MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Kategorie-Archiv: 2010/11 Laos

Südlaos

Als wir uns am 3. Dezember mit einer dreiwöchigen Aufenthaltsverlängerung in der Tasche Richtung Süden aufmachen, steht ein genaues Ziel noch nicht fest.
Tief im Süden locken die „Si Phan Don“, die „Viertausend Inseln“ im Mekong, ein tropisches Naturparadies (?), bei Pakse wartet das Bolaven-Plateau mit wunderbaren Wasserfällen auf und welche Abenteuer die Strecke entlang der vietnamesischen Grenze für Abenteuer bereit hält, steht in den Sternen. Das Angebot ist vielversprechend, was die Entscheidung nicht gerade einfacher macht.
Und eigentlich ist uns momentan einfach nur nach Ausruhen zumute.
Seit der Winterpause in Griechenland sind wir nie länger als 5 Tage an ein und demselben Platz gestanden, und das auch nicht unbedingt häufig. Wir hungern nach Meer!
In diesem Zustand reizt selbst die Fahrt durch die grünen Tiefen von Kambodscha nur noch herzlich wenig….obwohl….

Wir entscheiden uns für einen „Umweg“ über Lak Sao, wo wir der vietnamesischen Grenze am nächsten kommen. Über eine teilweise eher behelfsmäßige Straße gelangen wir durch dschungeliges Gebiet und ein mystisches Schwemmland zur Höhle von „Kong Lo“.
Gemeinsam mit Nina, einem Mädel aus den Niederlanden, die wir am Straßenrand aufgabeln, besichtigen wir dieses 7,5 Kilometer lange Ungetüm mittels eines Langbootes und staunen nicht schlecht…

Am 11.12. erreichen wir Pakse, von wo aus wir eine Runde ums Bolaven-Plateau, dem größten Kaffeeanbaugebiet der Region drehen. Hier ist es wunderbar (Sieht man von den riesigen thailändischen Shuttlebussen mal ab)! Angenehmes Klima, einfache, freundliche Menschen, deren Leben sich um den Fluss dreht, beeindruckende Wasserfälle und jede Menge lecker Kaffee, was will man mehr?!

Kinderspielplatz

Somit entscheiden wir uns für ein paar schöne Tage an eben dem Ort, wo wir gerade sind und wenn ein Abstecher tiefer in den Süden noch so verlockend scheint und verabschieden uns am 22. Dezember von einem der ärmsten und doch (noch) reichsten Ländern der Welt.

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Der Buddhapark (Xieng Khuan)

Ungefähr 25 Kilometer südöstlich von Vientiane, am Ufer des Mekong, sehen wir uns einen außergewöhnlichen, kleinen Park an, dessen Zierde zahlreiche hinduistische und buddhistische Statuen von groß bis riesig sind. Die Sammlung eines mythologie- begeisterten Mannes namens Luang Pu Bunleua Sulilat (um zumindest einen laotischen Namen genannt zu haben). Gleich nebenan läd ein gemütlicher Platz unter Bäumen zum Verweilen ein. Von hier aus kann man den ganzen Tag dem Flötenspiel des begabten, jungen Mannes lauschen, der von der Spitze eines Tempels (durchs Nasenloch) Songs u.a. von Michael Jackson zum Besten gibt.

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Vientiane

Vom 28. November bis 1. Dezember halten wir uns in der unspektakulären, aber gemütlichen Hauptstadt Vientiane auf. Architektur und kulinarische Angebote entlang der Mekong-Promenade erinnern an die früheren Kolonialherren, die Franzosen. Das Angebot für die vielen ausländischen Besucher und Bewohner ist sehr umfangreich und im Supermarkt um die Ecke finden wir sogar hausgemachten Joghurt, ohne Konservierungs- stoffe und frisches Baguette!

Unser bevorzugtes Transportmittel in Asien, das „Tuk Tuk“, wird mit Gas betrieben.

Zum sight-seeing bleibt uns jedoch wenig Zeit, weil mal wieder Behördengänge auf der Tagesordnung stehen.

Um das laotische Visum zu verlängern, muss man auf der Einwanderungsbehörde einen Antrag ausfüllen und erhält umgehend nach Einzahlung von 1 Dollar pro Tag und Kopf (Kinder sind nach gutem Zureden frei) einen erneuten Stempel in den Pass. (Es ist nicht einfach eine Bank zu finden, die Euro in Dollar umwechselt!)

Auf der Thailändischen Botschaft beantragen wir ein Visum für das Nachbarland. Momentan erhält man hier höchstens die Bewilligung für zweimalige Einreise a 60 Tage, die man innerhalb von 90 Tagen antreten muss. Und das Alles umsonst! Die Bearbeitung dauert einen Tag.

Über die Speditionsfirma „Schenker“, die in Vientiane eine Zweigstelle hat, läßt sich Mathias erneut Ersatzteile aus Deutschland schicken. Diesmal läuft alles reibungslos und noch vor Ort kann er seine neue Spurstange einbauen.

Die Verlängerung der Zollpapiere für die Fahrzeuge nimmt der Grenzzoll an der Freundschaftsbrücke etwas außerhalb der Stadt vor. Beim Verhandeln der Kosten hat Wolfgang festgestellt, dass Hilflosigkeit und Freundlichkeit ein guter Weg sind die Herzen der Verantwortlichen zu erweichen.

Im Zentrum bietet sich ein großer, geteerter Parkplatz (mit Wasseranschluss) als Stellplatz an. Den Lärm der Straße sind wir gewöhnt und es sind nicht so viele Menschen unterwegs, wie am Pier.
Teer hat den Vorteil, dass man das Fahrzeug untenherum gut warten kann, und den Nachteil, dass er sich entsetzlich aufheizt, vor allem wenn weit und breit keine Schattenspender sind.
Gaia findet ihre asphaltierte Spielbahn wie immer genial…sie rennt hin und her und juchzt vor Freude, als Wolfgang sie in einem Pappkarton über den Platz schleift. Und auf einmal purzeln wieder neue Worte aus ihr heraus. „Numal“ und „Schnella“ lassen uns aufhorchen und treiben Wolfgang zu immer neuen Runden an. Ich glaube, sie entwickelt sich zu einem Stadtkind…
Auf einem kleinen Jahrmarkt dreht die Kleene ihre erste Runde in einem Miniaturriesenrad und wir lassen uns die appetitmachenden Düfte der schiebbaren, vollgepackten Grillwägen um die Nasen wehen. Es herrscht ein freundliches, entspanntes Flair und vorerst zum letzten Mal treffen wir auf Linda und Pawel.
Wir verabreden uns zum Pizza essen und Gaia bekommt zum Abschied ein Kuscheltier mit angenähten Krücken geschenkt, das die beiden extra bei „COPE“, einer Organisation, die sich für die Opfer von Blindgängern (ca. 12 000 seit Kriegsende) in Laos engagiert, erstanden haben. Von Linda lernt Gaia ihr erstes englisches Wort: „YES!“ sagt sie stolz und strahlt dabei bis über beide Ohren!

0895

Vang Vieng

In diesem ehemaligen Fischerdorf lässt sich das Ausmaß an Dekadenz einiger Bewohner der westlichen Hemisphäre kaum besser analysieren. Ich bin angeekelt von den unzähligen halbnackten, sturzbetrunkenen, Soap glotzenden „falangs“, die hier feiern, als ob es kein Morgen gäbe. Und dabei so offensichtlich desinteressiert an laotischem Lebensstil sind. Den krassen Gegensatz dieser beiden „Kulturen“ wird man am besten bei einer Fahrt auf dem Fluss gewahr. Wir sehen Einheimische, die nach wie vor vom Fluß leben. Sie sammeln Algen, Krebse und Fische, baden am Ufer, waschen Wäsche….Die Besucher erkennt man daran, dass sie, nachdem sie flussaufwärts ausgiebig „getankt“ haben, sich bunt bemalt und laut johlend mittels eines Reifens wieder Richtung Freiluftrestaurants mit amerikanischem Fernsehprogramm treiben lassen.

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Luang Prabang

Unser nächstes Ziel ist die von der Unesco geschützte Altstadt von Luang Prabang.
Auf dem Weg dorthin legen wir einen kurzen Stop im „Whisky Village“ ein, wo es einem beim Schnapskauf eiskalt den Rücken herunter läuft. Den Wurm im Tequila kann man ja noch irgendwie verdauen, aber die hier in Spiritouosen konservierten, aufgereihten Kobras, Eidechsen, oder Skorpione lösen bei uns nicht gerade Begeisterungstürme aus.
Ein makaberes Angebot…

Frau am Webstuhl

„Fremdfahrt“

Wir parken die Laster nahe des Zentrums am Nam Kham und machen uns zugleich auf, die Stadt, in der es außergewöhnliche buddhistische Architektur, französische Villen und jede Menge Kabelsalat zu bestaunen gibt, zu durchstreifen.


Der Baum des Lebens

Unser kleiner Buddha

Als wir zurückkommen, stellt sich die örtliche Polizei bei uns vor. Zumindest gehen wir davon aus, da keiner von den Mannern in Uniform Englisch spricht und wir mit Mathias Thai-Wortschatz nicht mehr in Erfahrung bringen können, als dass sie Pässe und Führerscheine sehen wollen. Wir händigen die geforderten Papiere aus und warten vergebens auf die Zurückgabe. Zu Beginn der anschließenden Diskussion versuchen sich die Polizisten noch irgendwie verständlich zu machen, doch auch ein deutscher Passant, der in Begleitung von drei Thailändern (die Englisch sprechen) zufällig vorbei kommt und uns zu Hilfe eilt, erreicht nicht viel.
Auf einmal „verhandeln“ seine drei Begleiter und wir haben nicht das Gefühl überhaupt noch am Gespräch beteiligt zu sein. Als einer einen Zettel zückt und meint, wir sollen einen Betrag notieren, reisst Mathias und mir der Geduldsfaden und wir fangen an laut zu werden. Wir ließen uns nicht korrumpieren und überhaupt sollen diese Typen jetzt sofort unsere Papiere wieder heraus rücken…Diese Reaktion stellt sich als äußerst unproduktiv heraus, da die „Übersetzer“ das Szenario verlassen und die Beamten mitsamt Wolfgangs Pass und Mathias Führerschein das Weite suchen. (Ja da trifft deutsches Temperament und Rechtsverständnis ein weiteres Mal auf asiatische Eigenarten (Gesichtsverlust)).

Eine Stunde später hat Wolfgang zuerst die Deutsche Botschaft in Vientiane an der Strippe und dann die Immigrationspolizei von Luang Prabang.
Zwei Stunden später haben wir uns durch den Nachtmarkt und widersprüchliche Auskünfte bezüglich der Lage des Polizeigebäudes gekämpft und sitzen vor zwei Englisch sprechenden! Beamten. Diese sind sehr freundlich und bitten darum, dass Wolfgang und Mathias ein Verlaufsprotokoll ausfüllen. Wolfgang hält sich nicht mit Höflichkeiten auf. Er legt alle Trümpfe gleich auf den Tisch. Ein Deutscher Pass sei Eigentum des Deutschen Staates und niemand, auch kein Polizist sei dazu bemächtigt sich einen solchen anzueignen, weil das Diebstahl sei. In Deutschland könne man dafür ins Gefängnis gehen und er habe die Deutsche Botschaft bereits über den Vorfall in Kenntnis gesetzt, die, falls der Pass nicht bis spätestens den kommenden Tag wieder bei ihm einginge, entsprechende Schritte einleiten würde. Die Beamten werden immer netter und trotzdem müssen wir uns mit der Zusicherung, dass am nächsten Morgen alles wieder bereinigt werden würde, da die Verkehrspolizei schon Feierabend habe, abspeisen lassen. Die Papiere lägen jedoch sicher auf der Wache und wir müssten uns überhaupt keine Sorgen machen.
Mit einem guten Gefühl treten wir an diesem Abend den Heimweg an. Zu Recht, denn am nächsten Morgen wird alles bereinigt.
Im Nachhinein stellt sich heraus, dass wir im Unrecht waren.
Da die Altstadt unter Unesco Schutz steht, sind wir mit den schweren Rössern nicht dazu berechtigt hinein zu fahren. Bei Verstoß muss man (normalerweise) eine hohe Geldstrafe zahlen. Die Polizisten haben Pass und Führerschein angeblich mitgenommen, damit wir dazu gezwungen sind auf die Wache zu kommen und die Strafe offiziell! zu begleichen, um eben nicht den Eindruck entstehen zu lassen, sie wären bestechlich (Wzbw). Wir zahlen einen geringfügigen Beitrag für die Verfehlung und parken um.

(Zufällig treffen wir erneut auf Pawel und Linda)