MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

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Mongolei Teil 1 – Unter Nomaden!

Am 30.Juli reisen wir in die Mongolei ein.

Erwähnenswert ist, dass man als Fußgänger-, bzw. Fahrradfahrer die Grenze hier bei Aktash nicht passieren kann. Außerdem stellt sich heraus, dass wir uns in Russland hätten registrieren lassen müssen. Bis dato sind wir davon ausgegangen, diese Regelungen wären bei Individualreisen aufgehoben worden. Da wir aber nicht die Ersten zu sein scheinen, bei denen dieses Problem auftritt, gibt`s gleich einige Meter vor dem russischen Grenzposten eine Einwanderungspolizei, wo man uns entsprechende, abgestempelte Zettel in die Hand drückt und die Sache ist erledigt.

Ca. 35 Kilometer Niemandsland trennen Russland von der Mongolei. Die Spannung steigt. Was erwartet uns im am dünnsten besiedelten Land der Erde?

Werden wir finden, wonach wir gesucht haben? Was suchen wir eigentlich?

Wolfgang verwechselt die ersten Yaks, die wir in der Ferne sichten mit Hunden, weil sie genauso mit ihrem buschigen Schwanz wedeln können.

Leichte Irritation, als zwei Jungen von uns vor dem Tor zur mongolischen Grenzabfertigung Geld für die Desinfektion des Autos verlangen. Ferienarbeit, oder was? A propos, die Jungs und Mädels hier haben ganze drei Monate Sommerferien!

Wo sind denn jetzt die Jurten?

Zu Beginn macht die Piste noch einen recht passablen Eindruck.

Der moderne Nomade fährt Motorrad.

Noch am selben Abend machen sich vier Laster auf den Weg nach Bayan Ölgiy, der Hauptstadt des mongolischen Altai. Diese Strecke lässt bereits erahnen, auf was wir uns die nächsten Wochen einstellen können: wackelige Sandpisten und keine Orientierungshilfen, außer dem Stand der Sonne, aber um uns herum entblättert sich eine einzigartige Natur. Es wuselt nur so vor Murmeltieren, Zieseln und sonstigen Nagern und Insekten.

„Warme Ware“. Rohmaterial für die gefilzten Jurtenwände.

Wir haben einen strengen Zeitplan, da das Einzige, was wir sicher über die Mongolei wissen ist, dass wir 1700 Kilometer unbefestigte Straße vor uns liegen haben. Sollte es die kommenden Tage zu Schlechtwettereinbrüchen kommen, müssten wir uns durch Schlammpassagen kämpfen. Wir haben keine Ahnung, ob über jeden Fluss, der auf unserer Strecke liegt Brücken führen, oder wie man ansonsten durchs Wasser kommt, noch zumal mit der schweren Kiste.

Spätestens in drei Wochen müssen wir in der Hauptstadt sein, um die chinesischen Visa zu beantragen und eine Woche später an der russischen Grenze stehen, damit wir das Land rechtzeitig vor Ablauf des mongolischen Visum verlassen können.

Am 01.August treten wir gemeinsam mit Mathias und Steffi den Weg Richtung Chowd an.

Unterwegs machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit nomadischen Bräuchen.Traditionellerweise wird ohne Anzuklopfen die Türe geöffnet und kurz „Hallo“ gesagt.Der Zettel allerdings, den der sich neugierig umschauende Hirte Wolfgang unter die Nase hält und auf dem in Englisch steht: Guten Tag, ich interessiere mich für ihr Auto; was soll es kosten?, ist dann wohl eher untypisch. Von da an verschließen wir unsere Türe, wenn wir Lust auf Privatsphäre haben.Die Landschaft wirkt genauso, wie man sie sich vom Hörensagenlesen vorstellt und doch bleiben die Eindrücke unbeschreiblich. Man muss hier gewesen sein und die unendlichen Weiten mit dem eigenen Auge versucht haben zu fassen. Auf durchschnittlichen 1580 Höhenmetern scheint der Himmel zum Greifen nah; und wirklich, nur Nachts ist er noch unvergleichlich schöner! Wenn jedermann wüsste, was ihn der Fortschritt unserer Zeit kostet….

Außerhalb der kleinen Ortschaften findet man keine konventionellen Gebäude vor. Die Menschen leben nach wie vor in ihren Jurten. Zugegeben, auch hier zieht das Hightechzeitalter nicht ohne Spuren zu hinterlassen vorüber. Viele Nomaden haben Photovoltaikplatte, oder Windrad, Satellitenschüssel, Handy und Motorrad und entlang der Hauptroute ziert mancherlei Unrat die „unberührte“ Natur. Kein Vergleich jedoch zu bisher Gesehenem, oder gar europäischen Standards. Selbst wir können uns ein solches Leben dann doch nicht mehr vorstellen.

Sollen wir`s wagen, oder nicht? Mathias fährt derweil schon Mal zu

Chowd – und dann überschlagen sich die Ereignisse. Gaia bekommt hohes Fieber und ist übersät mit kleinen roten Punkten. Was nun? Als ihre Temperatur kritisch wird und sie nur noch apathisch in meinen Armen liegt, bleibt uns nichts anderes übrig, als ins nächste Krankenhaus zu fahren. Die Ärzte dort tun uns zwar den Gefallen und untersuchen sie im Lkw, ihre Diagnose bleibt uns aufgrund der Sprache trotzdem unverständlich. Mit Hilfe eines Englischlehrers, den Wolfgang zufällig auf der Straße anspricht und der Ferndiagnose von seinem Hausarzt stellt sich schließlich heraus, dass sie Scharlach hat. Die Verfahrensweise der Ärzte und Schwestern lässt uns beinahe verzweifeln und auch das Krankenhaus selbst macht nicht gerade einen Vertrauens erweckenden Eindruck. Nach zwei Tagen ohne wirkliche Besserung flippen wir dann aus und Wolfgang macht sich solange lautstark bemerkbar, bis er jemand Kompetentes auf sich aufmerksam macht. Gaia bekommt endlich die richtige Behandlung und vor allem Ruhe für die kommenden zwei Wochen! Nicht nur einmal wünschen wir uns in dieser Zeit nach Hause, wo „alles so viel einfacher ist“. Der Kinderarzt ist gleich um die Ecke und spricht Deutsch, die medizinische Versorgung ist gewährleistet, man kann sich über diverse Medikamente informieren und was wohl am wichtigsten ist, im Schoß der Familie findet man emotionale Unterstützung. Zum Glück bleibt Frank bei uns und unterstützt uns wo es geht.

Nach zwei Tagen bessert sich Gaias Zustand schon merklich und wir begeben uns ganz langsam zuerst raus aus der Stadt und schließlich weiter Richtung Osten.

Dianas 30. Geburtstag fällt entsprechend ruhig und in trauter Dreisamkeit aus.

Ob wir unseren Zeitplan einhalten können, oder nicht erscheint uns momentan nicht mehr so wichtig. Hauptsache ist, dass die Kleine wieder auf die Füße kommt, in Zukunft mehr Rückzugsmöglichkeiten hat und es zu keinen weiteren Strapazen aufgrund einer Autopanne kommt. Die Streckenverhältnisse sind schlechter als vermutet. Ich liege mit Gaia die meiste Zeit hinten im Lkw, bei zugezogenen Fenstern und mit nassen Tüchern vor jedem Spalt, um dem eindringenden Staub entgegenzuwirken. Es fühlt sich an, wie auf einem Schiff bei stürmischem Seegang. Wolfgang kämpft nicht nur mit der Orientierung (ohne GPS), sondern auch mit tiefen Fahr- und Regenfurchen im schwer einzuschätzenden Untergrund. Durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 35 Stundenkilometer.

Wüstenschiffe

Manchmal gibt es so viele verschiedene Pisten, dass man nach dem Zufallsprinzip entscheiden muss, welche man nimmt. Nun wissen wir auch was die Franzosen in Russland gemeint haben, als sie sagten: „Wenn ihr nicht mehr weiter wisst, folgt einfach den Strommasten…“ Und was tun, wenn es gar keine gibt?

Ihre Ehrfurcht vor den Natur- und Wegegeistern bringen die Mongolen in so genannten „Owoo`s“ zum Ausdruck. Steinsetzungen, die mit seidenen, meist blauen Tüchern geschmückt sind. Süßigkeiten, Bargeld, Wodkaflaschen und interessanterweise Holzkrücken, die man als Einziges auch bei Bedarf mitnehmen darf, dienen als Opfergaben.

Balta, „die Axt“, Franks Reisebegleiter auf Zeit. Von ihm erfahren wir viel Wissenswertes über das Leben der zum Großteil kasachischstämmigen Mongolen im Altai.

In den kleinen Städtchen unterwegs bekommt man das „Nötigste“. Kartoffeln, Brot, Zwiebeln, Gurken, Karotten und sogar Schokolade werden in kleinen „Tante Emma Läden“ angeboten. (Nervennahrung für den Fahrer, damit die Konzentration auf den „Höllenpisten“ nicht ausgeht.) Es bleibt uns ganz und gar unverständlich weshalb nachts meist so viel Betrieb auf der Strecke herrscht, die tagsüber schon so schwierig zu bewältigen ist. Balta meint nur, da wäre es kühler und es gebe keine Mücken.

Ja, das ist die Hauptstraße!

Erstaunlicherweise übersteht Morpheus trotz seines Gewichts und Alters die Rüttelpiste sehr gut. Auch die Reifen mit Straßenprofil haben sich bewährt.

Natürlich bedarf es unter solchen extremen Belastungen einer täglichen Inspektion des Unterbodens und regelmäßigem Abschmieren. Fast schade, dass wir die neuen Schneeketten wieder nicht ausprobieren können…

Frank mit Phoibos imEinsatz

Die riesigen, zumeist eine Tierart umfassenden Viehherden sind ein Überbleibsel aus den 50er und 60er Jahren, als die Viehhalter in staatlichen Genossenschaften zusammengeschlossen wurden.

Streichelzoo direkt vor der Haustür.

Ihr Trinkwasser füllen sich die Stadtbewohner im „house of water“ ab.

Für wenig Geld können wir unsere Tanks wieder auffüllen.

Zum Glück galoppiert das zottelige Steppenpferdchen nicht gleich los, sonst könnten wir uns wohl kaum auf dem kleinen Holzsattel halten. Aber wer schon einmal in diesem Land gewesen ist und nicht Lust bekommt auf dem Rücken eines Pferdes zumindest zu sitzen, bei all den vorüber ziehenden, edlen Geschöpfen, der muss wohl….eine Allergie haben.

Am 22.August erreichen wir trotz sämtlicher Widerstände pünktlich Ulan Bataar – die Hauptstadt. Mehr als ein Drittel der Mongolen lebt hier und es ist wie überall anders auf der Welt. Ulan Baaar wirkt völlig anders, als der Rest des Landes. Modern, voller hupender Autos, Bauwerke und Schönheitssalons, laut, schnell und irgendwie … entspannend. Man kann mal wieder untertauchen in den Strömen von Ausländern, mal wieder europäisch essen gehen, mal wieder die Wäsche waschen lassen.

Das Parlamentsgebäude auf dem Suchbaatarplatz

Nachdem die chinesischen Visa unter Dach und Fach sind, schlagen wir am 25. August den Weg Richtung Norden, zum Baikalsee ein.

Parkplatz vor dem Saloon

Besuch vom Nachbarn, der einen Bottich Joghurt und Salzgebäck als Gastgeschenk dabei hat.

Drei Tage später, am 28.08. stehen wir ausreisebereit an der Grenze in Kyachta.

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