MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Kategorie-Archiv: 2011/10 Kambodscha

Mekong überall!

  Schon bald geht es weiter, denn die Zeit rennt. Sollten wir nicht mit den Fahrzeugen nach Vietnam einreisen dürfen, bleiben nicht viele Tage übrig, um das Land von Ost nach West zu durchqueren und zurück nach Thailand zu fahren. Zwar hatten wir auf der Vietnamesischen Botschaft in Sihanoukville beim Ausstellen der Visa noch einmal beim Konsul nachgehakt, ob es möglich sei mit dem eigenen Auto einzureisen und ob der Internationale Führerschein an der Grenze anerkannt werden würde und dieser meinte die Chancen stünden gut, doch so ganz sicher kann man sich da eben nie sein…

Über die Hauptverbindungsstrecke „Hoh Chi Mingh– Phnom Penh“ dauert es nicht lange, bis wir die Fähre über den Mekong erreichen. Hier herrscht Hochbetrieb! Fliegender Markt, da muss man sich quasi gar nicht mehr aus dem Haus bewegen, sondern kann vom Fenster aus „bestellen“. Sonnenbrillen, Snacks, Softdrinks, Zigaretten,….alles, was das Herz begehrt wird den Wartenden unter die Nasen gehalten.

…und noch ein bisschen mehr!

Fast verliert das Ereignis nun gleich den „Gelben Fluss“ zu überqueren an Bedeutung, bei diesem Spektakel, aber eben nur fast…

Auf der anderen Seite angekommen, bleiben die Aussichten zuerst unverändert (wir befinden uns schließlich noch im selben Land), aber das wechselt bald. Um die Fähranlegestellen herum hatten uns nicht nur die Verkäufer, sondern auch Häuser die Sicht auf das Umland versperrt. Nun haben wir das Städtchen hinter uns gelassen und blicken auf…Wasser, ohne Ende! Da, wo sich eigentlich ein Reishalm an den nächsten schmiegen müsste…gelblich, braunes Wasser. Links und rechts der Straße, bis zum Horizont, soweit man zu schauen vermag…Wasser! Unfassbar! (Wenn man weiß, dass man gerade nicht am Meer ist)

Zum Teil halten die Pfahlbauten dicht am Straßenrand den Massen noch stand, sie scheinen zu schwimmen…die Bewohner erreichen sie per Boot, oder über improvisierte Bambussteige. Zu spät geborgene Baustellenfahrzeuge, um die herum sich die Arme des Wassers bereits gelegt haben, versumpfte Autos, ein geborgener, aber verdellter Lastwagen, Vieh und Stroh, Behelfsunterkünfte…am Straßenrand. Was man vermisst sind die Geländewagen der Hilfsorganisationen, die man in den Stätten zur Genüge antrifft.

Es ist nicht leicht einen Übernachtungsplatz zu finden. Wir sind heute nicht wählerisch, da es morgen sowieso schon weiter gehen soll, doch allein die Suche nach einem trockenen Untergrund, 10 auf 10 Meter wird momentan zur Herausforderung.

Als der Tag sich so langsam dem Ende entgegen neigt und die Nachmittagssonne den Dingen einen romantischen Mantel überwirft, wird Mathias dann doch noch fündig. Eine kleine Wiese, direkt an der Straße, zwischen einigen Bauernhäusern und einem Reisfeld sieht so aus, als könne sie unser Gewicht verkraften.

Noch bevor die Motoren ausgehen, sind wir umringt von neugierigen Gesichtern. Zugegebenermaßen bin ich nicht sofort Feuer und Flamme. Der Tag war lang, die Fahrt anstrengend, ich bin gesundheitlich etwas angeschlagen und Kommunikation mit Händen und Füßen ist immer etwas anstrengend. Also, tief Luft holen, aussteigen, lächeln, locker bleiben…

…und genießen.

Als es bereits dunkel wird, stehe ich glücklich mit Gaia auf einem Erdhügel und sehe ihr dabei zu, wie sie mit den „Nachbarsjungen“ von der Spitze springt und dabei lauthals „Takengon“ ruft – was auch immer das heißen mag 😉

Phnom Penh

„FCC“

 

Wir sitzen im obersten Stockwerk des „Foreign Correspondence Clubs“ und bewundern die Aussicht, auf den um diese Tageszeit tiefschwarzen Tonle Sap Fluss zu unserer Rechten, auf dem gerade ein mit bunten Lichterketten beleuchteter Dampfer dahin gleitet.

Erhebt man sich ein wenig von seinem Barhocker, um sich über die Brüstung des Eckgebäudes im Kolonialstil zu beugen, kann man einen Blick auf  das Treiben der Straße werfen und dabei ein „Angkor“-Bier, einen frisch gepressten Orangensaft, eine Kugel hausgemachtes Schokoladeneis, einen Cappuccino, oder alles, was der Geldbeutel sonst noch so zulässt genießen. Für einen Moment kann man sich entspannen und einfach nur teilnahmsloser Zuschauer sein…

 

Im Nobelrestaurant gegenüber hat es sich eine Gruppe Urlauber auf den gemütlich wirkenden Korbsesseln bequem gemacht und adrett gekleidet studiert man soeben die Speisekarte…

Entlang der Promenade verharren Rikscha- und Motorradtaxilenker in mehr, oder weniger bequemen Positionen und lauern auf Fahrgäste…

Ein paar in Lumpen gehüllte Frauen hocken auf blank polierten Pflastersteinen und betteln mit schlafenden Babies in den Armen um Almosen…

Einige Jungen und Mädchen laufen einem Pärchen hinterher und bedrängen die Händchen haltenden ihnen nun doch endlich ein paar Armbänder, oder vielleicht ein kopiertes Buch aus ihren Körbchen abzukaufen…

Im Schein einer Laterne sitzt ein Mann Mitte Zwanzig, dem beide Beine fehlen in einem Rollstuhl, der selbst gefertigte Souvenirs anbietet…

Jetzt fährt eine protzige, weiße Limousine mit Unterbodenbeleuchtung genau durch unseren Aufmerksamkeitsfokus…

 

Stadt halt – Ausnahmezustand! Aber doch in jeder Stadt anders.

 

Vom Parkplatz eines renommierten Hotels aus (auf dem wir kostenfrei logieren dürfen!) hatten wir nach Einbruch der Dunkelheit ein TukTuk in die Altstadt gestoppt, wo wir eigentlich dem Nachtmarkt einen Besuch abstatten wollten, der zufällig aber genau heute geschlossen war.

Um trotzdem einen kleinen Eindruck vom Flair der Hauptstadt einzufangen, hatten wir uns daraufhin für einen Spaziergang durch die leicht verruchten Gassen drum herum entschieden. Die Neugierde (und ein bisschen `s G´lust) führten uns schließlich vor die hölzernen Stufen des „FCC“, von dem uns Mathias bereits berichtet hatte-Ein Etablissement mit Charakter und Geschichte, indem sich einst die Creme de la Creme der internationalen Berichterstattung getroffen haben soll. Der Aufstieg in die oberste Etage mit Freiluftterrasse führt entlang bewegender Fotografien aus der Ära Pol Pots, die eindrücklich das Leid der Vergangenheit dokumentieren.

Vorbei an voll besetzten, runden Tischen, über denen Deckenventilatoren schnurren und vorbei an klobigen, hölzernen Tresen gelangt man über einen schmalen Treppenaufgang in die angeschlossenen Stockwerke. In den geräumigen, hohen Räumen, die zur Straße hin offen sind, ist es hell und luftig; Säulen und Bögen herrschen als Gestaltungselement vor.

Nett, würden uns jetzt noch dicke Rauchschwaden um die Nasen ziehen und eine tiefe Frauenstimme einen „Buena Vista Social Club-Song“ zum Besten geben, man könnte meinen, man befände sich in Havanna. So aber ist uns der Zutritt auch mit unser`m kleinen „Enger`l“ erlaubt, obwohl sie der einzige Gast unter 16 bleibt und nicht nur vom Ober mit anerkennenden Blicken bedacht wird…

Alltag

 

„Good luck to you!“

Ein letzter Tag, ein letzter Abend bleiben, bis wir uns wieder von Lorenz und Gisela verabschieden müssen. Diesmal wohl für etwas länger…Die beiden bleiben Südostasien wohl noch für einige Zeit erhalten und wir…müssen weiter.

 

„It was a pleasure“, die Zeit mit euch hat uns viel Freude bereitet! Hoffentlich ziehen nicht allzu viele Jahre ins Land, bis wir uns mal wieder auf eurer Sitzecke treffen!

Auf dass die Straßen nicht allzu holprig, die Plätze meist angenehm, die Bekanntschaften bereichernd sind und das Leben ein Fest bleibt!

 

„Good luck to you!“

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Kep

Markt – „Einmal Stinkfuß bitte…“

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Baby, es gibt Reis!

Ein letztes Mal sagen wir dem südostasiatischen Ozean wehmütig „Good Bye“, wir verabschieden uns von Andre aus Frankreich, der unsere kleine „Kommune“ die letzten Tage immer wieder besucht hatte (Don`t forget to send me the picture of the tattoo!!!), vom kleinen Hirtenjungen, der immer in der Nähe war, vom „Mushroom Point“, dem gemütlichen Lokal mit Flair um`s Eck, von den Arbeiterfamilien, die entlang der Zufahrtsstraße ihre Hütten aufgestellt haben und fahren zur Abwechslung mal wieder im Konvoi Richtung Kep. So entspannt die Zeit in diesen Gefilden auch gewesen sein mag, langsam wird das Verlangen auf einen Wechsel der Jahreszeit immer größer und Gaia, die wir langsam zumindest mental versuchen auf Kälte vorzubereiten, redet nur noch von „Nepal“, „Schnee“ und „frieren“ – wenn sie wüsste…;)

Full Power

Unterwegs sorgen die 3 Ungetüme „LOGI“, „Baby 3“ und „Morpheus“ für Aufsehen und wir nutzen die allgemeine Neugierde, um die Menschen und ihren Alltag hier besser kennen und verstehen zu lernen.

Probleme oder was?

Ein neuer Mitfahrer

Nee doch nicht

Das Landschaftsbild wird nur mehr von den saftig grünen Spitzen der Reisähren beherrscht, von Arbeitern mit kegelförmigen Bambushüten inmitten der Felder, von den Pfahlhütten der Bauern, um die herum gearbeitet, gespielt, aber auch geruht wird, von Ochsenkarren, von Frauen in Schlafanzügen, von mageren indischen Kühen, von Kindern, Kindern, Kindern.

Reis überall reis

Was  für ein Leben

Kinder ganz einfach

Beim Holzhacken

Regenwasserauffangbecken

Spielkameraden für Gaia

Aus einem Reiskorn gewinnt man drei bis fünf. Eines wird wieder zur Aussaat benötigt.

In einigen Gebieten wurzelt das Samenkorn nicht, wenn man es nur auswirft, es muss Stück für Stück gesteckt werden. Vor uns liegen Milliarden von Reiskörnern – unglaublich viel Arbeit! Sind die Ähren goldgelb, wird von Hand geerntet, mit Sicheln. Die Sonne verwöhnt die grünen Halme; sie wiegen sich grazil und verletzlich im Windhauch und es raschelt leise…

Harte Arbeit

Reisähren

Beim Betrachten der Szenerie wird der Gedanke an die Bestrebungen Pol Pots wach, der um seine extrem maoistischen Ideologien in die Tat umzusetzen und Kambodscha in einen „Bauernstaat“ verwandeln wollte, seine Landsleute von 1975 bis 1979 mit Hilfe der „Roten Khmer“ in Angst und Schrecken versetzte. Nach der Eroberung von Phnom Penh wurde die Hauptstadt vollständig geräumt und Staatsbedienstete, Intellektuelle, buddhistische Mönche gezielt verhaftet, gefoltert und ermordet. Wer überlebte wurde im Gegenzug für karge Mahlzeiten gezwungen in landwirtschaftlichen Kooperativen von Früh bis Spät Schwerstarbeit zu verrichten. Als das wiedervereinigte Vietnam Kambodscha im Januar 1979 von der Diktatur Pol Pots befreite, hatten mindestens 1,4 Millionen Menschen aufgrund mangelnder Ernährung, Entkräftung, als Folge von Krankheiten und durch Exekution ihr Leben gelassen. Noch rund 20 Jahre sollte es daraufhin dauern, bis der Terror der „Roten Khmer“, die inzwischen unterstützt von diversen „Supermächten“ als Guerillabewegung gegen die offiziell anerkannte Regierung und die vietnamesische Armee offerierte und einen Bürgerkrieg im Land entfachte, ein Ende nehmen sollte.

Fast keiner der Verantwortlichen von damals wurde seither zur Rechenschaft gezogen…

In beinahe jedem Gespräch, das wir führen, kommt das Leid der Vergangenheit wieder ans Tageslicht, denn die meisten haben Opfer zu beklagen.

Beim Betrachten all dieser Felder, all dieser kleinen Dörfer, den z.T. „steinzeitlichen“ Fortbewegungsmitteln, könnte man fast den Eindruck gewinnen, die Vision von damals wäre Wirklichkeit geblieben…doch der Schein trügt, man muss nur genauer hinsehen…

Kambodschanische Mönche

Nette Menschen

Gegenseitiges Beschnuppern

Badespaß im Strassengraben