MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Kategorie-Archiv: 2011/12 Tibet

Grenze China Nepal

Ein Bild vom Dalai Lama

Zurück auf 2400 Höhenmetern, auf einem schäbigen Hinterhofparkplatz im Städtchen Zhangmu, wohlgemerkt dem einzigen der ganzen, sich über einen steilen Hang erstreckenden Ortschaft, indem sich ein Haus ausschließlich direkt ans nächste reiht, endet unsere Reise durch das Autonome Hochgebirgsgebiet Tibet. Gaia erholt sich zurück in tieferen Lagen relativ zügig von ihrer Erkältung und wir kommen langsam wieder auf klare Gedanken.

Bereits am Morgen nachdem auch Mathias und der Guide eingetroffen sind, stehen wir ausreisebereit vor der chinesischen Zollabfertigung, einige Kilometer weiter bergab.
Erneut lässt man uns einen geschlagenen Tag wegen „fehlender Schriftstücke“ vor verschlossener Schranke warten. Da sich glücklicherweise nur unser Reisebegleiter diesem Problem widmen muss, können wir uns ein letztes Mal am Genuss original zubereiteter Momo-Suppe erfreuen und anschließend das geschäftige Treiben zwischen den Grenzen verfolgen.

Unzählige Sherpa, das sind Angehörige einer Volksgruppe, die ursprünglich im Osten Tibets beheimatet waren, aber aufgrund von Verfolgungen bereits um 1500 in die Region Solu-Khumbus im Norden Nepals abgewandert sein sollen, befördern kistenweise Waren von einer Seite auf die andere. Spezifisches Wissen und ganz besondere Eigenschaften die den Sherpa zugeschrieben werden, wie die gute körperliche Anpassung an extreme Höhen, eine hohe Belastbarkeit, der traditionelle Umgang mit den Hochgebirgsrindern im Einsatz als Lastentiere und die Kenntnis von Höhenwegen, sowie ein friedfertiges Gemüt verhalfen ihnen bereits seit den Anfängen der europäischen Himalaja-Expeditionen zu Beginn des letzten Jhdts. zu einem Ruf als ausgezeichnete Hochgebirgsträger, Bergführer und Kundschafter. Der wohl bekannteste Vertreter des Bergvolkes war Tenzing Norgay, dem am 29. Mai 1953 zusammen mit Edmund Hillary die Erstbesteigung des Mount Everest gelang.

Sherpafrau

Sherpafrau

So weit, so gut, die Zeit verstreicht und irgendwann dürfen auch wir durch den Passschalter und anschließend, aber erst, nachdem 24 entgegenkommende Laster, naja sagen wir mal relativ zügig inspiziert wurden, bei den Kontrolleuren vorfahren. Ihr ganzes Interesse beschränkt sich im Wesentlichen auf eine knappe Frage: „Besitzt ihr ein Bildnis vom Dalai Lama?“ Wir beantworten diese Frage mit „Nein“ und nachdem diverses Leseequipment, angefangen bei Mathias Koran und aufgehört bei einem Märchenbuch von Gaia, auf dessen Cover die Zeichnung eines „typischen“ Chinesen nach europäischer Vorstellung abgebildet ist, wäre auch unsere Strapazierfähigkeit an die Grenzen gelangt und so nah am „rettenden Ufer“ entrutschen mir dann doch noch einige … Anmerkungen.

Und weil die Dinge wie so oft auf fantastische Art und Weise miteinander verwoben sind, erwartet uns im ersten einheimischen Lokal in Kathmandu dieser wunderbar erfrischende Anblick, als ob uns das Schicksal zuschmunzeln und einen bescheidenen Hinweis geben wollte…

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Ein Bild vom Dalai Lama

Ein Bild vom Dalai Lama

Jetzt haben wir übrigens eines!

Die letzten Meter

Alternative Kochmethode

 

Surreale Landschaft

 

Steppeneis

 

Offroad

 

Tibetischer Reiter

 

Himalaja-Umgeben von 8000ern

 

Ein Hauch von Nepal

Mount Everest Base Camp

Nahe dran und doch vorbei

In der Stadt Lhatse verlässt uns der symphatische Guide Tony aufgrund einiger unglücklicher Entwicklungen. Die allgemeine Stimmung ist leicht angespannt und Gaia zeigt erste Grippesymptome. Sie ist sehr anhänglich, still, verschleimt, hustet andauernd und verweigert ihr Trinkwasser, was hier oben von immenser Bedeutung ist. Wir stellen fest, dass es uns langsam reicht! Die ständige Fahrerei, der Zeitdruck, die Höhe, das Übernachten in den Städten und das Alles jetzt auch noch mit einem kranken Kind – wir wollen langsam wieder runter und raus aus den Zwängen.

Ein „frischer“, tibetisch stämmiger Guide steigt gleich am kommenden Morgen zu, der auf uns einen äußerst kompetenten und ebenfalls netten Eindruck macht. Sein Name ist mir an dieser Stelle aber irgendwie abhanden gekommen…Als nächstes Highlight steht der Besuch des Mount Everest Camps auf 5200 Metern, am Fuße des höchsten Berges der Erde auf dem Tourplan.

Doch zuerst bezwingt Morpheus den höchsten Pass der Route (5280m), auf dem es viel zu windig zum Aussteigen ist. Doch schon einige Kilometer bergab, gerade als sich das sehr charakteristische Profil eines bestimmten Gipfels gegen den Himmel abzeichnet, gehen wir zum Bewundern mit einer dick eingemummelten Gaia vor die Tür. Das ist es jetzt also, ja ein irgendwie erhebendes Gefühl, von Angesicht zu Angesicht mit dem Mount Everest….und in diesem Moment entscheide zumindest ich, dass wir uns die holprige Piste dort hinauf ersparen werden.

Es folgt eine äußerst anstrengende Nacht in Neu Tinggri, in der wir fast kein Auge zu bekommen, weil sich Gaia vor lauter Schleim im Hals nun zusätzlich auch noch übergeben muss, um diesen auszuscheiden. Sie fühlt sich weder im warmen Laster, noch außerhalb im bissigen Wind wohl und weint fast ununterbrochen. Als der Guide das mitbekommt, ist er davon überzeugt, dass sie in diesem Zustand jetzt zusätzliche Probleme mit der Höhe hat und er bringt uns „Trinkies“ und eine Miniatursauerstoffflasche vorbei. Die beschert uns anschließend zumindest einige Minuten lang Lachsalven.

Und was wir anschließend nicht zu Träumen gewagt hätten passiert, der Guide übergibt uns sämtliche Kopien der erforderlichen Durchfahrtspapiere und schickt uns allein auf den Weg in Richtung chinesisch nepalesische Grenze, die in 160 Kilometern auf nurmehr 2800 Metern liegt und macht sich allein mit Mathias an die abenteuerliche Auffahrt!
Frei?!

Neu Tinggri

Gyangze ∙ Xigaze ∙ Lhaze

Der Kumbum von Pelkhor Chörten

Eine weitere Nacht auf rund 4000 Metern wäre mit Hilfe eines gemütlich vor sich hin prasselnden Feuers gut überstanden und wir machen uns gleich nach dem Aufstehen zu Fuß in Richtung des Pelkhor Klosters in Gyangze auf. Die frische Morgenluft schmeckt nach Feuerholz, die ersten Holztüren der Steinhäuser werden gerade einen Spalt weit geöffnet, schwere Baumwollvorhänge mit den Applikationen des Endlosknotens beiseite gerückt. Einige räudige Straßenköter liegen noch faul im Licht der ersten Sonnenstrahlen um die Ecke und begrüßen den Tag mit einem großen Gähnen.

Tibetische Straßenhunde

Frauen mit nach hinten geflochtenen langen schwarzen Zöpfen, die mit Türkisen und Korallen herrlich geschmückt sind, schlendern in ihren typisch tibetischen, bunt gewebten Überschürzen vor uns die Gehsteige her und dort, wo der Bereich um die Eingangspforten bereits etwas aufgewärmt ist, sitzen Männer mit Fellmützen, oder roten Bändern im Haar und schlürfen genüsslich den ersten Yakbuttertee des Tages.

Tibeterin in Gyangze

Auf dem alten Pflaster begegnet uns ein Mehlverkäufer, der seine Ware sackweise von einem Eselskarren herunter verkauft und wir halten kurz ein, um sein festlich geschmücktes, kleines graues Pferdchen eingehender zu betrachten.

Mehlverkäufer

Vor den weit geöffneten, einladenden Toren des Klosters werden soeben die Verkaufsbuden eingeräumt, in denen der interessierte Besucher später Milchtee, Gebäck, Gebetsfahne, Räucherwerk, Mönchsgemälde und Cd`s mit meditativem Gesang erstehen kann. Nur ein Foto fehlt in dieser Szenerie…

Straße zum Pelkhor Chörten

Nach dem Drehen der Gebetstrommeln am Eingang betreten wir einen geräumigen, menschenleeren Innenhof, von wo aus schon der Gesang gedämpfter Männerstimmen aus dem Inneren eines großen, quadratischen Gebäudes direkt vor uns zu vernehmen ist. Also folgen wir den verlockenden Klängen und einer tibetischen Familie, die mit Thermoskanne und Butterleuchten als Mitbringsel bedächtig über die Schwelle schreitet.

Tibetische Gebetstrommeln

Im Hauptsaal sitzen an einer langen flachen Holztafel aufgereiht junge Mönche im Schneidersitz zu Füßen eines Bildnisses ihres Ordensführers am Boden. Sie tragen Bordeaux farbene Gewänder, die um ihre Leiber geschlungen sind und ockerfarbene Kappen, die ihre Zugehörigkeit anzeigen auf den Köpfen und der ein, oder andere schiebt sich während der Zeremonie noch schnell einen Happen Frühstücksgebäck in den Mund. Die das ganze Gebäude erfüllenden, kehligen Laute erinnern uns schwer an einzigartige Melodien aus der Mongolei, an die wir uns in Tibet schon häufiger erinnert fühlten und eine andächtige Stimmung lullt uns ein. Die Luft ist geschwängert vom Duft schweren Räucherwerks und wir begeben uns auf die Reise durch die düsteren und faszinierenden Hallen, die sich um den Hauptsaal herum verteilen.

Hauptsaal Plkhor Chörten

Reise durch das Pelkhor Kloster
Reise durch das Pelkhor Kloster
Reise durch das Pelkhor Kloster

Beim Verlassen des Gebäudes schmerzen die Augen ein wenig beim Anblick des strahlend blauen Himmels und der Vorhof ist in der Zwischenzeit um einige einheimische Besucher reicher. Noch immer ist es jedoch andächtig still, nur gemurmelte Mantras dringen einem ans Ohr, das Schleifen der Gebetstrommeln, wenn man sie in Bewegung versetzt.

Der buddhistische Glauben der Tibeter geht einher mit fortwährender Bewegung. Die Gebete (Mantras) werden hörbar immer wieder rezitiert, Gebetstrommeln müssen gedreht werden, ob mitgeführt in der Hand, oder um spezielle Orte angeordnet und durch im Wind flatternde Fahnen sollen sich Segnungen über die Luft im ganzen Universum verteilen. An zahllosen Wasserläufen im Land stehen befestigte und beschriftete, große Trommeln nie still, gleich Wasserrädern…

Pelkhor Chörten

Direkt neben dem Haupttempel erwartet uns im Anschluss die mit Buddhas Augen in die Welt blickende, goldene 571 Jahre alte Stupa, der Kumbum, der 4 Etagen umfasst, in denen 108 Kapellen untergebracht und 10 000 Wandbilder zu betrachten sind. Ein beeindruckendes Kunstwerk! Weiße Tauben umkreisen den Turm, Betende werfen sich vor einem kleinen Feuer vor dem Eingang nieder, eine Frau mit einem kleinen Kind dessen Hand starke Verbrennungen aufweist, kommt auf uns zu und klagt ihr Leid.

Der Kumbum von Gyangze

Auf eine Gruppe Menschen, die das Heiligtum verlässt, folgt ein Mönch, der ein Bündel Geldscheine zählt, um anschließend die Bettelnden zu vertreiben. Das vermittelt keinen sehr überzeugenden Eindruck, denn einem Mönch ist weder das eine, noch das andere gestattet. Aber wahre Überzeugung und innige Verbundenheit haben wir in Tibet auch nicht im Innern eines Tempels, oder bei den „Verantwortlichen“ gefunden, sondern überall anders. Angeblich soll die Eingliederung der Klöster, die Anpassung der Mönche mit der Zahlung eines nicht unerheblichen Gehalts funktionieren…

Tashi Delek

„Emancipate yourselves from mental slavery
None but ourselves can free our minds
Have no fear for atomic energy
Cause none of them can stop the time
How long shall they kill our prophets
While we stand aside and look
Some say it’s just a part of it
We’ve got to fulfill the book
Won’t you help to sing, this song of freedom…“(Bob Marley)

Lhasa

In der Stadt der „Götter“

 

Lhasa-Gott? oder Aggressor!

 

Lhasa-Jokhang-Tempel

 

Lhasa-Kritisch

 

Im Kreislauf um den Jokhang Tempel

 

Lhasa-Gong zum Gebet

 

Lhasa-Teestube

 

Lhasa-Mittendrin

 

Männerrunde

 

Hola was für eine Haarpracht

 

Lhasa-Ziel aller tibetischen Pilger

 

Lhasa-Potala Palast