MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Kategorie-Archiv: 2012/07 Russland Ukraine

Willkommen im Westen!

1. Teil : Russland, Ukraine

Wie erhofft bekommen wir die Transitvisa für Russland in Oralsk und überrollen kurze Zeit später nach langer, langer Zeit wieder die Grenze zwischen Asien und Europa, die irgendwo auf diesem Längengrad verlaufen soll. Dort, wo sich einst schon lange vor und wohl auch noch nach der Ära des Kalten Krieges eine ganz klare ideologische Grenzlinie ziehen ließ, unterscheidet sich dieser Tage, zumindest oberflächlich betrachtet nicht mehr all zu viel von dem, was wir vermeintlich hinter uns gelassen hatten.

Die Menschen, die wir beobachten – schwer beschäftigt in ihren modernen, anständig polierten Autos europäischer Herkunft, zwischen kürzlich sanierten Hochhäusern, auf frisch geteerten Straßen, in grell leuchtenden, schicken Kleidern, die sich nicht selten über anständige Wohlstandsbäuche wölben, wirken doch recht zufrieden. Megamärkte (Kommentar Gaia:“Mami, wieso gibt es hier so viele Einkaufswagen?“), Tankstellen wie Sand am Meer, Ordnung und Sauberkeit, Glück und Schönheit versprechende Riesenbanner der kapitalistischen Großindustrie – Marx und Lenin würden Augen machen (und wahrscheinlich ein paar Bilder per Mobiltelefon). Der Westen hat sich hier also im Gegensatz zum sibirischen Hinterland längst über seine imaginären Grenzen hinaus ausgedehnt, breit und lieb Kind gemacht.

Wie gesagt, oberflächlich betrachtet.

Als wir auf unserer relativ kurzen Fahrt durch Russland, von Saratov bis Belgorod anhalten und unser Freund Luca ein Grüppchen Hausfrauen beim Wochenendplausch fragt, ob wir bei ihnen die Wasservorräte wieder auffüllen dürften, lernen wir dieses Land noch einmal von einer anderen Seite kennen.

Die Meute ist nicht nur von den drei aufgeweckten Kindern begeistert, die aus den auffallenden Lastern springen und sich zielstrebig zur Wasserpumpe bewegen, um diese genauer unter die Lupe zu nehmen, sondern eben auch von Luca, der sich sofort als „Italiano“ outet. Das entlockt den Damen neben mädchenhaftem Gekichere auch Ausrufe der Begeisterung: „Aaah, Adriano Gelentano!“. Ja, auch unser Nachbarland Italien erfreut sich internationaler Bekanntheit, aber weniger aufgrund fragwürdiger Landsmänner namens Berlusconi und Mussolini, als vielmehr aufgrund kulinarischer Errungenschaften. Spätestens nach „Pizza“, „Pasta“ und wie wir jetzt wissen „Adriano Gelentano“ kommt fast jeder auf: “Aaah Italianski!“. Nett.

Die Kinder werden mit Bonbons und selbst gepresstem Kirschsaft versorgt, während ein paar schmachtende, leicht angetüdelte russische Damen um unseren italienischen Begleiter herum stehen und angeregt gestikulieren. Die Tanks füllen sich langsam.

In der Zwischenzeit rückt auch Wolfgang ins Gesichtsfeld der holden Weiblichkeit. Nachdem der Überredungsversuch ihm seine langen Zotteln abzunehmen jedoch scheitert, darf er wieder in aller Ruhe weiter warten und schmunzeln.

Und zum Abschied gibt’s ein fertig gekochtes Feierabendsüppchen mit auf den Weg und für Sameena die Fotografie des Enkelkindes einer der Frauen, die ihr unter Tränen an die Brust gedrückt wird…Ja, manchmal bleibt einem der tiefere Sinn einer Geste in einem anderen Kulturkreis verborgen, aber man sieht am besten mit dem Herzen, oder wie war das…?

Die Aussichten auf die Ukraine sind zuerst weniger prickelnd. Nicht nur dass man uns an der Grenze stundenlang in der heißen Sonne schmoren lässt, weil überlegt wird, wie man den „Deutschen“ angeblich wegen der kürzlich in Deutschland eingeführten Straßenbenutzungsgebühr am besten eins auswischen kann und es auf den Straßen vor korrupter Polizei wimmeln soll, nein, hier soll sich auch unser Weg von dem unserer Freunde wieder trennen.

Ein bisschen zögern wir nach erfolgreicher Überwindung der ersten Hürde, Grenze, das Unvermeidliche hinaus…noch einen Tag und einen weiteren, relaxen auf einer schönen lila-gelben Sommerblumenwiese, bevor die letzte thailändische Papierlaterne unsere guten Wünsche für die Zukunft hoch in den blauen Himmel trägt und damit das Versprechen auf ein baldiges Wiedersehen besiegelt.

Die Ukraine. Ein Meer aus Blumen, ein Naturparadies, mit frischer Milch zum Frühstück, Nacktbaden vorm Mittagessen und geschenkten Rosen zum Abendbrot!

Wir genießen so lange wie möglich. Gerüche, Geräusche, Eindrücke aufsaugen – für schlechtere Zeiten – vielleicht – vielleicht haben wir es an diesem Punkt der Reise aber auch geschafft, gar nicht mehr an schlechte Zeiten zu denken…Alles IST gut!

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