MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Kategorie-Archiv: 2012/03 Indien

Rishikesh – Laxman Jula

Besuch vom Affen ohne Arme

Wolfgang wird zunehmend euphorischer. Rishikesh, eine der „aller“heiligsten Städte am Oberlauf des Ganges, wo das Wasser noch klar wie ein Kinderpo weich ist, wo einst schon die 5 bekanntesten Pilzköpfe Englands meditiert hatten, um von der Muse geküsst zu werden, rückt unaufhörlich näher.

Beatles - Ashram

Und schon ziehen wir daran vorbei, um noch ein Stück weiter flussaufwärts zwischen Sadhus, Babas, Yoga-Junkies, Erleuchteten, nach Erleuchtung strebenden, aufdringlichen Wochenendtouristen, kreischenden Wassersportfans und Ausgestiegenen auch unser Glück zu suchen. Über eine schmale, kurvenreiche Straße, vorbei an glotzenden Gibbonhorden, durch knorrigen, alten Laubwald und unterhalten von geradezu entschwebenden Pfauen erreichen wir die Zufahrt nach Laxman Jula.

Laxman - Jula

Es bedarf einiger zäher Verhandlungstaktiken, um den Dorfpolizisten an der Zufahrtsschranke zum Örtchen dazu zu bewegen unser Fahrzeug durch zu lassen und Morpheus dort zwischen Straße und Fluss abzustellen, wo er bereits vor 7 Jahren rasten durfte. Fast wie damals, nur etwas mehr Zivilisationsmüll, Unterhaltungsgeile und waghalsige, laut vor sich hin hupende Möchtegern-Straßencowboys ist, bzw. sind über die Jahre hinzu gekommen.

Stellplatz oberhalb des Ganges

Der Muell rundherum

Nach einem ausgiebigen, kühlen Bad in Ganga und bevor wir so richtig ins bunte Treiben ein paar Meter die Straße abwärts einsteigen können, bekommt Gaia Fieber, Husten, Schnupfen und wird von uns mit allen möglichen Tricks ans Bett „gefesselt“. Die einzige Chance auf 100% Genesung in kürzester Zeit. Den täglichen Unruhestiftern – mal meint eine übergewichtige indische Dame, sie müsse auf der Stoßstange fürs Fotoalbum posieren, die üblichen Frager, nach Herkunftsland, Reisedauer, Wo war`s am schönsten?, oder übermütiges Kicken gegen die „riesigen“ Reifen – begegnen wir zuerst noch mit verbalen, rüden Überraschungsattacken, doch irgendwann stellen wir fest, am Zeit und Energie unaufwendigsten sind Ignorieren, oder „Einer stellt sich“.

Inspirationen

Wie dem auch sei, nach 3 Tagen in Isolation (zumindest für Gaia und mich; Wolfgang versorgt uns mit Lebensmitteln und Unterhaltungsstoff aus Dorf und Internet) geht’s gesundheitlich wieder steil bergauf  und der „Strand“ einige Schritte entfernt schreit erneut nach unserer Aufmerksamkeit.

Gaia beim schoepfen

Wunderbar

Zwischendurch freuen wir uns jeden Nachmittag über ein bisschen Ablenkung der anderen Art, wenn die ansässige Affenbande auf ihrem Streifzug durchs benachbarte Abfallbeet direkt vor unserer Haustüre vorbei wandert. Irgendwie sind diese munteren Gesellen/-innen gar nicht so fürchterlich, wie der Ruf, der ihnen voraus eilt und traut sich doch mal einer bis über die Türschwelle…Krach machen!

Mit der Zeit lernen wir sie unterscheiden – die alten, behäbigen Damen, völlig desinteressiert an Unsereins, die immer nur kurz verweilen, um etwas Fressbares aufzulesen; die neugierigen, jungen Affenmütter, die stundenlang stillend vor dem Eingang kauern und das blaue Ungetüm von hinten bis vorn bewundern; keckernde Jungtiere, die von einem Ast zum nächsten fallen,…

Schau mal...

Agro

Vorsicht..

Gibbons sind auch da...

und ganz besonders ein Teenager, der uns auf zwei Beinen entgegen kommt. Ansonsten gepflegt, gut genährt und selbstbewusst, fehlen diesem Affen beide Unterarme, was ihn zum aufrechten Gang und zu einem Leben am Boden verurteilt. Wir werfen ihm ein paar Apfelstücke hin und staunen, wie selbstverständlich er die kleinen Präsente zwischen die Armstummel nimmt und herzhaft zubeißt. „Vorsicht Affe!“ – eine kurze Drohgebärde und schon ist der Konkurrent in die Flucht geschlagen. Unser neuer Freund hat Durchsetzungskraft und scheint berüchtigt zu sein. Jeden Abend warten wir nun, dass er sich vielleicht wieder blicken lässt, um vom besten Platz der Gegend aus die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu verabschieden.

Durchsetzungsvermoegen ist gefragt...

ALL WE NEED IS LOVE

     

 

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Auf dem Weg nach Haridwar

Mit den Ellbogen gefahren

Dummerweise entscheiden wir uns nach einem Tag plus in Delhi, um noch etwas mehr Zeit mit unserer Freundin Magda verbringen zu können, ausgerechnet am Wochenende (noch dazu feiertags) dazu gemeinsam mit ein paar Tausend anderer Naturhungriger in die Berge, nach Haridwar und Rishikesh zu fahren.

Nach 10 Uhr Vormittags (wir waren bereits frühzeitig gegen 6 Uhr aufgebrochen, um der morgendlichen Rushhour zu entgehen) beginnt das große Rennen der Besserverdiener um einen „Platz am Busen von Ganga“ und wir kommen zwangsläufig in den zweifelhaften Genuss die Bekanntschaft mit dem „Ellbogen-Fahrverhalten“ der Großstädter machen zu dürfen. What a mess!

Sobald der Verkehr auf einer der Größe nach mit einer deutschen Landstraße zu vergleichenden Strecke auch nur ein wenig ins Stocken gerät, verschwindet die gegenüberliegende Fahrbahn im Nirgendwo, weil sich aggressiv hupende Kleinwagenlenker links und rechts von uns versuchen auch noch durch die allerkleinsten Nischen zu zwängen. Am Ende langt der Platz für 5 Spuren extra in unsere Richtung, von Restaurant auf der einen bis zur Autowerkstatt auf der anderen Seite.

Dieses rücksichts- und hirnlose Verhalten führt bei 38, 5 Grad Celsius im Schatten und 45 Grad im Auto sehr bald dazu, dass gar nichts mehr geht – weder vor- noch rückwärts und wir beobachten nun zugegeben nicht ohne zu schmunzeln, wie es in dieser „Straßen-Soap“ zu den ersten Rangeleien wegen Fahrzeugschrammen kommt. Fast besser als Kino, säße man nicht selbst Schweiß triefend mittendrin!

Doch kaum zu glauben, aber wahr nach nur eineinhalb Stunde beginnen Zivilbeamte und Militaristen damit bewaffnet mit Maschinenpistole, oder Holzknüppel vorerst eine Spur zu räumen und zwei Schwertransporter auf der Gegenseite durchs Chaos zu schleusen. In der Zwischenzeit hatte sich ein drahtig Uniformierter erdreistet auch bei uns mit dem Holzknüppel ans Blech zu hämmern, was mich dazu veranlasst den nächsten, der sachte anklopft und uns bittet zu den anderen Lastkraftwagen ganz nach links abzudrehen, anzubrüllen, wir kämen aus einem Land, in dem man es verstünde zivilisiert am Verkehrsgeschehen teilzunehmen und würden hier gerade dafür sorgen, dass keiner mehr an uns vorbei komme…Immer diese Aufregung – eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen mich etwas zurückzunehmen…darüber hinaus ist unmittelbar vor uns jetzt auch Land in Sicht.  Etwas schneller als erwartet, reihen sich die vermeintlichen Könige der Landstraße gleich leicht lädierter Perlen auf einer Kette, gesittet Süd-, bzw. Nordwärts ein.

Sehr gut. Das meint unsere geplante, abendliche Puja im Ganges zu Haridwar wäre gerettet. 

Ganges

 

Ein starker Strom

 

Haridwar

Mit der Motorrikscha in der Innercity

Delhi. Nehru Park. Mitten im Diplomatenviertel. Gegenüber der Pakistanischen Botschaft. Eine Anlaufstelle, die man sich merken sollte, sollte man sich je überland hierher begeben haben und nach einem netten Plätzchen Ausschau halten.

Als wir am späten Nachmittag, nach einem weiteren, langen, heißen, fahrintensiven Tag durch die „Menschenwüste“ Indiens hier ankommen, sind wir beinahe fassungslos. Eine belebende Oase in der „Oase“ Großstadt. Gaia springt fast aus der Führerkabine und läuft barfuss und verschwitzt wie sie ist über die unnatürlich saftig grün strahlende Wiese, wobei sie immer wieder: „Mamiii, eine Wiese, komm schnell!“ ruft. Den Hügel hoch, den Hügel runter, Grashalme ausrupfen, an riesenhaften Blüten schnuppern, im Schatten hoher Bäume sitzen, durchatmen, abendliche Spaziergänger schnattern knipsend vorbei – egal;

Was für ein Luxus!

Mehrere saubere, öffentliche Toiletten und Duschen(!) nur einige Schritte entfernt, Warenmarkt mit „Westprodukten“ in 5 Minuten mit dem Rad erreichbar und in die Innercity gelangt man am bequemsten mit einer Motorrikscha, jedes Mal auf anderem Weg und wenn man Glück bei der Auswahl des „Rikschawallah“ hatte auch ohne mitbremsen zu müssen.

 

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Love the World

Von kurz vor Agra bis Delhi befinden wir uns in der netten Begleitung von Iris und Roland aus den Niederlanden, die, wie es der Zufall so will, bereits am zweiten gemeinsamen Tag bei der Reparatur einer von Morpheus Hinterradfelgen mit anpacken dürfen 😉 Thanks!

Die beiden sind seit August letzten Jahres im Dachzelt ihres ebenfalls „historischen“ Toyota Landcruiser „daheim unterwegs“ und über Land von Europa aus, durch die Türkei, den Iran, Pakistan bis nach Indien und Nepal gefahren. Von dort aus soll es bald weiter nach Bangladesh gehen, wo eine Fähre ihr Reisemobil sicher über den Indischen Ozean an die Küste Südostasiens transportieren soll. Mehr Lesestoff hierzu gibt`s hier…

Viel Glück für euch und weiterhin eine abenteuerliche Reise! See you!  

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Agra

Das Red Fort von Agra und das sagenumrankte Taj Mahal

Eine Erzählung in Stein von Toleranz und Liebe

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