MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Kategorie-Archiv: 2011/11 Thailand IV

Grenze Thailand Laos

Geografisch betrachtet befindet sich die Region, die gemeinhin unter dem Begriff „Das Goldene Dreieck“ bekannt ist im Grenzgebiet zwischen den Staaten Thailand, Laos und Myanmar. An der Stelle, wo der Fluss Ruak in den Mekong fließt, entstand durch die daraus resultierende, natürliche Trennung der drei Länder ein abstraktes „Dreieck“. Als „golden“ galt das Gebiet in eben jenem Dreiländereck, weil chinesische Händler, das hier einst in großem Umfang produzierte Opium mit Gold bezahlten.

Von all dem bekommen wir jedoch nicht viel mit. Unser Augenmerk gilt der unmittelbaren Umgebung, die idyllischer nicht sein könnte. Entlang der Straße reiht sich ein Maisfeld ans nächste, einige Kühe grasen gemächlich im Grünen, von mal zu mal weisen hölzerne Schilder auf kleine Freiluftgasthäuser hin, in denen frischer Tee und Kaffee angeboten wird und dahinter ruhen von dichtem Wald überwucherte Berge.
Die Sonne lacht, der Himmel strahlt blau und als wir die nächste Hügelkuppe überfahren haben, liegt er dann endlich wieder vor uns. Breit, sich behände windend, schlammig braun, beeindruckend…wir würden ihn mittlerweile von einigen anderen seiner Art wahrscheinlich unterscheiden können: Der gewaltige Mekong!

Wir halten Ausschau nach einem Abschied gebührenden Stellplatz, aber schneller als erwartet befinden wir uns in der nächsten Stadt, Houay Sai, von der aus regelmäßig Autofähren ans andere Flussufer, ins Nachbarland übersetzen. Dann soll es eben so sein; drüben würde sich später sicher noch eine Gelegenheit ergeben, einen Platz mit ähnlicher Aussicht genießen zu können.

Die Ausreise verläuft wie gewohnt zügig und der Mensch am Passschalter lässt uns nach einem grellen Aufschrei von Gaia, nachdem sie sich ihren Hut ganz tief ins Gesicht gezogen hatte, dann doch noch ohne einen Blick von ihr in seine kleine nette Kamera ziehen. Danach gönnen wir uns einen letzten thailändischen Papayasalat (allein deswegen müssen wir irgendwann wieder kommen!), bevor wir auf der matschigen Auffahrt zur geräumigen Fähre anstehen. Das Ticket kostet pro Fahrzeug stolze 30 Euro und diesmal nicht nur für Touristen; da hilft auch das Bezirzen der etwas ruppigen Lady in der kleinen „Tickets“-Holzbaracke nichts. Doch auf der anderen Seite lacht Laos schon und so lachen auch wir und nehmen Anlauf. Wolfgang muss aufpassen, dass er Morpheus auf den letzten Metern Thailand nicht im Wasser versenkt und dann gleiten wir auch schon ganz geschmeidig ins nächste Kapitel.

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Im Goldenen Dreieck

Weiter geht’s in Windeseile nach Chiang Rai, wo ich dem Public Hospital einen kurzen Besuch abstatte und mir dann gleich nach Betreten eines riesigen Saales, in dem offensichtlich schwer Kranke in behelfsmäßigen Betten zwischen wartenden Frauen, Männern und Kindern abgestellt worden sind, etwas fehl am Platze vorkomme. Das Krankenhaus ist hoffnungsvoll überfüllt und die Angestellten scheinen ihren Aufgaben zumindest zeitlich nicht mehr nachkommen zu können. Ich bin hier wegen Grippesymptomen, um sicher zu gehen, Halsschmerzen und Husten würden sich die nächsten Tage von selbst wieder verabschieden…Dank meines deutschen Passes werde ich prompt zu einer Ärztin vorgelassen und nach dem üblichen Blutdruck und Fieber messen, bestätigt diese nach einem Blick in meinen Hals, meine anfängliche Vermutung. Das erledigt sich von selbst! Ich frage trotzdem nach einer Blutuntersuchung, weil ich für die Himalayaüberfahrt ganz sicher gehen will, dass ich zu 100% einsatzbereit bin, woraufhin sie mir antwortet: “Sehen sie die Menschen da unten, die warten alle auf eine Blutuntersuchung und zwar nicht zur Prävention.“ Ich könne mich also anstellen, wenn ich wolle, oder aber zu einem privaten Arzt gehen, was aber ihrer Meinung nach nicht nötig wäre. Diese Aussage stellt mich zwar nicht gänzlich zufrieden, aber wäre ich jetzt zum Beispiel in Deutschland und stünde nicht vor einer solch großen körperlichen Belastungsprobe, wäre ich über einen dementsprechenden Arztbesuch sehr erfreut!
(An dieser Stelle wollen wir uns einmal ausdrücklich bei unserem deutschen Allgemeinarzt dafür bedanken, dass er sich, wann immer wir um seinen Rat baten Zeit zum Zuhören hatte und uns hilfreich zur Seite stand! Liebe Grüße!)

Tja und so fahren wir also fast gesund, aber bestätigt genesend und voller Vorfreude in Richtung Goldenes Dreieck. Pünktlich zu Mathias Geburtstag treffen wir ihn wieder und passend zum Anlass findet sich noch einmal ein traumhaft versteckter „Wasserfallplatz“, wo wir unter einem alten Baum mit wunderbar gelben Blüten auf einer saftig grünen Wiese ohne Müll und Scherben barfuß herum toben können und uns die Schreie der Gibbons, gar nicht so weit weg im Urwald in den Schlaf wiegen. So weit nördlich ist es noch ruhig und friedlich, nicht viele Rucksack-Touristen wissen überhaupt, dass man per Fähre nach Laos einreisen kann.

Als Gaia und ich uns am nächsten Morgen ganz früh auf die Socken machen, um die ersten Sonnenstrahlen durchs Dickicht auf das glasklare Wasser fallen zu sehen, treffen wir auf burmesische Waldarbeiter, von denen einer auf uns zukommt und uns lächelnd ein welkes Blatt überreicht, auf das, wie von Elfenhand hinein gezaubert eine blühende Blume zu sehen ist…was für ein Abschied!

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Ein einsamer Cowboy und zweierlei Geschichten

In Lampang, ca. 100 Kilometer vor Chiang Mai legen wir einen letzten, kürzeren Zwischenstopp ein. Es dauert eine Weile, bis wir aufgrund des aufgeweichten Bodens einen annehmbaren Platz finden. Die ersten Häuser der Stadt sind schon in Sichtweite, da tut sich links der Straße ein schlecht geteerter Weg auf, der ins Grüne zu führen scheint. Der 7. Sinn zum Aufspüren von netten Stellplätzen zwingt Wolfgang sofort zum Abbiegen. Am Ende der Strecke erwartet uns ein wahrer Vorstadttraum, umrahmt von Hecke und hohen Bäumen, inklusive Wiese, „Geisterspielhaus“ und genügend Auslaufmöglichkeiten. Genau das Richtige also, um ein letztes Mal vor China durchzuwischen und eine neue Dunstabzugshaube einzubauen…(eigentlich wollten wir einfach nur relaxen und Kraft schöpfen!)

Loch im Morpheus

Gaias Ballon

Die Zeit lässt sich nicht anhalten und kurz nachdem Putzlappen und Akkuschrauber weg gepackt und die Spiel- und Bastelsachen wieder verstaut sind, biegt der große Wasserblaue auch schon wieder auf die Hauptstraße ein. Wir schauen noch schnell im „Supermarkt“ vorbei, um einen ausreichend großen Käse- und Konservenvorrat für alle Fälle anzulegen, Wolfgang unterzieht sich einem Check-up beim Doktor, um sicher zu gehen, dass die anhaltende Schwellung einer seiner Lymphdrüsen keine ernsthafte Erkrankung bedeutet und dann geht’s auch schon stadtauswärts. Als wir noch vor einem Baustoffhandel anhalten, um nach einem speziellen Anti-Schimmel-Holzlack zu suchen, von was man hier noch nie etwas gehört hat, kommt Wolfgang ins Gespräch mit einem einsamen Cowboy. Dieser hatte sich einst in die USA aufgemacht, um nach 30 Jahren als Straßenkünstler doch wieder in seine alte Heimat Thailand zurück zu kehren. Das hört sich spannend an und deshalb nehmen wir seine Einladung zum Mittagessen in den Freiluftimbiss seines Freundes auf der anderen Straßenseite an.

Dort kocht die Frau von Lung uns nicht nur ein wunderbares Essen, sondern wir erfahren auch ein wenig aus seiner Vergangenheit und der seiner chinesischen Frau. Lung hat sogar ein paar deutsche Sätze auf Lager , die er vor Jahren von seinem deutschen Chef in einer Firma, die Düngemittel irgendwo im Nahen Osten herstellte, aufgeschnappt hatte. Er glänzt mit: „Verdammt noch mal!“ und „Macht doch nix!„ und wir lachen darüber mit ihm. Und weil er an diese Zeit offensichtlich nur positive Erinnerungen hat und er sich so darüber gefreut hatte, dass er einen Blick in unser „Lot Ban“ werfen durfte, bekommen wir zum Abschied noch so viel leckeres Essen und flaschenweise Wasser zum Mitnehmen eingepackt, dass wir die nächsten zwei Tage davon zehren können. Der einsame Cowboy aber war so schnell wieder verschwunden, wie er aufgetaucht war und nur der letzte Satz, den er uns weise lächelnd mit auf den Weg geben wollte, lag noch in der Luft: „Wenn du es wirklich willst, kannst du alles schaffen!“ (Sehr amerikanisch ausgedrückt, aber ja, so sehen wir das auch. 😉

Lungs Restaurant I

Lungs Restaurant II

Augen auf und durch

Und nun Augen auf und Luft anhalten, denn es geht einige hundert Kilometer weit zum guten, alten Mekong und darüber hinaus, bis ans laotische Ufer.

Somit wären wir wieder mittendrin; Thailand IV : Klappe : die Letzte.

Bei Einreise bekommen wir eine fünfzehntägige Aufenthaltsgenehmigung in den Pass eingestempelt, was genügen dürfte um eine Strecke von rund 1500 Kilometern auch mit eventuellen Verzögerungen zu bewältigen. Die Crew ist guter Dinge und wir können es kaum erwarten, dass die Anzeige auf dem Thermometer endlich wieder unter 3o Grad sinkt und wir es uns bei prasselndem Feuer im Holzofen unter einer flauschigen, dicken Federdecke gemütlich machen können…

Obwohl…einige Gelegenheiten bieten sich im Norden des Landes dann doch noch, die uns gleichfalls wehmütig darüber stimmen, diesen uns mittlerweile so vertrauten Landstrich bald im Rückspiegel verblassen zu sehen.

Verkäuferin

Zwar können wir nicht mehr ausgelassen im warmen Salzwasser plantschen, oder über den Sand jagen, wie im touristisch geprägten Süden, aber dafür verabschiedet sich endlich das Schimmelproblem, man kann nachts aufgrund des angenehmen Klimas durchschlafen, vor berauschenden Wasserfällen meditieren, die Sicht auf und vom Berge bewundern, frisch geerntete Karotten naschen und sich noch mal so richtig mit Papayasalat und „Pad Thai“ den Bauch voll schlagen. Die Menschen hier sind weniger geschäftstüchtig, als wir es bisher von Thailand kannten, hier lässt man sich noch von der Geschichte einer langen Reise mitreißen…

Träumerein am Wasserfall
Reisernte

Nordthailand

So grün?

Von Hochwasser ist auf der ganzen Strecke abgesehen von einigen Pfützen in den Reisfeldern nichts mehr zu sehen. Nur der Fernsehapparat, der in jedem Haus und jedem Bretterverschlag von morgens bis abends vor sich hin plappert, zeigt unentwegt Bilder der Katastrophe.

Aktuelles!

04.11.2011, Chiang Rai, Nordthailand- Volle Kraft Voraus!

Wie man es den Medien und Berichten der Leute hier entnehmen kann beschränkt sich die Überschwemmungskatastrophe auf den Großraum Bangkok. Wir sind also durch und werden in 4 Tagen die Grenze nach Laos passieren. Pünktlich …

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