MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

Schlagwort-Archiv: Asien

Achtung, Achtung!

Nein, wir sind nicht per Zeitmaschine zurück in die Vergangenheit gereist und fahren ab jetzt die gleiche Strecke noch einmal.

Wir stellen die Berichte über den ersten Teil der Reise, die bis heute über blog.de nachzulesen waren, ebenfalls hier „auf der straße des lebens“  ein – der Übersicht halber.

Natürlich wollen wir euch nicht davon abhalten die folgenden Texte und Fotos über den Beginn dieser Reise durch Südosteuropa, die Türkei, den Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan, Kasachstan, Russland und den ersten Teil Mongolei noch ein weiteres Mal zu begutachten.

Viel Spaß!

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PDR (Demokratische Volksrepublik) Laos

Laos, das Land der eine Million Elefanten und der Millionen abgeworfenen US-Bomben.

(Von 1965 bis 1973 verwüsteten die Amerikanischen Streitkräfte den Osten und Nordosten des Landes aus Rache an den Viet Minh, die über den Ho-Chi-Minh-Pfad Waffen ins Land schmuggelten. Alle acht Minuten soll damals eine Flugzeugladung Sprengkörper abgeworfen worden sein. Viele seien dabei nicht explodiert und liegen noch immer über weite Landstriche verteilt herum, jederzeit bereit bei Berührung in die Luft zu gehen.)

Bereits die Aufmachung des Grenzpostens lässt uns aufatmen. Afrika grüßt.
Am Desinfektionsapparat steht niemand, um die „Passkontrollbaracke“ laufen ein paar Hühner, davor sitzen einige Jugendliche auf einer verschlissenen Ledercouch und gleich daneben befindet sich ein Volleyballplatz, der größer ist, als das Gebäude selbst.
Das laotische Visum für umgerechnet 32 Dollar bekommt man hier vor Ort innerhalb von 10 Minuten ausgestellt. Eine Premiere. Warum geht das nicht auch anderswo? So unkompliziert könnte das Reisen sein….Abgefertigt wird man im Freien und die kleinen Separets, in denen die Polizisten ihren Dienst tun, sind plakatiert mit den Kalenderdamen des Jahres  (in traditioneller Tracht!).

In der Zollstation, die einige Kilometer entfernt liegt, werden wir zum ranghöchsten Offizier vorgelassen, der entscheiden soll, wie man das Einreiseprozedere für die Fahrzeuge in unserem Fall handhabt (ohne Carnet de Passage). Die „Kontrolle“ beschränkt sich auf einen kurzen, zurückhaltenden Blick aus dem Fenster (der Diensthabende ist an Coolness kaum zu überbieten) und nachdem wir für die Bearbeitung 5 Euro berappt haben, ist die komplette „Crew“ offiziell eingereist.

Auf dem Weg nach Muang Sing, einer kleinen Stadt im Nordosten, trennen wir uns von Thomas und Sabine, die sich über Weihnachten per Flieger auf den Heimweg nach Deutschland machen. Einen Tag Pause gönnen wir uns noch gemeinsam, bis wir tiefer in die dichte grüne Dschungellandschaft eintauchen, aus der es zirpt, brüllt und raschelt.

Eine ziemlich gut ausgebaute Straße windet sich durch den Nam-Ha-Nationalpark, der erste von mehreren seiner Art in Laos, in dem der Wald und seine Bewohner vor Wilderei und Brandrodung geschützt werden. Es sollen hier noch, Tiger, wilde Asiatische Elefanten, Gauren und andere vom Aussterben bedrohte Tierarten beheimatet sein. Viele verschiedene Bergvölker leben in diesem Gebiet noch im Einklang mit ihrer Natur.
Alles, was sie zum Überleben benötigen beziehen sie aus dem reichhaltigen Angebot, das sie umgibt.

Einige Dörfer befinden sich direkt entlang der Straße, und der Kontrast zu den Eindrücken in China könnte nicht größer sein. Ein kleiner Kulturschock, aber ein positiver! Die „Wand“ links und rechts der Strecke scheint immer undurchdringlicher, die Fülle an Geräuschen, die daraus hervordringt immer fremder. Bis ans Ende der Welt muss man also fahren, um vor einem Primärwald zu stehen, um sich darüber gewahr zu werden, wie entwurzelt man ist, wenn man dem Ursprung ins Auge sieht.
Wie viele Stunden, Tage, Monate könnten wir im Innern dieses Kosmos wohl überleben?

Peking

Am 02. Oktober erreichen wir „Bejing“, die Hauptstadt. Innerhalb des 4. Rings (von 7) bietet sich ein sauberer, ruhiger Hinterhof als Parkplatz für die nächsten Tage an. Dass auch die Polizei Ferien hat kommt uns dabei ganz gelegen, weil so die Wahrscheinlichkeit des Platztes verwiesen zu werden sinkt. Eine Oase der Ruhe in den Wirren der Megalopole. Sogar WC und fließendes Wasser sind vorhanden und ein netter Mann vom Wachdienst erklärt sich bereit unsere Wäsche umsonst zu waschen!

Es dauert eine weitere dreiviertel Stunde, um von hier aus mit dem Taxi in die Innenstadt zu gelangen, wo wir der Verbotenen Stadt und dem Platz des Himmlischen Friedens (1989) einen Besuch abstatten.
Es wimmelt von Menschen und Überwachungselektronik. Zusätzlich werden die unterirdischen Durchgänge von der Polizei kontrolliert. Man fühlt sich ein bisschen wie auf dem Flughafengelände. Wolgang meint das Alles sei eventuell notwendig, um die Massen, die hier anlässlich der Feiertage umher flanieren im Zaum zu halten.

Im Nachhinein erfahren wir, dass man den Himmel über Peking mithilfe von Raketen smogfrei macht, weswegen er zu unserer Überraschung (extra fürs Foto) so schön blau gewesen ist!
Ansonsten unterscheidet sich die Stadt nicht großartig von anderen Großstädten. Die einstige Altstadt musste anlässlich der Olympischen Spiele das Feld räumen und übrig blieb ein Hochhäusermeer entlang zahlloser breiter Stadtautobahnen. Die Farbe Rot ist vorherrschend; jedes Gebäude schmücken die obligatorischen Laternen. Man sieht weder Obdachlose, noch Müll, noch streunende Hunde. Alles wirkt einen Tick zu sauber, einen Tick zu perfekt (keine Graffitis!!!). Wo doch jedermann seinen Nachwuchs überall und jederzeit sein Geschäft erledigen lässt. (Was uns im Übrigen nicht ungelegen kommt – in China wird Gaia tagsüber windelfrei!) Man stelle sich vor, 1,3 Mrd. Chinesen würde ihre Kinder ca. 3 Jahre lang in Windeln packen. Was wäre das für ein Müllberg? Es gibt Straßenarbeiter, die eigens für die Beseitigung des Kinderkots zuständig sind!
Es riecht ein wenig anders – nach asiatischer Küche, nach Feinstaub, nach scharfen Putzmitteln. Die Luft ist erfüllt von fernöstlichen Klängen, die uns unvertrauter nicht sein könnten. Zum ersten Mal auf der Reise haben wir echte Verständigungs- schwierigkeiten – nicht allein die Sprache stellt ein Problem dar, auch tiefe kulturelle Unterschiede machen die Kommunikation zu einer Herausforderung.

Zwei Tage verbringen wir hier; erledigen Einkäufe, schlendern um die Häuser und warten darauf, dass der Zoll Mathias Ersatzteile, die ihm der ADAC Deutschland zugeschickt hat, frei gibt. Daraus wird jedoch nichts. Aufgrund eines erst kürzlich in Kraft getretenen Gesetzes verweigern die Behörden die Herausgabe von Frachtgut an Privatpersonen! Tony bemüht sich redlich etwas zu arrangieren, um die Teile im Wert von 1800 Euro (+ 400 Euro Versand) auszuzollen, aber vergebens.
Das Versenden an ein Unternehmen ist nach unserem derzeitigen Kenntnisstand jedoch möglich. Hätte der ADAC von dieser Tatsache gewusst, hätte Mathias die anschließenden 5000 Kilometer nicht mit einem solch hohen Risiko zurücklegen müssen. Dazu kommt, dass der chinesische Zoll einige Wochen später eine Entsorgungsgebühr in Höhe von 800 Euro von ihm einfordern wird. Was für eine Farce!

„the great wall“

Insgesamt hat Autofahren in China eher etwas mit Glücksspiel als mit Fahren nach Verkehrsregeln zu tun. Auf der Autobahn zur Chinesischen Mauer setzt Wolfgang (nicht ohne Schmunzeln) häufiger das indische Horn ein, um die Trödler von der Überholspur zu vertreiben. Alle anderen Verkehrsteilnehmer überholen je nachdem wo gerade eine Lücke frei ist, ohne die Geschwindigkeit zu senken. Ich bremse auf dem Beifahrersitz wacker mit.
Am 1.10. ist es soweit. Die Spannung steigt. Meine Damen und Herren, wir präsentieren: Eines der Weltwunder. Leider sehen wir vor lauter Menschen an jenem Nachmittag noch nicht viel. Kein Wunder, denn wie wir erfahren hat die ganze Nation die kommenden 7 Tage aufgrund des Chinesischen Nationalfeiertags frei und alle sind in dieser Zeit äußerst unternehmungslustig! Prima!

Nach einer unruhigen Nacht, in der wir zweimal umziehen dürfen (es ist wieder Mal gefährlich), packen wir Klein Gaia in die Kraxe und machen uns auf zur Seilbahn. Der Eintrittspreis (Seilbahn extra) erscheint uns überzogen und ich frage mich, wie das die Einheimischen eigentlich finanzieren.

Nur eine halbe Stunde anstehen, dann sitzen wir in der Gondel aufwärts. Im Nu fliegen wir über die Köpfe der sportlich Aktiven hinweg und stehen am nächsten Ticketlesegerät an. Die Kraxe hilft mir ein wenig dabei mich durch die Menschenmenge zu schieben, aber mit Gaia auf dem Rücken den steilen Anstieg zu bezwingen ist nicht ohne. Von daher begnügen wir uns mit dem erstbesten Platz und genießen die berühmte Aussicht. Was für ein Bollwerk! Über den Rücken der Berge schlängelt sie sich nunmehr nicht länger dem Feind zum Trotze, sondern einzig, eines der begehrstesten Fotografierobjekte zu sein.

Suchbild

Vorab

Will man China mit dem eigenen Fahrzeug bereisen, benötigt dies eine etwas längere Vorbereitungszeit. Ohne die Begleitung durch einen „Guide“ ist die Durchfahrt nicht möglich. Dieser ist nach unserer Erfahrung jedoch kein „Aufpasser“, sondern in der Hauptsache für die sichere Überführung der Fahrzeuge zuständig. Bereits drei Monate vor der Einreise mussten wir also eine für uns geeignete Reiseorganisation ausfindig machen, die einen solchen Begleiter zur Verfügung stellt und sich um alle erforderlichen Formalitäten kümmert. Da die anfallenden Kosten u.a. davon abhängen wieviele Fahrzeuge und Personen beteiligt sind, stieg und fiel das Vorhaben auch mit der Entscheidung unserer Freunde, welchen weiteren Weg sie einschlagen würden. Noch war die Ostroute Richtung Vladiwostok, mit anschließender Übersetzung nach Kanada nicht aus dem Rennen. Letztenendes entschieden sich Sabine, Thomas und Mathias dazu, uns Richtung Südostasien zu begleiten und die Feinarbeit konnte beginnen. Im Vergleich mit anderen Anbietern im Netz erschien uns das Angebot der Chengdu Panorama Tour Co., Ltd. am attraktivsten und somit traten wir zum ersten Mal mit Mr. Dong Honquan, dem Deutschen Marketing Direktor dort in Kontakt. Da dieser viele Jahre in Deutschland (Bayern) studiert hat, spricht er ein sehr gutes Deutsch und beantwortete unsere (vielen) Fragen vorab umgehend und ausführlich.

Die Kontaktadressen sind:  http://www.china-reisen.nethttp://www.tibetreisen.com oder email an hongquan.dong@chinapanorama.cn ,

Wir waren mit der Arbeit der Chengdu Panorama Tour sehr zufrieden und besonders die Kooperation mit „unserem Guide Tony“, der jederzeit im Einsatz und sich für keine Aufgabe zu schade war, machte uns viel Freude.

Für die notwendigen Durchfahrtsgenehmigungen wird grundsätzlich eine genaue Auflistung der geplanten Strecke, inklusive angesteuerter Sehenswürdigkeiten verlangt. Die Reiseorganisation bietet einen Überblick über mögliche Routen an, die man je nach Belieben variieren kann. Alle erforderlichen Kopien werden einem bei Konsultation mitgeteilt. Man sollte sich aufgrund der Gültigkeit der Papiere ungefähr an den im Vorfeld angegebenen Zeitplan halten; einige Besichtigungen konnten wir aus diesem Grund nicht wahr nehmen, was eine weniger große Rolle spielt.
Die Reiseorganisation erhob für die Bearbeitung eine Gebühr von 3800 Euro (Gruppe), inklusive der Kosten für den Verwaltungsapparat: Führerscheine, Versicherungen, Genehmigungen,….
Die Kosten für den Guide beliefen sich auf ca. 50 Euro pro Tag (Gruppe).
Für die Autobahn- und Straßengebühren mussten wir (nach einigen schweren Verhandlungen vor Ort) ca. 300 Euro zahlen (pro Fahrzeug je nach Gewicht!).
Da es aus Zeit- und organisatorischen Gründen selten möglich ist „frei“ zu stehen, muss man für die Übernachtung (meist auf Hotelparkplätzen) ca. 2 Euro/Nacht durchschnittlich einkalkulieren.
Die berühmten Sehenswürdigkeiten erfahren in China einen regen Zulauf, weshalb uns die  überteuerten Eintrittspreise von 10 bis 15 Euro schleierhaft erscheinen.

Ein chinesisches 60 Tage Visum erhält man problemlos nach einem Tag Wartezeit in Ulan Baatar.