MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Kategorie-Archiv: 2011/09 Thailand III

Ein neues Regendach

Es ist Ende September und der Tag des Grenzübertritts nach Kambodscha rückt (Tick Tack) immer näher. Schon bald werden wir wieder etwas schneller unterwegs sein.

An der Stelle, wo Thailand auf der Landkarte nur noch als rote Grenzlinie zu erkennen ist, treffen wir noch einmal auf unsere Schweizer Freunde Lorenz und Gisela, die mit ihren 14 Metern namens „LOGI“ einen netten Küstenplatz besetzt haben.

Gisela

Da es auch weiterhin täglich über mehrere Stunden regnet, sind wir froh, dass es Toiletten und eine Dusche über die Straße gibt. Bloß keine unnütze Feuchtigkeit im Lkw verursachen!

Doch zuerst reißt die Wolkendecke bei unserer Ankunft auf und die Sonne lässt sich blicken. Also nichts wie raus mit dem Sonnen-Regen-Dach (zum Trocknen), die obligatorische „Hallo wir haben ein Kind – Wäscheleine“ spannen, die Einrichtung zurecht rücken und im Handumdrehen sind wir bereit für die Inspektionsrunde des neuen Areals.

Unser Asphaltplatz

Fledermaushöhle direkt am Meer

Vor der Höhle

Da Gaia in Gedanken aber schon wieder auf der Sitzecke der Nachbarn sitzt, um jede Menge los zu werden, fällt die Exkursion kürzer aus und wir widmen den Nachmittag unserer Lieblingsbeschäftigung, der Unterhaltung.

Am nächsten Tag erwarten uns gleich 2 Überraschungen.

Als Wolfgang gerade mit dem Flicken einiger Roststellen beschäftigt ist, kommt Lorenz auf die sensationelle Idee uns aus seinem „Wundermittel“ Fiberglas ein Regendach für eine der hinteren, unteren Fensterreihen zu basteln, das man bei Bedarf in die Regenrinne einhängen kann, um auch bei Niederschlag für Durchzug zu sorgen. Fast einen ganzen Tag nimmt er sich dafür Zeit – das Ergebnis überzeugt und kann umgehend auf seine Tauglichkeit geprüft werden. Regen…es klappt! Herzliche Grüße und ein dickes Dankeschön!

Lorenz bei der Arbeit

Auf Nachmittag kündigt sich Besuch an. Michael, seine Frau Thicha und deren zwei Kinder Bob und Raymond nehmen 3 Stunden Autofahrt auf sich, um uns doch noch zu treffen;)

Bereits auf dem Herweg hatte uns der Deutsche, der seit 8 Jahren in Thailand lebt zu sich nach Hause eingeladen, war aber zu dieser Zeit selbst unterwegs. Wir fuhren trotzdem vor und durften bei Thicha einen Brief aus Deutschland in Empfang nehmen (Danke Mamas!), Wäsche waschen und wurden obendrein noch aufs Fürstlichste bekocht. Auch hier noch einmal: Es hat uns sehr gefreut und Vielen Dank!

Michael und Raymond

Zu Beginn fällt die Annäherung der Kinder wegen Müdigkeit zwar noch etwas verhalten aus, doch als die Bäuche schließlich mit mitgebrachten Spezialitäten der Provinz gefüllt sind, verfliegt die anfängliche Zurückhaltung schnell. Gaia saust den beiden Jungen auf ihrem Dreirad kreischend hinterher, Bob führt JoJo-Kunststücke vor und Raymond hangelt sich die Wäscheleine entlang.

Kindertratsch

Bis spät in die Nacht hinein gibt es also im schummrigen Licht der LED-Lämpchen noch jede Menge zu lachen und zu plaudern, bis  irgendwann eines nach dem anderen vor Erschöpfung aus den „Latschen kippt“. Ein schöner Abend!

Partytime

Assimiliert

Der Dauerregen holt uns wieder ein und mit gemischten Gefühlen verlassen wir die Elefanteninsel ein zweites Mal. Das Strandleben hat uns definitiv in seinen Bann gezogen und irgendwann werden wir wahrscheinlich darüber fluchen, dass wir nicht „hängen“ geblieben sind. Auf der anderen Seite lockt längst wieder das Unbekannte und es wird langsam Zeit neuen Abenteuern entgegen zu fahren.

 

Und obwohl wir uns in den vergangenen Monaten in Thailand nur einige Brocken der Landessprache angeeignet haben, sind andere Dinge in Fleisch und Blut übergegangen, sind beinahe zu etwas Selbstverständlichem geworden.

 

Ich kann den würzigen Geruch des Ozeans nicht mehr aus der Ferne erschnuppern, bekomme keinen Hustenanfall mehr vom Chilipulver um die Küchen, wir wundern uns nicht mehr darüber, dass hier nie einer „nein“ sagt, streifen uns bei 25 Grad Pullover über, weil wir frieren, lächeln selbst jeden an und unser Kind übt fleißig „sawasdee kaaaaa, sawasdee mai, kop khun kaaaaaa!“ und trägt bevorzugt kitschige Flip Flops.

 

Demnach haben wir uns assimiliert. Ganz von selbst, ohne viel Zutun, mit der Zeit, einfach so! Die Menschen, ihre Lebenseinstellung und das Ambiente haben es uns leicht gemacht.

Es wundert uns nicht, dass so viele „Langnasen“ hier stranden, denn zumindest oberflächlich betrachtet – was braucht man mehr?

Stadtoase

Wer hätte das gedacht? Inmitten von Bangkok, wohl mit eine der größten und grauesten Metropolen dieser Welt, pulsiert ein grünes Herz!

Wir stehen nun schon seit einigen Tagen auf dem geteerten Parkplatz vor dem Wochenendmarkt, dem „Chatuchak“, umgeben von heißem Beton, klingelnden Essensverkäufern und muffligen Hunderudeln und haben uns vor einem Werbebanner, auf dem man die geplante „Grüne Shopping Meile“ schon mal im voraus bewundern kann, ausgebreitet.

Hinter dem Banner verrichten überwiegend burmesische Arbeiter (erkennbar an den Gesichtsbemalungen ihrer Kinder, die mit auf der Baustelle leben) tagtäglich in der prallen Sonne Schwerstarbeit, um die animierten Bilder vor unseren Nasenspitzen Wirklichkeit werden zu lassen. Sie sehnen den allabendlichen Schauer, der das Ende ihres Arbeitstages besiegelt wohl genauso sehr herbei wie wir, weil wir das Regenwasser zum Abduschen brauchen.

Mitten in Bangkok

Und bevor wir auch nur annähernd den „Parkplatzkoller“ bekommen, machen wir hinter einem geheimnisvollen Eisentor eine angenehme Entdeckung…

Wolfgang, der gerade mit Gaia die Fahrtüchtigkeit unserer Räder überprüft, biegt, angezogen vom Anblick einer uralten Dampflokomotive von der Straße ab und befindet sich unvermittelt in einer „Grünen Oase“ wieder.

Durch eine riesige Parkanlage schlängeln sich schmale Wege, auf denen der „bewusste“ Stadtmensch radeln, joggen, oder einfach nur flanieren darf. Zurechtgestutzter Kunstrasen und darin eingebettete kleine Seen, die über und über mit Lotusblüten bedeckt sind laden zu einem Picknick, oder einfach nur zum Herumtollen ein.

Leckeres Essen

Ein begeisterter Aufschrei weckt uns aus diesem Tagtraum.

„Spielplatz!“ – und schon gibt’s kein Halten mehr.

Niegelnagelneue Rutschen, Wippen und Schaukeln, gesponsert von einer der Supermarktketten des Landes? werden sofort von der nach Bewegung hungernden Gaia in Beschlag genommen. Na wie gut, dass momentan keine anderen Kinder in Sichtweite sind und sie nirgendwo anstehen muss.

Auf dem Nachbarspielplatz, gesponsert von einem namhaften Reifenhersteller, quält sich soeben eine Gruppe Pfadfinder durch einen Reifenparcour, was wir uns natürlich aus der Nähe ansehen müssen. Ach ja, es gibt auch Zeiten, in denen ich froh bin kein Kind mehr zu sein…obwohl sich ein etwas fülligeres Mädel, das verständlicherweise keine Lust hat durch die „Reifenschleuse“ zu kriechen wenig von der Trillerpfeife des Aufsehers beeindrucken lässt und einfach einen Bogen darum macht. Respekt!

Und als ob das nicht schon genügend Highlights für heute gewesen wären, taucht in der Krone des Baumes neben uns ein schneeweißes Eichhörnchen auf, das uns mit seinen akrobatischen Kunststücken genauso zum Lachen bringt, wie Herr und Frau Vogel, die beide vor unseren Zehenspitzen hin und her wackeln und dabei aufgeregt zwitschern. Gaia weiß genau, was zu tun ist und begrüßt sie mit vor der Brust verschränkten Händen und „Sabai dee kaaaaaaaa!“, was den nächsten Lachanfall auslöst.

Kleiner Vagabund

Wer hätte das gedacht, dass Stadt so viel Spaß machen kann und man dabei obendrein sogar saubere Luft atmen kann?!

Hochwasser

Wie gesagt, eigentlich…

Denn wie immer im Leben folgen auf die guten Zeiten auch wieder mal weniger gute und es gilt den Auswirkungen des momentan herrschenden Klimas auf unser Heim Herr zu werden.

Zwischenzeitlich haben wir uns nach einem kurzen Abstecher auf die Insel Koh Lanta wieder an unserem Lieblingsstrandplatz eingefunden, wo uns ein altbekannter weißer Riese schon von weitem entgegen strahlt.

Gaia ist kaum mehr zu halten, als sie nur die Namen „Lorenz und Gisela“ hört und schneller, als wir das sonst gewohnt sind, steht sie bewaffnet mit Farblernkarten und Schere bei den beiden auf der Matte, um sofort alle neu erlernten Fähigkeiten vorzuführen. Wir freuen uns natürlich nicht weniger über das Wiedersehen und haben gleichfalls jede Menge über die vergangenen Wochen zu berichten.

Wiedersehensfreude

Ankommen, Aufbauen, Waschen, Lüften,…1 ganzer Tag bleibt uns anschließend bis der „Dauerregen“ einsetzt. Regen bedeutet eigentlich nicht sofort Probleme. In Deutschland auf dem Sofa würden wir es uns wahrscheinlich bequem machen und einen solchen Tag zum Entspannen nutzen, aber hier bei 32 Grad Außen- und Innentemperatur und um die 60% Luftfeuchtigkeit bedeuten geschlossene Fenster und Türen Terrarium-Gefühle.

Regenwolken

Ja, aber, mag da der ein, oder andere einwerfen, dann entledigt man sich eben seiner Kleider…Stimmt, aber das Problem ist eben nicht nur ein immerzu verschwitzter Körper (zwischendurch wird`s sogar angenehm kühl, durch den Niederschlag!), sondern der morpheus`sche Innenausbau und das Inventar.

Auf allem, was einmal lebendig war bildet sich über Nacht, ach über Minuten eine hauchdünne Pilzschicht. Der „Koffer“, sprich unser Wohnraum ist komplett mit Holzplatten vertäfelt, Tisch, Bänke, Schränke, Verkleidungen sind aus Holz. Taschen und Gürtel aus Leder, Bücher beginnen Schimmel anzusetzten. Kleider, Decken und Vorhänge bleiben für`s erste verschont, was eigentlich auch schon beinahe keine Rolle mehr spielt.

Da hilft nur eins, sobald die Sonne auch nur ein bisschen durch die Wolken blinzelt, werfen wir alles mögliche zum Trocknen raus und behandeln die Oberflächen mit Wasser vermischt mit Chlor. Das bedeutet eine Heidenarbeit, aber für die kommenden Tage und Wochen werden wir sicher Ruhe haben.

jeden Sonnenstrahl ausnutzen

Und so ganz nebenbei bleibt natürlich doch noch Zeit für`s Genießen und zum Austauschen!

…für Gaia spielt es überhaupt keine Rolle, ob es in Strömen gießt, oder die Sonne lacht, Strand ist Strand, Wasser ist Wasser und da kann man sich wunderbar hinein plumpsen lassen…

Wasserratte

Nach ein paar Tagen ist dann aber endgültig Schluss mit Lustig und vorerst gemeinsam mit Lorenz, Gisela, Mathias und Paula setzten wir unseren Weg Richtung Norden fort.

Fischer

Auf den Hauptstraßen werden wir Zeugen davon, was die Regenzeit für die Anwohner bedeutet und ich wundere mich darüber, dass viele von ihnen, obwohl ihnen das Wasser schon bis „zum Halse“ steht, unbeirrbar weiter lächeln…?

Tag am Meer

Die ersten Sonnenstrahlen geben das Startsignal – nichts wie raus aus dem Laster und rein in die Fluten! Da wird die morgendliche „Katzenwäsche“ fürs Kind zum Vergnügen und der Schwimmreifen muss Überstunden schieben!

Strandkind

Was könnte wohl schöner sein, als den lieben, langen Tag dem Rauschen der Wellen zu lauschen, stundenlang mit den Fingern durch den Sand zu fahren, im salzigen Wasser zu plantschen, oder flinke Krabben über den Strand zu jagen?

Inselwelt

Wir sammeln Muscheln und Schneckenhäuser in den verschiedensten Formen und Farben und legen sie zu fantastischen Bildern, unterhalten uns mit einer alten Sandschildkröte und rasten zwischendurch im Schatten von Mangrovenbäumen.

Den Plastikmüll, den das Meer an vielen Orten wieder ausgespuckt hat mögen wir Erwachsenen als störend empfinden, Gaia jedoch sieht darin jede Menge nützlichen Spielrat und geht erst einmal neue Sandalen „einkaufen“.

Sandkasten

Draußen, im hüfttiefen Wasser werfen braun gebrannte Fischer ihre Netze aus, in der Hoffnung auf vorbei ziehende Fischschwärme und motorisierte Langboote knattern, am Bug mit reichlich bunten Bändern verziert, durchs seichte Wasser.

Oft warten die Kinder der Männer auf ihre Rückkehr und manchmal ist eines davon mutig genug, um näher zu kommen.

Fischermann

Wenn Wolfgang die Motorradrampe herunter lässt und ein Ausflug auf zwei Rädern bevorsteht, gibt`s kein Halten mehr. „Mama, wir müssen los“ sind die letzten Worte, die ich höre, bevor sich Gaia juchzend auf die Maschine heben lässt und die beiden mit flatterndem Haar und breitem Grinsen meinem Blickfeld entschwinden.

Krematorium

Das Angebot an süßen, exotischen Früchten ist während der Regenzeit hier riesig. Rambutan, Jackfruit, Mangos von morgens bis abends, kein Problem. Außerdem ist das Land bekannt für seine „fliegenden Küchen“, die zu jeder Zeit, an jedem Ort frische und günstige Speisen zubereiten. Gegrillter Fisch wird neben frittierten Bananen angeboten und daneben bekommt man Klebereis und „Somtham“, die Leibspeise der Thais (Für uns aber bitte nur mit einer Chilischote!). Da steht der Herd ganz sicher still und es bleibt mehr Zeit zum Genießen.

Unter Palmen

Barfuß über den Sand laufen, Rennen, sich fallen lassen, Salz auf der Haut, lächelnde Menschen, Sonnenschein, Meeresrauschen, Ruhe, Geckorufe,Tiere beobachten, frische Kokosnussmilch trinken, Kinderlachen, baden gehen, Wellenreiten, Yoga machen, Palmen, Dschungelblick, im Regen duschen,….

Eagle

Wenn sich die Sonne am Ende des Tages als große, rote Scheibe verabschiedet und in einem Farbenmeer aus Blau, Violett und Orange hinter`m Horizont verschwindet, setzt das Konzert der Zikaden ein und im friedfertigen Licht der Glühwürmchen entschlummern wir ins Land der Träume, das sich doch eigentlich gleich vor der Haustüre befindet 😉

Sonnenuntergang