch von uns anderen verlangt. Ich bin leicht angenervt, weil ich nicht verstehe, was das Ganze mit uns, als Nichtzeugen zu tun haben soll und befürchte schon, man wolle uns hier länger aufhalten (zwischendurch heisst es wir hätten uns unterwegs registrieren lassen müssen). Am Ende des Tages jedoch werden wir unter Polizeischutz aus der Stadt eskortiert, nachdem man sich für die Umstände entschuldigt und den Unfallverursacher wegen Störung der Deutsch-Chinesischen „Harmonien“ kurzzeitig einsperrt.

 

Schlafplatz "LKW Parkplatz"

Bevor wir die historische Alstadt von Lijang erreichen, wegen der wir diesen Umweg überhaupt erst in Kauf genommen haben, liegen noch zwei Fahrtage vor uns und eine weitere Reparatur. Die letzten Kilometer auf den Serpentinen durch die Berge läuft eines von Mathias hinteren Lagern heiss. Ein zugemüllter Marktplatz wird kurzerhand zum Nachtlager auserkoren und die Männer brauchen den restlichen Tag und die halbe Nacht um das Problem in den Griff zu bekommen. In Sachen Reparaturen eines Mercedes Kurzhaubers ist Wolfgang zwar mittlerweile ziemlich bewandert, doch der Unimog stellt alle vor neues Improvisationsgeschick. Mathias steht ständig in telefonischem Kontakt mit seinem „Spezl“ in München und überrascht uns mit einem astreinen oberbayrischen Dialekt. Zum Abschluss des Tages zünden die Bewohner der Siedlung ein Raketenfeuer direkt neben Morpheus und dann noch eins und noch eins und ich habe die leichte Vermutung, dass sie das nicht tun um uns willkommen zu heissen. In Asien vertreibt man mit Feuerwerk die bösen Geister!



Vom 24. bis zum 27.10. nehmen wir uns eine „Auszeit“ auf einem netten, begrünten Parkplatz (ohne Bewunderer!) gleich neben den Mauern der Altstadt von Lijang. Wir bummeln über die alten Wege, entlang von Wassergräben, die sich durch den gesamten Komplex ziehen, bringen unseren Haushalt mal wieder in Ordnung und treffen persönlich auf Herrn Dong, unseren deutschsprachigen Kontaktmann bei der Reiseorganisation. Er führt gerade selbst eine Gruppe aus der Heimat und lädt uns zum Abendessen mit einheimischen Spezialitäten ein. Nebst allen möglichen Fleisch- und Gemüsesorten werden Ei mit Blumenknospen und Schweinedarm aufgetischt. Besonders bei Nacht, wenn man nicht sofort als ausländischer Urlauber entlarvt wird, kann man sich gemütlich durch das Lampignonlichtermeer treiben lassen.

Die „Yi“

Am 19. Oktober brechen wir in die Berge auf und lassen die Topautobahn hinter uns. Die Straße wird mit den zunehmenden Höhenmetern immer schlechter und wir schwitzen nicht nur aufgrund der Hitze. Die neuen Federn befinden sich immer noch in Arbeit und werden uns nach Kunming nachgeschickt, wo Wolfgang sie dann umgehend einbauen will. Ganz langsam lichtet sich auch der Strom der Menschen, der Lärm und die Ausdünstung der Städte geraten in Vergessenheit und der Blick auf den dichten Dschungel und die Wasserströme, die hier fließen, besänftigen unsere strapazierten Gemüter.
Gaia ist mittlerweile so angetan von Tony, dass sie das erste Mal ohne Mama vorn mitfährt, als er bei uns zusteigt. Ich weiss zuerst gar nicht, was ich denn jetzt machen soll. Ach ja aus dem Fenster lehnen und entspannen…und Tony hat alle Hände voll zu tun!
An diesem Tag fahren wir bis weit in die Nacht hinein, weil nicht alle paar Kilometer eine Stadt mit Unterkunft für unseren Guide in Sichtweite kommt. Irgendwann tauchen in der Dunkelheit endlich wieder Lichter auf und wir können uns in der Hauptstadt der „Yi“, hoch in den Bergen gelegen zur Ruhe begeben.

Bereits am nächsten Morgen machen wir uns wieder auf den Weg, weil keiner weiß wie die Straße weiterhin beschaffen ist, oder wieviel Zeit man dafür benötigt. Wir liegen zwar im Zeitplan, brauchen aber einen „Puffer“, falls einer von uns eine Panne haben sollte.
Außerdem muss Tony rechtzeitig in Kunming sein, weil er von dort aus weiterfliegt, um eine andere Reisegruppe zu begleiten. Normalerweise sei das nicht üblich.

Im „Land der Yi“ fühlen wir uns richtig wohl! Bei die Bergleut`halt! Die Frauen tragen überwiegend traditionelle, bunt bestickte Kleidung und ihr Haar wird kunstvoll über einer Kopfbedeckung zusammen geflochten. Schmunzelnde, alte Weiber schleppen voll beladene Körbe aus den Wäldern.
Trotzdem wirken sie zufrieden und scheinen sich vor allem Zeit zu nehmen.
Vor den mit wellenförmigen Mustern verzierten Häuschen wird gelebt (manchmal frage ich mich, wieso nicht dahinter?) und nach dem Einbringen der Ernte wird das Getreide gleich direkt auf dem Teer getrocknet. Das Bild von schlafenden Kindern in Rückentragen und Männern in dicken Wollponchos erinnert mich an solche von südamerikanischen Ureinwohnern. Vor lauter Staunen über dieses schüchterne Volk vergessen wir glatt, wo wir uns befinden.






Das Naturschutzgebiet um den Berg Emei

Dann steuern wir auch schon das nächste Ziel, den Berg Emei an. Es nieselt und ist bewölkt, weshalb wir uns den teuren und zeitaufwendigen Ausflug den Berg hinauf ersparen. Lieber nehmen wir einen Tag „frei“ und spazieren durch den unter Naturschutz stehenden tropischen Wald, der gleich neben dem Parkplatz beginnt.


Leshan

In Leshan bewundern wir 2 Tage darauf den angeblich größten Buddha der Welt. An jener Stelle, wo sich drei Flüsse vor der Stadtmauer vereinigen, wurde vor mehr als 1000 Jahren ein 71 Meter hoher, Sitzender Buddha aus dem Stein gehauen, um die Stromschnellen zu besänftigen. Ein Fuß allein sei 6 Meter lang. Es ist wieder mal Sonntag!