MORPHEUSREISEN

auf der straße des lebens

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Der Iran – In einer anderen Zeit

Wir schreiben das Jahr 1389 nach Mohammed, + 2,5 Stunden mitteleuropäischer Zeit, Anfang des muslimischen Jahres, die Morpheuscrew reist in die Islamische Republik Iran ein.

Bereits beim Abwickeln der Grenzformalitäten stelle ich fest, dass mein streng korrekter Aufzug äußerst unpraktisch, schweißtreibend und offensichtlich auch erheiternd ist. Das schwarze Kopftuch, mit passendem Stirnband, das knielange schwarze Kleid und die geschlossenen Schuhe lassen keinen Grund zur Beschwerde.

Die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Einreise, die sich eineinhalb Tage hinziehen, bezüglich der neu geltenden Straßenverkehrsabgabe für ausländische Dieselfahrzeuge werden durch die Freundlichkeit und das uns entgegengebrachte Interesse der Menschen hier schnell wieder wett gemacht.

Nicht minder überrascht stelle ich später jedoch fest, dass es die iranischen Frauen mit der Kleiderordnung nicht ganz so streng nehmen. Trotzdem bleibt das ständige Gezupfe hier und da und ein zweiter Blick und dritter zum geschlossenen Vorhang, bevor man den Schleier lüftet.

Mit dem Öffnen des Schlagbaums ändern sich Welten.

Von unzähligen Plakaten schmunzelt uns Chomeini entgegen, an sämtliche Häuserwände sind persische Schriftzüge gepinselt, das Verkehrsaufkommen ist immens und chaotisch und wir sind von Heute auf Morgen Millionäre geworden.

Mit vier Wägen sind wir unser eigener Sichtschutz.

In Täbris, der erstgrößeren Stadt, treffen wir den Tourismusbeauftragten „Nasser“, der letzte Ungereimtheiten zwecks der neuen „Dieselsteuer“ ausräumen kann. Er organisiert vom Petrolministerium 400 Liter für jeden Wagen und als Entschädigung für den Ärger lädt uns der Bürgermeister zum Essen in ein ehemaliges „Hamam“ ein.

Auf den Straßen sind zwar noch jede Menge Kurz- und Langhauber unterwegs, aber kein 710er!

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Im Konvoi und Unterwegs mit drei kleinen Kindern und zwei Hunden, die man sich in islamischen Ländern normalerweise nicht als Haustier hält, weil sie als unrein gelten, verursachen wir ziemlich viel Aufsehen und machen einige interessante Bekanntschaften.

Von Täbris aus geht die Reise weiter über den kurdischen Teil des Landes nach Isfahan.

Die Landschaft ist bergig, dicht besiedelt und man sieht des Öfteren iranische Familien, die im Grünen zelten und picknicken.

Gaia ist nach wie vor ein begeisterter Beobachter und von ihrem Zuhause aus liegt ihr die Welt zu Füßen!

In Isfahan stehen die ersten kleineren Reparaturarbeiten an den Lastwagen und Ersatzteileinkäufe auf dem Programm.

Im Stadtzentrum besuchen wir Said, einen Teppichhändler, den Wolfgang auf der letzten Reise kennen gelernt hatte. Er führt uns über den Basar und bewirtet uns in seinem Laden mit Tee und Gebäck.

Nebst handbedruckten Tüchern und Miniaturarbeiten ist diese Stadt für seine wunderbare Moschee, „Jame Abbasi“ bekannt, angeblich die älteste des Landes.

Direkt unter der türkisfarben leuchtenden Kuppel des Hauptgebäudes kann man sein siebenfaches Echo hören. Das klingt dann ungefähr so wie Donnergrollen.

Auf dem Weg gen Osten wird die Landschaft zunehmend karger, es gibt mehr Polizei- und Militärpräsenz und am sichersten übernachtet man an der „Raststättenmoschee“ mit Planschbecken…

In Yazd, einer der ältesten Städte der Welt (7000 Jahre) finden wir ein angenehm kühles Plätzchen im Stadtpark. Auch Mathias schaut nach einem abenteuerlichen Abstecher nach Shiraz mal wieder bei uns vorbei. Natürlich bleibt unsere Ankunft nicht unbemerkt und schon bald sind wir umringt von neugierigen Kindern.

Beim Schlendern durch die engen Lehmsteingassen findet man allerhand Interessantes.

An schweren alten Holztoren baumeln jeweils zwei Türklopfer, ein Männer- und ein Frauentürklopfer, die verschiedene Geräusche verursachen, damit die Frau des Hauses immer weiß, wen sie herein bitten darf und wen nicht.

Überall ragen Windtürme aus dem Häusermeer heraus, die sogenannten „badgirs“, die auch den kleinsten Windhauch einfangen, nach unten transportieren und Frischluft in die Gassen blasen. Die Umweltverträgliche Version von Klimaanlage funktioniert schon seit hunderten von Jahren!

Dann tauchen wir ab in die unendlichen Weiten der Wüste.

Die Dasht-e Kavir liegt nördlich und die Dasht-e Lut südlich der Straße.

Ein Mix aus Sand und Salz, aus dem immer wieder kleinere Gebirge aufragen. Erfrischende Oasen, mit wunderbar angelegten Gärten laden zum Pausieren ein.

Und wagt man einen kurzen Abstecher Richtung Dünen, findet sich die in manch einem iranischen Gedicht angepriesene, unvorstellbar, große Ruhe!

(und das ein oder andere interessante Wüstengeschöpf)

Auf der schönen Geraden traut sich auch Frau mal wieder hinters Steuer!

Bevor wir Sarakhs, die Grenzstadt zu Turkmenistan erreichen, besuchen wir die Robat Sharaf Karawanserei. Einst diente sie den Karawanenführern als Herberge auf ihren beschwerlichen Wegen, heute erinnern nur noch der hinter hohen Ziegelmauern versteckte Innenhof und einige Kalligraphien und Stuckarbeiten an „1001 Nacht“.

Usbekistan – Entlang der Seidenstraße

Die Abfertigung auf turkmenischer Seite verläuft relativ zügig, nicht zuletzt weil Gaia als der Zöllner eintritt zum Toben beginnt.Auf der „anderen“ Seite folgt die übliche stundenlange Bearbeitung der Papiere.Zum Glück haben wir alles Notwendige immer dabei und machen zwischendurch Picknick daheim.(Hier wird Fieber gemessen! (Gut das wir Alle wieder gesund sind!))

Somit beginnt bereits am 23.04. ein neues Kapitel.

Am ersten Rastplatz bekommt unsere kleine Reisegruppe Zuwachs. Frank tauscht mit zwei Hirten ein altes Klapprad gegen ein kleines Zicklein, das er kurzerhand auf seinem „Balkon“ verstaut. Gaia, Emma und Paula sind natürlich begeistert. Bald ist denn auch ein passender Name gefunden: „Roxana“. Nach einer usbekischen Prinzessin, die sich der Große Alexander einst auf seinem Feldzug hier zur Frau auserkoren hatte. Voila, perfekt!

Mittlerweile beschert uns die Sonne Temperaturen um die 30 Grad und landschaftlich ändert sich anfangs nicht viel.Sobald ein Fitzelchen Grün am Horizont auftaucht und wir meinen, einen ruhigen Nachtplatz zu finden, tut sich wieder ein Oasenstädtchen auf und wir haben Gesellschaft.

Die Menschen hier leben bescheiden, sind freundlich und hilfsbereit.

Das erste Ziel ist Bukhara.

Unser Auftreten verhilft uns in der Parkanlage um das städtische Stadion zu einem ruhigen Stellplatz im Grünen. Wolfgang erzählt den Kioskbetreibern dort wir seien Artisten vom Zirkus und schon dürfen wir bleiben und sind „everybodys darling“.(Ob das in Deutschland, in einer Stadt wie München wohl auch möglich wäre? Hängematte aufspannen, Plantschbecken aufstellen, Ziege und Hund von der Leine lassen und zur Krönung noch ellenlange Wäscheleinen bestücken…?)

In aller Ruhe können wir die folgenden Tage denn auch die herrliche Altstadt mit ihren unzähligen Sehenswürdigkeiten genießen.

Über ein Gewirr aus staubigen Gassen, die gesäumt sind von Maulbeerbäumen und aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen, gelangt man zu unzähligen Mädressen, ehemaligen Koranschulen. An den monströsen, ganz individuellen Eingangsportalen, fallen nicht nur die herausstehenden Holzpfähle auf, die die bösen Geister fernhalten sollen, sondern auch die Verwurzelung der Einheimischen mit ihren animistischen Traditionen.

Wir besuchen den Puppenmacher und kommen in den Genuss seinen Schatz an wunderbaren, orientalischen Handpuppen zu bestaunen. Gaia bekommt ein Pärchen und die nächsten Tage sagt sie nur noch das Wort „Puppe“.

Als nächstes beschäftigt Wolfgang erst einmal ein anderes Projekt. Der Umbau unseres Wohnbereichs. Die Zeit des Babyfaulenzens ist vorüber, Gaia will sich bewegen und wir brauchen einen schnell aktivierbaren Tisch zum Essen und Arbeiten.

Eineinhalb Tage legt sich Wolfgang ins Zeug, vermisst, sägt, bohrt und schraubt und dann dürfen wir das modifizierte Zuhause endlich bestaunen.

Wüstenkarawane

Skepsis unter den Einheimischen

Auf dem Weg nach Samarkand landen wir bei der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz auf dem Marktplatz eines kleinen Dorfes.

Es dauert nicht lange bis sich einige Neugierige zu uns gesellen.

Da am nächsten Tag ein großer Markt stattfinden soll, hat Frank die Idee sein Trampolin aufzubauen, um den Leuten eine Freude zu machen. Hier weiß Keiner was ein Trampolin ist, doch die Jungs packen fleißig mit an, das große sperrige Ding aufzubauen.

Nach getaner Arbeit führt Meister Frank seine Künste vor und hat anschließend alle Hände voll zu tun den Ansturm unter Kontrolle zu halten.

Am nächsten Morgen werden wir schon früh vom Markttreiben geweckt.

Von Schrauben über Fahrradsattelbespannungen und Reißverschlüssen bis hin zu Fleisch und Tomaten gibt es Allerhand, was man gebrauchen kann.

In Samarkand,

der sagenumwobenen Stadt auf der Seidenstraße, in der Sheherazade dem Sultan ihre 1001 Geschichten erzählt haben soll dürfen wir uns auf den Parkplatz eines Theaters stellen und dort sogar die Toilette benutzen und Wasser holen.

Es ist nicht weit bis zum berühmten Registan Ensemble, drei beeindruckenden Mätressen, dem Guri Amir Mausoleum mit dem Schrein aus dunkelgrünem Jadestein und in die Altstadt.

Die Reise geht weiter und langsam verändert sich die Landschaft. Es wird fruchtbarer und hügeliger. Felder und kleine Ortschaften ziehen an uns vorüber. Das Leben außerhalb der geschichtsträchtigen Städte scheint gemächlicher zu verlaufen; Eselskarren und Wasserräder sind hier noch voll im Einsatz und die „Alten“ sitzen gemütlich vor den Lehmmauern ihrer Höfe und plaudern.

Die schöne Roxana

Zügig geht die Reise weiter nach Tashkent, wo wir die Visa für Kirgistan und Kasachstan beantragen müssen. Eine Einladung führt uns ins Haus der Familie von „Sancho“.

Ja so ist das eben wenn sich jeden Tag die ganze Welt verändert, sehnt man sich am Abend nach seinem bequemen Nest!

Vom 10.-17. Mai hängen wir in Tashkent und am Tashmore, einem Stausee in der Nähe fest. Die Beschaffung der Visa erweist sich als etwas langwieriger als angenommen.

Und letztendlich muss das kasachische Visum doch noch bis Bishkek warten.

Zumindest klappt die Abwicklung der Kirgisen recht flott, wenn auch gegen ein nicht unerhebliches Entgelt.

Großstadt bedeutet natürlich vor allem auch, dass man Einiges erledigen kann.

Gaia bekommt ihre zweite Impfung von einem deutschen! Arzt im Internationalen Krankenhaus und auf dem Obst- und Gemüsebasar können wir uns mit allen möglichen Leckereien eindecken.

Geparkt wird spontan auf der Hauptstraße Richtung Zentrum, was uns trotz Viereckformation regelmäßigen Besuch beschert.

Das letzte Stück des Weges führt uns über den Kamchik Pass (2267m), einem Nadelöhr zwischen Usbekistan und Tadschikistan. Schwer bewaffnete Soldaten bewachen die nicht sehr Vertrauens erweckenden Tunneldurchfahrten und diverse Gastransporter werden von Polizeifahrzeugen begleitet.

Die Abfahrt ins Fergana Tal bietet anschließend einige nette Einsichten, in fast schon mittelalterlich anmutende Lebensverhältnisse. Entlang eines Flusses hängen Felle zum Trocknen aus und die Imker gehen ihrem Handwerk nach.

Bevor wir unsere letzte usbekische Nacht dank besorgter Polizisten inmitten der Stadt Uchgorhan verbringen dürfen und nicht in einem herrlichen Flussdelta außerhalb, genießen wir noch einmal ein Bad in der Menge. Das Aufsehen das Wolfgang mit seiner Haarpracht und natürlich auch unser fahrbarer Untersatz bei den Leuten hier erregt ist unglaublich. Auf die Dauer fast etwas zu anstrengend.

Die letzten Kilometer bis zur Grenze halten wir mehrere Male an, um nach dem richtigen Weg zu fragen, weil die Straße so unauffällig vor uns liegt und so wenig Verkehrsaufkommen herrscht, dass Wolfgang ins Zweifeln kommt.

Und dann doch: Die Usbekisch-Kirgisische Grenze.

Mongolei Teil 1 – Unter Nomaden!

Am 30.Juli reisen wir in die Mongolei ein.

Erwähnenswert ist, dass man als Fußgänger-, bzw. Fahrradfahrer die Grenze hier bei Aktash nicht passieren kann. Außerdem stellt sich heraus, dass wir uns in Russland hätten registrieren lassen müssen. Bis dato sind wir davon ausgegangen, diese Regelungen wären bei Individualreisen aufgehoben worden. Da wir aber nicht die Ersten zu sein scheinen, bei denen dieses Problem auftritt, gibt`s gleich einige Meter vor dem russischen Grenzposten eine Einwanderungspolizei, wo man uns entsprechende, abgestempelte Zettel in die Hand drückt und die Sache ist erledigt.

Ca. 35 Kilometer Niemandsland trennen Russland von der Mongolei. Die Spannung steigt. Was erwartet uns im am dünnsten besiedelten Land der Erde?

Werden wir finden, wonach wir gesucht haben? Was suchen wir eigentlich?

Wolfgang verwechselt die ersten Yaks, die wir in der Ferne sichten mit Hunden, weil sie genauso mit ihrem buschigen Schwanz wedeln können.

Leichte Irritation, als zwei Jungen von uns vor dem Tor zur mongolischen Grenzabfertigung Geld für die Desinfektion des Autos verlangen. Ferienarbeit, oder was? A propos, die Jungs und Mädels hier haben ganze drei Monate Sommerferien!

Wo sind denn jetzt die Jurten?

Zu Beginn macht die Piste noch einen recht passablen Eindruck.

Der moderne Nomade fährt Motorrad.

Noch am selben Abend machen sich vier Laster auf den Weg nach Bayan Ölgiy, der Hauptstadt des mongolischen Altai. Diese Strecke lässt bereits erahnen, auf was wir uns die nächsten Wochen einstellen können: wackelige Sandpisten und keine Orientierungshilfen, außer dem Stand der Sonne, aber um uns herum entblättert sich eine einzigartige Natur. Es wuselt nur so vor Murmeltieren, Zieseln und sonstigen Nagern und Insekten.

„Warme Ware“. Rohmaterial für die gefilzten Jurtenwände.

Wir haben einen strengen Zeitplan, da das Einzige, was wir sicher über die Mongolei wissen ist, dass wir 1700 Kilometer unbefestigte Straße vor uns liegen haben. Sollte es die kommenden Tage zu Schlechtwettereinbrüchen kommen, müssten wir uns durch Schlammpassagen kämpfen. Wir haben keine Ahnung, ob über jeden Fluss, der auf unserer Strecke liegt Brücken führen, oder wie man ansonsten durchs Wasser kommt, noch zumal mit der schweren Kiste.

Spätestens in drei Wochen müssen wir in der Hauptstadt sein, um die chinesischen Visa zu beantragen und eine Woche später an der russischen Grenze stehen, damit wir das Land rechtzeitig vor Ablauf des mongolischen Visum verlassen können.

Am 01.August treten wir gemeinsam mit Mathias und Steffi den Weg Richtung Chowd an.

Unterwegs machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit nomadischen Bräuchen.Traditionellerweise wird ohne Anzuklopfen die Türe geöffnet und kurz „Hallo“ gesagt.Der Zettel allerdings, den der sich neugierig umschauende Hirte Wolfgang unter die Nase hält und auf dem in Englisch steht: Guten Tag, ich interessiere mich für ihr Auto; was soll es kosten?, ist dann wohl eher untypisch. Von da an verschließen wir unsere Türe, wenn wir Lust auf Privatsphäre haben.Die Landschaft wirkt genauso, wie man sie sich vom Hörensagenlesen vorstellt und doch bleiben die Eindrücke unbeschreiblich. Man muss hier gewesen sein und die unendlichen Weiten mit dem eigenen Auge versucht haben zu fassen. Auf durchschnittlichen 1580 Höhenmetern scheint der Himmel zum Greifen nah; und wirklich, nur Nachts ist er noch unvergleichlich schöner! Wenn jedermann wüsste, was ihn der Fortschritt unserer Zeit kostet….

Außerhalb der kleinen Ortschaften findet man keine konventionellen Gebäude vor. Die Menschen leben nach wie vor in ihren Jurten. Zugegeben, auch hier zieht das Hightechzeitalter nicht ohne Spuren zu hinterlassen vorüber. Viele Nomaden haben Photovoltaikplatte, oder Windrad, Satellitenschüssel, Handy und Motorrad und entlang der Hauptroute ziert mancherlei Unrat die „unberührte“ Natur. Kein Vergleich jedoch zu bisher Gesehenem, oder gar europäischen Standards. Selbst wir können uns ein solches Leben dann doch nicht mehr vorstellen.

Sollen wir`s wagen, oder nicht? Mathias fährt derweil schon Mal zu

Chowd – und dann überschlagen sich die Ereignisse. Gaia bekommt hohes Fieber und ist übersät mit kleinen roten Punkten. Was nun? Als ihre Temperatur kritisch wird und sie nur noch apathisch in meinen Armen liegt, bleibt uns nichts anderes übrig, als ins nächste Krankenhaus zu fahren. Die Ärzte dort tun uns zwar den Gefallen und untersuchen sie im Lkw, ihre Diagnose bleibt uns aufgrund der Sprache trotzdem unverständlich. Mit Hilfe eines Englischlehrers, den Wolfgang zufällig auf der Straße anspricht und der Ferndiagnose von seinem Hausarzt stellt sich schließlich heraus, dass sie Scharlach hat. Die Verfahrensweise der Ärzte und Schwestern lässt uns beinahe verzweifeln und auch das Krankenhaus selbst macht nicht gerade einen Vertrauens erweckenden Eindruck. Nach zwei Tagen ohne wirkliche Besserung flippen wir dann aus und Wolfgang macht sich solange lautstark bemerkbar, bis er jemand Kompetentes auf sich aufmerksam macht. Gaia bekommt endlich die richtige Behandlung und vor allem Ruhe für die kommenden zwei Wochen! Nicht nur einmal wünschen wir uns in dieser Zeit nach Hause, wo „alles so viel einfacher ist“. Der Kinderarzt ist gleich um die Ecke und spricht Deutsch, die medizinische Versorgung ist gewährleistet, man kann sich über diverse Medikamente informieren und was wohl am wichtigsten ist, im Schoß der Familie findet man emotionale Unterstützung. Zum Glück bleibt Frank bei uns und unterstützt uns wo es geht.

Nach zwei Tagen bessert sich Gaias Zustand schon merklich und wir begeben uns ganz langsam zuerst raus aus der Stadt und schließlich weiter Richtung Osten.

Dianas 30. Geburtstag fällt entsprechend ruhig und in trauter Dreisamkeit aus.

Ob wir unseren Zeitplan einhalten können, oder nicht erscheint uns momentan nicht mehr so wichtig. Hauptsache ist, dass die Kleine wieder auf die Füße kommt, in Zukunft mehr Rückzugsmöglichkeiten hat und es zu keinen weiteren Strapazen aufgrund einer Autopanne kommt. Die Streckenverhältnisse sind schlechter als vermutet. Ich liege mit Gaia die meiste Zeit hinten im Lkw, bei zugezogenen Fenstern und mit nassen Tüchern vor jedem Spalt, um dem eindringenden Staub entgegenzuwirken. Es fühlt sich an, wie auf einem Schiff bei stürmischem Seegang. Wolfgang kämpft nicht nur mit der Orientierung (ohne GPS), sondern auch mit tiefen Fahr- und Regenfurchen im schwer einzuschätzenden Untergrund. Durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 35 Stundenkilometer.

Wüstenschiffe

Manchmal gibt es so viele verschiedene Pisten, dass man nach dem Zufallsprinzip entscheiden muss, welche man nimmt. Nun wissen wir auch was die Franzosen in Russland gemeint haben, als sie sagten: „Wenn ihr nicht mehr weiter wisst, folgt einfach den Strommasten…“ Und was tun, wenn es gar keine gibt?

Ihre Ehrfurcht vor den Natur- und Wegegeistern bringen die Mongolen in so genannten „Owoo`s“ zum Ausdruck. Steinsetzungen, die mit seidenen, meist blauen Tüchern geschmückt sind. Süßigkeiten, Bargeld, Wodkaflaschen und interessanterweise Holzkrücken, die man als Einziges auch bei Bedarf mitnehmen darf, dienen als Opfergaben.

Balta, „die Axt“, Franks Reisebegleiter auf Zeit. Von ihm erfahren wir viel Wissenswertes über das Leben der zum Großteil kasachischstämmigen Mongolen im Altai.

In den kleinen Städtchen unterwegs bekommt man das „Nötigste“. Kartoffeln, Brot, Zwiebeln, Gurken, Karotten und sogar Schokolade werden in kleinen „Tante Emma Läden“ angeboten. (Nervennahrung für den Fahrer, damit die Konzentration auf den „Höllenpisten“ nicht ausgeht.) Es bleibt uns ganz und gar unverständlich weshalb nachts meist so viel Betrieb auf der Strecke herrscht, die tagsüber schon so schwierig zu bewältigen ist. Balta meint nur, da wäre es kühler und es gebe keine Mücken.

Ja, das ist die Hauptstraße!

Erstaunlicherweise übersteht Morpheus trotz seines Gewichts und Alters die Rüttelpiste sehr gut. Auch die Reifen mit Straßenprofil haben sich bewährt.

Natürlich bedarf es unter solchen extremen Belastungen einer täglichen Inspektion des Unterbodens und regelmäßigem Abschmieren. Fast schade, dass wir die neuen Schneeketten wieder nicht ausprobieren können…

Frank mit Phoibos imEinsatz

Die riesigen, zumeist eine Tierart umfassenden Viehherden sind ein Überbleibsel aus den 50er und 60er Jahren, als die Viehhalter in staatlichen Genossenschaften zusammengeschlossen wurden.

Streichelzoo direkt vor der Haustür.

Ihr Trinkwasser füllen sich die Stadtbewohner im „house of water“ ab.

Für wenig Geld können wir unsere Tanks wieder auffüllen.

Zum Glück galoppiert das zottelige Steppenpferdchen nicht gleich los, sonst könnten wir uns wohl kaum auf dem kleinen Holzsattel halten. Aber wer schon einmal in diesem Land gewesen ist und nicht Lust bekommt auf dem Rücken eines Pferdes zumindest zu sitzen, bei all den vorüber ziehenden, edlen Geschöpfen, der muss wohl….eine Allergie haben.

Am 22.August erreichen wir trotz sämtlicher Widerstände pünktlich Ulan Bataar – die Hauptstadt. Mehr als ein Drittel der Mongolen lebt hier und es ist wie überall anders auf der Welt. Ulan Baaar wirkt völlig anders, als der Rest des Landes. Modern, voller hupender Autos, Bauwerke und Schönheitssalons, laut, schnell und irgendwie … entspannend. Man kann mal wieder untertauchen in den Strömen von Ausländern, mal wieder europäisch essen gehen, mal wieder die Wäsche waschen lassen.

Das Parlamentsgebäude auf dem Suchbaatarplatz

Nachdem die chinesischen Visa unter Dach und Fach sind, schlagen wir am 25. August den Weg Richtung Norden, zum Baikalsee ein.

Parkplatz vor dem Saloon

Besuch vom Nachbarn, der einen Bottich Joghurt und Salzgebäck als Gastgeschenk dabei hat.

Drei Tage später, am 28.08. stehen wir ausreisebereit an der Grenze in Kyachta.