MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

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Russland Teil 1

In der Schlange bemerkt man sofort, dass einen ein kompetenterer Apparat erwartet.

Es wird immer  nur ein Fahrzeug mit Insassen zur Passkontrolle vorgelassen und anschließend beim Zoll vorgeführt; einschließlich Hundedurchsuchung („BORDER“-collie haha).

Nach ungefähr drei Stunden drücken wir uns an die Brust von Mütterchen Russland.

Die erste Nacht im einstigen, kommunistischen Mutterland lässt mich schon beinahe befürchten, meine schlimmsten Erwartungen würden bewahrheitet.

Nahe der Stadt Rubcovsk findet sich auf einer Wiese ein annehmbarer Übernachtungsplatz. Als es dunkel wird und wir unseren Begleitern gerade „Gute Nacht“ sagen wollen, zieht eine Gruppe Jugendlicher heran. Ihr lautstarkes Gebaren und der torkelnde Gang kündigen schon im Vorfeld eine anstrengende Begegnung an. Ich bin froh, dass Gaia ins Bett will und ich mich zurückziehen kann. Die Gespräche draußen drehen sich im Kreis. Wolfgang und Tom mühen sich mit ein paar Brocken Russisch ab und versuchen verständlich zu machen, dass sie keinen Wodka trinken wollen, keine Zigaretten haben und auch sonst eigentlich ziemlich müde wären. Das stößt jedoch nicht auf Verständnis und die Jungs werden nicht müde sie nach ihren Namen, „Adkuda“ („Wo kommst du her?“) und sonstigen unverständlichen Dingen zu fragen. Drinnen werde ich derweil ungeduldig. Ich drehe die Lichter aus und spekuliere im Dunkeln aus dem Alkovenfenster. Soll ich jetzt abfahrbereit machen, oder doch den Bogen spannen? Peinlicherweise fällt beim Abstieg nach unten der Korb mit dem dreckigen Geschirr um und das Getöse lässt die Stimmen draußen erst einmal verstummen. Leider nicht lang und schon geht`s lautstark weiter. Irgendwann wird es auch Wolfgang und Tom zu dumm und sie verabschieden sich. Jetzt hat Frank den Pöbel an der Backe. Erst als Gaia schließlich schreiend aufwacht, trollen sich die Nachtschwärmer endlich und wir sind eine Stunde damit beschäftigt unseren Sonnenschein wieder zu beruhigen.

Unsere anfänglichen Vorurteile werden in den kommenden Tagen jedoch nahezu vollständig widerlegt. Vordergründig meine, die wahrscheinlich hauptsächlich darauf gründeten, dass ich in der Deutschen Demokratischen Republik das Licht der Welt erblickt habe, wo die Menschen damals noch unter russischer Fremdherrschaft lebten. Russland bedeutete für mich immer: noch größere Plattenbausiedlungen, noch verrußtere Schornsteine, noch schlechtere Straßen und zu guter Letzt ein mürrischer Mann namens Ivan im Militärlook. Nicht umsonst hieß es bei uns früher: „Vorsicht die Russen kommen!“

Zuerst stellen wir zum X-ten Male auf Sommerzeit um, d.h. eine Stunde vorwärts, bevor wir uns auf der erstaunlich guten Teerstraße in Richtung Barnaul aufmachen. Soweit man schauen kann erstrecken sich riesige Felder links und rechts von uns. Immer wieder führt die Strecke durch kleine Ortschaften, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Schnuckelige Holzhäuser zieren hübsch angelegte Gärten, es sind Pferdegespanne unterwegs, freundlich lächelnde Menschen sitzen gemütlich auf Holzbänken und trotzen in Schürze und Gummistiefeln dem gängigen Mode 1×1.

Da man ungefähr 100 Kilometer nördlich der Grenze an keinem noch so schönen Platz vor unzähligen Mückenschwärmen sicher ist, geht`s zügig voran und schon am 17. Juli erreichen wir Bijsk. In kleinen Supermärkten und am Obst- und Gemüsemarkt findet man alles, was man zum Leben braucht. Importierte Waren sind unheimlich teuer, die Preise einheimischer Artikel vergleichbar mit deutschen Verhältnissen. 1 Liter Milch, 500g Brot, 1 Kilo Äpfel kosten jeweils ca. 1 Euro.

Trinkwasser auffüllen kann man immer wieder in Dörfern, oder Städten, an blauen Hähnen, die meist entlang der Hauptstraße aufgestellt wurden.

Zwei Russlandreisende Moskauer stellen sich vor, von denen einer, ein Fotograf, ununterbrochen Bilder schießt und der andere (habe die Namen leider vergessen) uns in feinstem Englisch mit Informationen überhäuft. Sie sind uns behilflich eine einheimische in Kyrillisch geschriebene Landkarte aufzutreiben, damit wir die Straßenschilder wenigstens einigermaßen entziffern können.

Noch am selben Tag fahren wir wieder stadtauswärts, um uns am Fluss nieder zu lassen, was jedoch in einem wahren Mückeninferno endet. Eine Sekunde außerhalb von Morpheus und man hat an sämtlichen Körperteilen die nervigen Blutsauger hängen. Gaia kann jetzt nicht nur „Mücke“ sagen, sie versucht sie sich auch schon wie Mama und Papa mittels Fächeln vom Leib zu halten. Selbst Frank bricht seinen Versuch die Biester mit Feuer und Rauch zu vertreiben, schließlich über und über zerstochen ab. Zum Glück schützten uns im Laster an Türe und Fenstern angebrachte Moskitonetze.

Hilft alles nichts, da muss eine längere Pause noch auf höhere Gefilde verschoben werden. Auf der M 52 kommen wir gut voran und den Gipfeln des Altais immer näher. Entlang des Flusses „Katun“ boomt der einheimische Tourismus. Hilft weiterhin nichts, da müssen wir auch noch dran vorbei, wenn wir nicht tot fotografiert werden wollen. Das Gebiet ist landschaftlich wunderschön! Ab Gorno-Altai verschwinden sämtliche Schwärme und wir ergreifen unsere Chance.

„Überbleibsel“

Erst vier Tage später kommen wir langsam wieder in die Gänge und bringen im Schritttempo den Seminsky Pass hinter uns. Nicht weit entfernt bietet sich der nächste paradiesische Platz an. Noch einmal zwei Tage in herrlicher Umgebung umherstreifen, dem Grillenkonzert und Flussrauschen lauschen und faul in der Sonne liegen. Ich werfe die Nähmaschine und Frank macht seiner alten Zinkbadewanne mal wieder Feuer unter`m Hintern.

Ein schrulliger, in die Jahre gekommener Eingeborener, der unter dem Vorwand angeln zu wollen, vorbei schaut, lädt Wolfgang und Matthias auf eine interessante Stunde Geschichtsunterricht in sein Domizil ein.

Am 25.Juli fahren wir ein Stück gemeinsam weiter, über den Chike-Tamanpass ins Yellowman Hanftal.

Aktuelle Infos

Neben Wiesen voller Edelweiß, das hier übrigens das gleiche ist, wie das bei uns heimische, bietet ein günstiges Klima auch beste Wachstumsvoraussetzungen für sonstige Gräser und Farne. Neben dem urigen Dörflein Bolshoy lassen wir uns nieder und im herumliegenden Schrott sind wahre Spielschätze versteckt. Nur das Aas, das die wilde Abraxas ständig anschleppt und vor unseren Augen zerfleddert trübt ein bisschen die Romantik.

Im Dorf erwartet uns eine betrunkene Hochzeitsmeute, die sogleich die üblichen Fremdwortkenntnisse vorbringt, als sie erfährt, dass wir Deutsche sind. „Geil Gitler“, oder „Hände hoch, oder ich schieße“, gehört anscheinend zum Standardrepertoire, dass man sich durch alte Sowjetfilme angeeignet hat.

Schrottplatzromantik

In Aktash lernen wir Tags darauf Vater und Sohn aus der Schweiz kennen, die drei Wochen mit einem Tandem?rad durch den Osten Russlands fahren. Wir sind schwer beeindruckt, da Cedric erst sieben Jahre alt und dies nicht seine erste Tour ist. Ein Jahr zuvor radelten die beiden beispielsweise bereits durch Japan. Alle Achtung! Gaia und ich bekommen diesen Nachmittag ein tolles Unterhaltungsprogramm von Cedric und sind begeistert von der aufgeschlossenen Art des kleinen Sprachtalents. Ich denke, sie hätte jetzt gern einen größeren Bruder…na man trifft sich bekanntlich immer zweimal im Leben!

Wir schaukeln an diesem Abend noch 40 Kilometer voran, um Thomas, Sabine, Emma, Paula, Tom und Heike zu treffen. Die Landschaft erscheint im letzten Sonnenlicht fast unwirklich. Es nieselt von Zeit zu Zeit und wir folgen mehreren Regenbögen. Die Entfernungen, die man überblicken kann, scheinen immer größer zu werden und Nebel, der aufzieht gibt dem ganzen Schauspiel ein zusätzliches, mystisches Flair

Gleich am nächsten Vormittag beginnen die letzten Vorbereitungsarbeiten. Die Lkws sollen für die bevorstehenden 1700 Kilometer Piste gut ausgerüstet sein. Wolfgang stellt zusammen mit Thomas die Ventildeckel zuerst bei „Morpheus“ und anschließend bei „Paula“ ein. Nachmittags widmet er sich mit Frank dessen Seilwinde, die für eventuelle Rettungsmanöver einsatzbereit sein muss. Gaia und ich genießen derweil die Natur und bereiten uns „mental“ auf eine anstrengende Zeit vor.

Am 28.07. feiern Thomas, Emma und Paula 30sten, vor4ten und 2ten Geburtstag.

Leider lässt sich die Sonne anfangs nicht blicken und über Nacht sind die Temperaturen so weit gefallen, dass die umliegenden Berge schneebedeckt sind. Also wird das gemeinsame Frühstück im Praschelschen Zuhause aufgetischt. So ein Ansturm zwingt die Platt-Federn zwar etwas in die Knie, aber jeder kann sich setzten und hat`s kuschelig warm.

Später wird`s wärmer und die Aktivitäten können nach draußen verlegt werden. Mit Holzpflockschmeißen?, Topfklopfen, Kasperltheater und Stockbrot am Lagerfeuer ist Einiges geboten, was Kinder- und Erwachsenenherzen höher schlagen lässt.

die „Kleenen“

Bereits am nächsten Tag legen wir die letzten Kilometer zur russisch-mongolischen Grenze zurück. Unterwegs können wir direkt an der Straße an einer reich mit Wunschbändern geschmückten Quelle die Wasservorräte auffüllen. Nun sind wir schwer beladen. Alle Vorratsboxen sind voll bis unter den Rand, 900 Liter Diesel befinden sich in den Tanks, 160 Liter Trinkwasser und 300 Liter Brauchwasser sind an Bord.

Mongolei, wir kommen!

letzte Trinkwasserquelle in Russland

Russischer Altai

Mongolei Teil 1 – Unter Nomaden!

Am 30.Juli reisen wir in die Mongolei ein.

Erwähnenswert ist, dass man als Fußgänger-, bzw. Fahrradfahrer die Grenze hier bei Aktash nicht passieren kann. Außerdem stellt sich heraus, dass wir uns in Russland hätten registrieren lassen müssen. Bis dato sind wir davon ausgegangen, diese Regelungen wären bei Individualreisen aufgehoben worden. Da wir aber nicht die Ersten zu sein scheinen, bei denen dieses Problem auftritt, gibt`s gleich einige Meter vor dem russischen Grenzposten eine Einwanderungspolizei, wo man uns entsprechende, abgestempelte Zettel in die Hand drückt und die Sache ist erledigt.

Ca. 35 Kilometer Niemandsland trennen Russland von der Mongolei. Die Spannung steigt. Was erwartet uns im am dünnsten besiedelten Land der Erde?

Werden wir finden, wonach wir gesucht haben? Was suchen wir eigentlich?

Wolfgang verwechselt die ersten Yaks, die wir in der Ferne sichten mit Hunden, weil sie genauso mit ihrem buschigen Schwanz wedeln können.

Leichte Irritation, als zwei Jungen von uns vor dem Tor zur mongolischen Grenzabfertigung Geld für die Desinfektion des Autos verlangen. Ferienarbeit, oder was? A propos, die Jungs und Mädels hier haben ganze drei Monate Sommerferien!

Wo sind denn jetzt die Jurten?

Zu Beginn macht die Piste noch einen recht passablen Eindruck.

Der moderne Nomade fährt Motorrad.

Noch am selben Abend machen sich vier Laster auf den Weg nach Bayan Ölgiy, der Hauptstadt des mongolischen Altai. Diese Strecke lässt bereits erahnen, auf was wir uns die nächsten Wochen einstellen können: wackelige Sandpisten und keine Orientierungshilfen, außer dem Stand der Sonne, aber um uns herum entblättert sich eine einzigartige Natur. Es wuselt nur so vor Murmeltieren, Zieseln und sonstigen Nagern und Insekten.

„Warme Ware“. Rohmaterial für die gefilzten Jurtenwände.

Wir haben einen strengen Zeitplan, da das Einzige, was wir sicher über die Mongolei wissen ist, dass wir 1700 Kilometer unbefestigte Straße vor uns liegen haben. Sollte es die kommenden Tage zu Schlechtwettereinbrüchen kommen, müssten wir uns durch Schlammpassagen kämpfen. Wir haben keine Ahnung, ob über jeden Fluss, der auf unserer Strecke liegt Brücken führen, oder wie man ansonsten durchs Wasser kommt, noch zumal mit der schweren Kiste.

Spätestens in drei Wochen müssen wir in der Hauptstadt sein, um die chinesischen Visa zu beantragen und eine Woche später an der russischen Grenze stehen, damit wir das Land rechtzeitig vor Ablauf des mongolischen Visum verlassen können.

Am 01.August treten wir gemeinsam mit Mathias und Steffi den Weg Richtung Chowd an.

Unterwegs machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit nomadischen Bräuchen.Traditionellerweise wird ohne Anzuklopfen die Türe geöffnet und kurz „Hallo“ gesagt.Der Zettel allerdings, den der sich neugierig umschauende Hirte Wolfgang unter die Nase hält und auf dem in Englisch steht: Guten Tag, ich interessiere mich für ihr Auto; was soll es kosten?, ist dann wohl eher untypisch. Von da an verschließen wir unsere Türe, wenn wir Lust auf Privatsphäre haben.Die Landschaft wirkt genauso, wie man sie sich vom Hörensagenlesen vorstellt und doch bleiben die Eindrücke unbeschreiblich. Man muss hier gewesen sein und die unendlichen Weiten mit dem eigenen Auge versucht haben zu fassen. Auf durchschnittlichen 1580 Höhenmetern scheint der Himmel zum Greifen nah; und wirklich, nur Nachts ist er noch unvergleichlich schöner! Wenn jedermann wüsste, was ihn der Fortschritt unserer Zeit kostet….

Außerhalb der kleinen Ortschaften findet man keine konventionellen Gebäude vor. Die Menschen leben nach wie vor in ihren Jurten. Zugegeben, auch hier zieht das Hightechzeitalter nicht ohne Spuren zu hinterlassen vorüber. Viele Nomaden haben Photovoltaikplatte, oder Windrad, Satellitenschüssel, Handy und Motorrad und entlang der Hauptroute ziert mancherlei Unrat die „unberührte“ Natur. Kein Vergleich jedoch zu bisher Gesehenem, oder gar europäischen Standards. Selbst wir können uns ein solches Leben dann doch nicht mehr vorstellen.

Sollen wir`s wagen, oder nicht? Mathias fährt derweil schon Mal zu

Chowd – und dann überschlagen sich die Ereignisse. Gaia bekommt hohes Fieber und ist übersät mit kleinen roten Punkten. Was nun? Als ihre Temperatur kritisch wird und sie nur noch apathisch in meinen Armen liegt, bleibt uns nichts anderes übrig, als ins nächste Krankenhaus zu fahren. Die Ärzte dort tun uns zwar den Gefallen und untersuchen sie im Lkw, ihre Diagnose bleibt uns aufgrund der Sprache trotzdem unverständlich. Mit Hilfe eines Englischlehrers, den Wolfgang zufällig auf der Straße anspricht und der Ferndiagnose von seinem Hausarzt stellt sich schließlich heraus, dass sie Scharlach hat. Die Verfahrensweise der Ärzte und Schwestern lässt uns beinahe verzweifeln und auch das Krankenhaus selbst macht nicht gerade einen Vertrauens erweckenden Eindruck. Nach zwei Tagen ohne wirkliche Besserung flippen wir dann aus und Wolfgang macht sich solange lautstark bemerkbar, bis er jemand Kompetentes auf sich aufmerksam macht. Gaia bekommt endlich die richtige Behandlung und vor allem Ruhe für die kommenden zwei Wochen! Nicht nur einmal wünschen wir uns in dieser Zeit nach Hause, wo „alles so viel einfacher ist“. Der Kinderarzt ist gleich um die Ecke und spricht Deutsch, die medizinische Versorgung ist gewährleistet, man kann sich über diverse Medikamente informieren und was wohl am wichtigsten ist, im Schoß der Familie findet man emotionale Unterstützung. Zum Glück bleibt Frank bei uns und unterstützt uns wo es geht.

Nach zwei Tagen bessert sich Gaias Zustand schon merklich und wir begeben uns ganz langsam zuerst raus aus der Stadt und schließlich weiter Richtung Osten.

Dianas 30. Geburtstag fällt entsprechend ruhig und in trauter Dreisamkeit aus.

Ob wir unseren Zeitplan einhalten können, oder nicht erscheint uns momentan nicht mehr so wichtig. Hauptsache ist, dass die Kleine wieder auf die Füße kommt, in Zukunft mehr Rückzugsmöglichkeiten hat und es zu keinen weiteren Strapazen aufgrund einer Autopanne kommt. Die Streckenverhältnisse sind schlechter als vermutet. Ich liege mit Gaia die meiste Zeit hinten im Lkw, bei zugezogenen Fenstern und mit nassen Tüchern vor jedem Spalt, um dem eindringenden Staub entgegenzuwirken. Es fühlt sich an, wie auf einem Schiff bei stürmischem Seegang. Wolfgang kämpft nicht nur mit der Orientierung (ohne GPS), sondern auch mit tiefen Fahr- und Regenfurchen im schwer einzuschätzenden Untergrund. Durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 35 Stundenkilometer.

Wüstenschiffe

Manchmal gibt es so viele verschiedene Pisten, dass man nach dem Zufallsprinzip entscheiden muss, welche man nimmt. Nun wissen wir auch was die Franzosen in Russland gemeint haben, als sie sagten: „Wenn ihr nicht mehr weiter wisst, folgt einfach den Strommasten…“ Und was tun, wenn es gar keine gibt?

Ihre Ehrfurcht vor den Natur- und Wegegeistern bringen die Mongolen in so genannten „Owoo`s“ zum Ausdruck. Steinsetzungen, die mit seidenen, meist blauen Tüchern geschmückt sind. Süßigkeiten, Bargeld, Wodkaflaschen und interessanterweise Holzkrücken, die man als Einziges auch bei Bedarf mitnehmen darf, dienen als Opfergaben.

Balta, „die Axt“, Franks Reisebegleiter auf Zeit. Von ihm erfahren wir viel Wissenswertes über das Leben der zum Großteil kasachischstämmigen Mongolen im Altai.

In den kleinen Städtchen unterwegs bekommt man das „Nötigste“. Kartoffeln, Brot, Zwiebeln, Gurken, Karotten und sogar Schokolade werden in kleinen „Tante Emma Läden“ angeboten. (Nervennahrung für den Fahrer, damit die Konzentration auf den „Höllenpisten“ nicht ausgeht.) Es bleibt uns ganz und gar unverständlich weshalb nachts meist so viel Betrieb auf der Strecke herrscht, die tagsüber schon so schwierig zu bewältigen ist. Balta meint nur, da wäre es kühler und es gebe keine Mücken.

Ja, das ist die Hauptstraße!

Erstaunlicherweise übersteht Morpheus trotz seines Gewichts und Alters die Rüttelpiste sehr gut. Auch die Reifen mit Straßenprofil haben sich bewährt.

Natürlich bedarf es unter solchen extremen Belastungen einer täglichen Inspektion des Unterbodens und regelmäßigem Abschmieren. Fast schade, dass wir die neuen Schneeketten wieder nicht ausprobieren können…

Frank mit Phoibos imEinsatz

Die riesigen, zumeist eine Tierart umfassenden Viehherden sind ein Überbleibsel aus den 50er und 60er Jahren, als die Viehhalter in staatlichen Genossenschaften zusammengeschlossen wurden.

Streichelzoo direkt vor der Haustür.

Ihr Trinkwasser füllen sich die Stadtbewohner im „house of water“ ab.

Für wenig Geld können wir unsere Tanks wieder auffüllen.

Zum Glück galoppiert das zottelige Steppenpferdchen nicht gleich los, sonst könnten wir uns wohl kaum auf dem kleinen Holzsattel halten. Aber wer schon einmal in diesem Land gewesen ist und nicht Lust bekommt auf dem Rücken eines Pferdes zumindest zu sitzen, bei all den vorüber ziehenden, edlen Geschöpfen, der muss wohl….eine Allergie haben.

Am 22.August erreichen wir trotz sämtlicher Widerstände pünktlich Ulan Bataar – die Hauptstadt. Mehr als ein Drittel der Mongolen lebt hier und es ist wie überall anders auf der Welt. Ulan Baaar wirkt völlig anders, als der Rest des Landes. Modern, voller hupender Autos, Bauwerke und Schönheitssalons, laut, schnell und irgendwie … entspannend. Man kann mal wieder untertauchen in den Strömen von Ausländern, mal wieder europäisch essen gehen, mal wieder die Wäsche waschen lassen.

Das Parlamentsgebäude auf dem Suchbaatarplatz

Nachdem die chinesischen Visa unter Dach und Fach sind, schlagen wir am 25. August den Weg Richtung Norden, zum Baikalsee ein.

Parkplatz vor dem Saloon

Besuch vom Nachbarn, der einen Bottich Joghurt und Salzgebäck als Gastgeschenk dabei hat.

Drei Tage später, am 28.08. stehen wir ausreisebereit an der Grenze in Kyachta.