MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Kategorie-Archiv: 2011/03 Thailand II

KidsAway

Heute am 23.05. veröffentlicht das Online-Magazin KidsAway unter dem Titel: Mit Lkw und Kind auf der Strasse des Lebens ein Interview mit uns.

Die freischaffende Journalistin Kerstin Führer will junge, weltoffene Familien durch praktische Tipps, Empfehlungen, Ratschläge und Erfahrungsberichte dazu ermutigen, sich auch mit Baby oder Kind auf Reisen zu begeben.

Die Zusammenarbeit hätte nicht besser verlaufen können.

Vielen Dank!

Familienbande II

3. April 2011. Wir befinden uns noch immer auf Phuket, denn schon der nächste, längst überfällige Besuch aus Deutschland kündigt sich für heute Mittag an. Sebastian, Christoph und dessen Freundin Sibylle haben sich auf den langen Weg nach Thailand gemacht, um uns zu besuchen und zu sehen, was denn nun mittlerweile für ein Kind aus ihrer Nichte geworden ist, die sie zuletzt als Säugling, ohne Haare, Zähne und Sprache in Natura gesehen hatten. 20 Monate, so viel Zeit ist seither vergangen und da tut sich in der Entwicklung eines Kleinkindes so einiges.

Fast unbegreiflich, dass sie in nur 14 Stunden eine Strecke überbrückt haben, für deren Bewältigung wir per Asphalt über ein ganzes Jahr gebraucht hatten…

In der Zwischenzeit hat sich auch Mutter Natur wieder beruhigt, es herrschen wieder die üblichen, tropischen Zustände und die Ereignisse in Japan sind wenn schon nicht von der Bildfläche, dann doch wenigstens aus den Schlagzeilen von Seite 1 verschwunden.

Scheinbar also die beste Zeit des Jahres, um sich hier bedenkenlos eine Pause zu gönnen.

Direkt vor der Glastür in der Flughafenempfangshalle, über der in großen Lettern „Arrival“ (Ankunft) steht, warten wir gespannt auf die Besucher und nach reichlich Umarmungen und Wiedersehensfreude werden alle samt Gepäck (die Hälfte davon sind sehr nützliche Mitbringsel für uns – Danke!) in den Lkw „verladen“. Nach einem kurzen Plausch mit neugierigen Kofferträgern machen wir uns auf die Straße zum „Karon Beach“ und peilen ein altbekanntes Etablissement an.

Zwei Tage nehmen wir uns Zeit zum „Ankommen“, für reden, quatschen, tratschen, ein bisschen sightseeing und vor allem zum heran tasten. Gaia kann sich kaum an ihre Onkels erinnern und auch die beiden kennen außer einigen Fotografien von ihrer Nichte, ihr Wesen noch nicht wirklich.

Khao Lak

Eine kurze Verschnaufpause also, bevor wir erst einmal nur mit Sebastian an Bord Richtung Norden zum „White Sand“ Strand von Khao Lak aufbrechen. Zu Beginn ist Gaia von dem neuen Mitfahrer, der sie ihren Platz kostet, nicht so ganz begeistert und auch Sebastian kämpft noch mit der Umstellung auf das feucht heiße Klima, doch am Ziel angekommen beruhigt ein fantastischer Sonnenuntergang und der Genuss einer frisch geschlagenen Kokosnuss die Gemüter und Urlaubsstimmung tritt ein.

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Ko Chang

Die Zeit dort vergeht wie im Fluge und schon gesellen sich Christoph und Sybille wieder zu uns. Ihre Ankunft läutet gleichzeitig den bevorstehenden Aufbruch ein, denn am nächsten Morgen soll es weitergehen Richtung Norden.

Nur eine Tagesreise durch tropisches Klima, über eine kurvige Straße mit Blick auf saphirgrünen Regenwald und Gummibaumplantagen und vorbei an etlichen, kleinen muslimischen Ortschaften, trennt uns von Ranong, wo wir ein Boot nach „Ko Chang“, einer vorgelagerten Insel in der Andamanensee nehmen und Morpheus zwischen- zeitlich abstellen wollen.

Die Hafenszenerie bleibt wie schon zuvor eindrücklich. Der Geruch von altem Fisch, Verwesung, Abgasen und frisch Gegrilltem weht einem hier um die Nase und ist aufs Extremste gewöhnungsbedürftig. Burmesische Arbeiter (erkennbar an der weiß-gelblichen Farbe im Gesicht) verrichten in der prallen Sonne für unsereins schweißtreibende Tätigkeiten. Überall ist es schmutzig, direkt am Pier ist der Betonboden mit durchsichtigem Glibber überzogen, alles, was vom morgendlichen Fang übrig geblieben ist. Ein paar Hunde, die aussehen, als hätten sie auf dem Vorhof zur Hölle kehrt gemacht, wühlen in Abfall und eifrige „Schlepper“ schleichen auf der Suche nach Kundschaft herum. Ranong eben, unverwechselbar.

Am kommenden Morgen sitzen wir auch schon postwendend an Bord eines Langbootes, zugegeben etwas unbequem, auf wild herum liegenden Holzbrettern, aber für eine Stunde und Anfang dreißig kein Problem.

Noch etwa zehn Minuten dauert der Rausch der Eindrücke des Hafens, mächtige, altertümliche Hochseefangschiffe, das Getümmel um die Zollstation und marode Pfahlbauten bleiben zurück und unser cooler, tätowierter Kapitän sticht in die Offene See hinaus.

Eine korpulente Frau schützt Gaia und mich die ganze Fahrt über unter vollem Körpereinsatz vor dem aufgepeitschten Salzwasser, das über den Rand des Bugs hereinspritzt und ich bin ihr dankbar. Für einige Minuten können wir die Augen schließen und das Gefühl über das Wasser zu gleiten, ohne Ablenkung genießen.

Irgendwann halten wir auf ein Eiland zu, das auf den ersten Blick wie ein riesiger, über und über mit Wald zugewachsener Berg aussieht…Prima, denke ich noch, haben wir das Paradies doch noch gefunden…

Doch zuvor hält der Kapitän Kurs auf ein weiteres Langboot, havariert gekonnt und wir denken schon ans Umsteigen. Zum Glück geirrt, denn das Treffen auf dem Wasser dient nur der Übergabe von einem tief gefrorenem Eisblock vom Festland.

Langsam nähern wir uns dem Ufer, man erkennt badende Kinder, einfache Hütten, Strand und…Mathias, Florian und die aufgeregte Paula.

„Sunset bungalows“ heißt die Herberge, die die beiden dort in der Zwischenzeit schon mal ausgekundschaftet haben. Öffnet man morgens alle Fenster seines Bungalows (in drei Himmelsrichtungen), fühlt man sich beinahe wie Tarzan und Jane verloren im Dschungel und fliegt dann auch noch ein „hornbill“, ein Nashornvogel draußen vorüber, ist die Illusion eines intakten Ökosystems perfekt.

Jede Hütte hat einfache, sanitäre Anlagen und wenn man kein Problem mit dem ein oder anderen nächtlichen Besucher hat (Moskitonetz schützt!), kann man es hier ganz sicher eine Zeit lang aushalten.

Ja, aber diese Art des Entspannens ist eben nicht jedermanns Ding und auch unsere Besucher ziehen einen klimatisierten Bungalow in Khao Lak dem Dschungelparadies vor. Somit sitzen wir nach nur einer Nacht auch schon wieder im Boot zurück.

Die letzten Tage vergehen wie immer viel zu schnell, um richtig angekommen zu sein. Dennoch bleibt genügend Zeit, um einander wieder näher zu kommen.

Laut Mondkalender begehen die Thailänder Mitte April das traditionelle Neujahrsfest „Songkran“ und somit verabschiedet sich dieses Land auf feucht-fröhliche Weise von Sebastian, Christoph und Sibylle !)

Käfer zum Frühstück

Bereits mit dem Sonnenaufgang kündigt ein knatterndes Motorengeräusch die ersten Leckermäuler des
Tages an. Delikatessenjäger, wenn man so will. Schwer beladen mit sperrigen, langen Bambusstangen
und Sammelbehältern nähert sich unserem Stellplatz am Rande eines Nationalparks auf der Halbinsel
Phuket, eine mehrköpfige Familie, die ihren fahrbaren Untersatz, ein Moped mit Beiwagen samt
Sonnendach, beinahe zu sprengen droht. Voller Vorfreude auf eine bevorstehende Köstlichkeit macht
man sich fröhlich lachend und laut schwatzend mit dem Arbeitsgerät in der Hand auf den Weg in
Richtung der umstehenden Bäume. Kurz wird man durch Morpheus Anblick abgelenkt, das schließen wir
jedenfalls aus dem kurzen Innehalten der Gruppe und der ununterbrochenen Verwendung des Wortes
„falang“ (=Ausländer), doch schon nach einigen Sekunden, nachdem noch schnell einige herum
liegende Plastikflaschen geköpft und als eine Art Trichter auf das Ende der Stangen gestülpt
worden sind, ist die Jagdsaison eröffnet. In den Wipfeln von Bäumen und Palmen brummt es bereits
gewaltig. Ein ca. 4 cm langer, maikäferähnlicher Riese geht dort voller Eifer seinem Tagewerk
nach. Wahrscheinlich sind die armen Dinger gerade mit der Zeugung der nächsten Generation
beschäftigt. Es dauert nicht lange und ein Aufschrei des Entzückens teilt uns mit, dass ein Opfer
bereits im Sack gelandet ist. Wolfgang setzt sich mit Gaia auf dem Arm in Bewegung, um das
Beutestück aus der Nähe zu betrachten. Wie der benommene Käfer so vor ihm sitzt und ihn aus seinen
großen, traurigen Käferaugen ansieht, kann er sich nicht wirklich vorstellen dass sympathische
Insekt mit Haut und Haaren zu verschlingen…trotzdem teilen uns die Einheimischen bereitwillig
das Geheimnis der Zubereitung mit. Mit viel Fett in einer großen Pfanne backen, bis sie schön
knusprig sind. Ganze 10 Cent sei das Käferleben letztenendes wert! Den ganzen Tag über und den
darauf folgenden und den darauf folgenden kommen nun Menschenschwärme angerollt, die sich in den
Schatten der Bäume begeben (manchmal fängt auch einer zum Klettern an), ein bißchen hier und da
herumstochern und die etwas „ungeschickteren“ Exemplare nur einzusammeln brauchen. Nach Einbruch
der Nacht scheint die Jagd am aussichtsreichsten. Wir beobachten, wie man sich um die Lichtkegel
der Autoscheinwerfer kreisförmig postiert und die vom Licht angelockten Todeskandidaten nur so aus
der Luft pflücken kann. Na denn, bleibt uns nicht mehr zu sagen, als „Mahlzeit“!

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